Der Ickerner Luca Bernsdorf sorgt mit der U16 des VfL Bochum derzeit für Furore. © Jens Lukas
Juniorenfußball

Beim Casting von Luca Bernsdorf beim VfL Bochum ging alles ganz schnell

Nachwuchsfußballer Luca Bernsdorf aus Castrop-Rauxel spielt für die U16-Junioren des VfL Bochum. Vor rund drei Jahren führte ein Telefonat, das wahrlich kein Ferngespräch war, zum Karriere-Start.

In ausverkauften Stadien spielen, Autogramme schreiben, mit Fußballspielen Geld verdienen. Den Traum von einer Karriere als Bundesliga-Profi hat wohl fast jeder Junge schon einmal geträumt.

Talente gibt es viele, der Sprung vom Bolzplatz in die großen Arenen gelingt aber nur sehr wenigen. Ein entscheidender Schritt auf dem möglichen Weg zum Berufsfußballer ist die Aufnahme in eines der Nachwuchs-Leistungszentren eines Bundesligisten, der sich um die Ausbildung kümmert.

Den ersten Kontakt gab es in Kaiserau

Diesen Schritt ist der 15-jährige Castrop-Rauxeler Luca Bernsdorf 2017 gegangen, nachdem ihn die Scouting-Abteilung des VfL Bochum entdeckt und ihm angeboten hat, bei den U14-Junioren mitzuspielen.

Davor kickte Bernsdorf mit den D-Junioren von Westfalia Herne in der Bezirksliga – unter anderem gegen den TuS Hordel, die SG Wattenscheid 09, die Spvg Erkenschwick und Horst-Emscher. In seinem ersten Jahr im VfL-Trikot traf Luca Bernsdorf im U14-Nachwuchscup auf Teams aus ganz NRW. Die Gegner darunter: Borussia Dortmund, Schalke 04, Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln.

Vor rund drei Jahren hatte die Familie von Luca Bernsdorf den ersten Kontakt zum VfL Bochum. Der Sohn spielte mit der Auswahl des Kreises Herne/Castrop-Rauxel bei der Westfalenmeisterschaft in der Sportschule Kaiserau. Plötzlich klingelte während einer Partie das Mobiltelefon von Mutter Kathrin.

Anrufer war nur wenige Meter entfernt

Am anderen Ende der Leitung war David Siebers, VfL-Koordinator für die Teams von den U16- bis zu den U13-Junioren. Er stand nicht weit entfernt – am anderen Ende des Spielfeldes in Kaiserau. Und unterbreitete Luca sowie seinen Eltern das Angebot, beim Perspektivtraining seines Vereins mitzumachen.

Fortan wirkte der damals Zwölfjährige einmal pro Monat sonntags bei diesen Einheiten einer Trainingsgruppe von möglichen Neuzugängen mit, in der etatmäßige VfL-Kaderspieler nur sporadisch mitüben.

Seit 2017 ist der Ickerner Luca Bernsdorf – wie hier zu sehen – für den VfL Bochum am Ball. © Jens Lukas © Jens Lukas

Alexander Richter, Leiter des Talentwerks im VfL Bochum, erklärt: „Wir halten nicht viel von dem Probetraining-Tourismus, den man überall erlebt. Zumal wir den Trainingsalltag unserer aktuellen Teams mit rund 200 Spielern dadurch nicht beeinträchtigen wollen.“ Deshalb biete der Klub das Training der Perspektivteams an – für jene Talente, die den VfL-Verantwortlichen selbst oder Mitarbeitern ihrer Partnervereine aufgefallen sind.

Richter berichtet: „Zusätzlich bekommen wir pro Woche bis zu 75 schriftliche Bewerbungen von Spielern, die sich uns anbieten.“ So exotische Fälle, wie jener eines jungen Australiers, der Videos von seinen U13-Spielen mitgeschickt hatte, kommen für den VfL Bochum nicht infrage. Alexander Richter betont: „Wegen uns soll kein Junge aus seinem Land auswandern. Wir suchen unsere Spieler in der unmittelbaren Region – zwischen Ahaus, Münster und Siegen.“

Auf den Spuren von Leon Goretzka

Erfolgreiche Beispiele sind u.a. Leon Goretzka (Bochum), Tom Baack (Essen), Görkem Saglam (Gelsenkirchen) oder Gökhan Gül (Castrop-Rauxel), die seit den U10-Junioren beim VfL waren und durch ihre kurzen Anfahrten keinen Internatsplatz benötigten.

Zudem müsse ein Neuzugang nicht nur durch sein Talent in eine Mannschaft passen, sondern auf seiner Position, die er bekleiden kann, auch in die Kaderplanung für die neue Saison passen, sagt Richter. Das traf auch für Luca Bernsdorf zu, der in Herne auf der Sechser-Position agierte und beim VfL zunächst in der Innenverteidigung sowie Rechtsverteidiger seinen Platz gefunden hat.

Alexander Richter erklärt: „Es war gewiss so, dass unsere Scouts ihn vor der Westfalenmeisterschaft gesehen und ihn weiter beobachtet haben. Wir haben einen umfassenden Kalender mit Terminen, an denen interessante Spiele stattfinden und schicken auf dieser Grundlage unsere Leute los.“

Luca Bernsdorf ist mittlerweile 16 Jahre alt und beim VfL Bochum mit einem Drei-Jahres-Vertrag ausgestattet. © Jens Lukas © Jens Lukas

Luca Bernsdorf und seinen Eltern war bis zum ersten Kontakt gar nicht bewusst, dass er quasi „unter Beobachtung“ vonseiten des VfL gestanden hat. Dass Bochum an ihm Interesse hat, erfüllte Luca Bernsdorf mit Stolz: „Es ist toll, wenn man die Chance bekommt, für einen Bundesliga-Verein zu spielen.“ Beim ersten Training mit dem Perspektiv-Team sei er noch nervös gewesen. „Das hat sich aber danach gelegt“, sagt der Ickerner, der mittlerweile Fan des VfL Bochum ist und zudem Joshua Kimmich nacheifert.

Luca Bernsdorf ist begeistert, wie kameradschaftlich und freundlich es beim VfL Bochum – nicht nur innerhalb des eigenen Teams – zugeht. Weshalb er auch eine Offerte des FC Schalke 04 ausgeschlagen habe. Er sagt: „In Bochum ist es familiärer. Das gefällt mir.“

Mit der U16 des VfL Bochum lässt mit Rechtsverteidiger Luca Bernsdorf derzeit in der Westfalenliga mächtig aufhorchen. Der VfL ist nach fünf Partien ungeschlagener Dritter. Spitzenreiter Schalke 04 U16 ist in Reichweite. Und: U16-Nationalmannschafts-Trainer Marc-Patrick Meister wurde schon mehrmals bei Bochumer Begegnungen gesehen.

Der Ickerner Nachwuchsfußballer Luca Bernsdorf hat eine Auszeichnung beim VfL Bochum in Empfang genommen. © Jens Lukas © Jens Lukas

Ende Oktober wurde Luca Bernsdorf eine besondere Ehre zuteil. Er gewann die Werner-Altegoer-Medaille Im Jahrgang U16/U17 – für sein Verhalten auf und außerhalb des Platzes sowie schulische Leistungen.

Das Lob von Richter: „Er hat einen unfassbaren Willen. Als Außenverteidiger macht er zwar kaum Tore, bereitet dafür aber einige vor und beschwört durch seine Art zu spielen immer wieder gefährliche Situationen herauf.“

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Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas

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