Ein Nachwuchsspieler hält sich seit Dezember im spanischen Marbella auf, wo er ungehindert trainieren kann. © picture alliance / dpa-tmn
Sport und Corona

Castrop-Rauxeler Nachwuchssportler fliehen für Training nach Niedersachsen und Spanien

Die meisten Sportstätten in Nordrhein-Westfalen sind nach wie vor geschlossen. Ambitionierte Sportler suchen daher nach Alternativen - in anderen Bundesländern oder sogar im europäischen Ausland.

Junge Sport-Talente fürchten im Corona-Lockdown derart in Trainingsrückstand zu geraten, dass sie in Zukunft nicht mehr mithalten können. Während in Nordrhein-Westfalen die meisten Sportstätten noch geschlossen sind, suchen Nachwuchs-Sportler nach Alternativen in anderen Bundesländern – und sogar im sonnigen Spanien.

Übungsstunden mit dem ehemaligen DTB-Bundestrainer

Zwar sind die Tennis-Freiluftplätze seit 22. Februar wieder geöffnet, aber bei Temperaturen mit nur wenigen Grad über dem Gefrierpunkt stellen sie derzeit in heimischen Breitengraden keine Alternative zu den Tennishallen dar.

Der 14-Jährige Kian Azadi (TuS Ickern) verlegte sein Training im November zunächst nach Niedersachsen, wo die Tennishallen geöffnet sind. Seit Dezember befindet er sich im spanischen Marbella, wo er die Tennisakademie von Klaus Hoffsäss (Marbella College Hofsäss) besucht. Hofsäss war DTB-Bundestrainer und Berater von Steffi Graf.

„Erst sind wir samstags und sonntags immer nach Osnabrück gefahren, damit Kian dort spielen konnte. Mit 24 Euro pro Stunde war das nicht gerade günstig“, schildert Mutter Daniela Azadi am Telefon. „Der Aufenthalt in Spanien ist schon nicht billig, aber Kian hat die ganzen Jahre so hart gekämpft, um im Tennis dorthin zu kommen. Er ist in einem Jahr 22 Zentimeter gewachsen. Er kriegt das von Koordination nicht mehr auf die Reihe, wenn er jetzt zu lange mit dem Training aussetzt.“

Kian Azadi ist derzeit die Nummer 36 der deutschen U14-Junioren-Rangliste. Erst im Jahr 2017 hatte er ernsthaft mit dem Tennistraining begonnen. Davor spielte er Feldhockey.

Kian Azadi (links) mit dem ehemaligen DTB-Bundestrainer Klaus Hofsäss im spanischen Marbella beim Tennistraining. © privat © privat

Auch Tuana Öztürk (TC GW Frohlinde) fehlt der Tennissport. „Sie konnte drei Monate nicht trainieren, im November hat sie noch draußen gespielt“, erklärt Vater Orhan Öztürk. „Wir haben das Beste daraus gemacht; Joggen, Workout. Dann sind wir nach Osnabrück gefahren. Aber das kann die Turniere nicht ersetzen. Die Turnierpraxis geht verloren.“

Die 13-Jährige belegt Platz 86 der deutschen U14-Juniorinnen-Rangliste. „Ich verstehe nicht ganz, warum es einige Bundesländer den Kindern ermöglichen, ihrem Sport nachzugehen und andere nicht“, sagt Orhan Öztürk.

Kian Azadi will vorerst in Marbella bleiben, bis er wieder zu Hause trainieren kann. Von seiner Schule, einem Dortmunder Gymnasium, hat er bislang eine Befreiung bekommen, da in der Tennisakademie auch Schulunterricht stattfindet. „Für die kommende Zeit habe ich eine weitere Befreiung beantragt“, so Daniela Azadi.

Sie selbst gilt als Corona-Hochrisiko-Patientin. Dennoch fühlt sich die 49-Jährige in Marbella sicher. „Wir leben hier in einer Gated Community (geschlossene Wohnanlage, Anm. d. Red.), werden regelmäßig auf Corona getestet, vor Turnieren noch öfter“, sagt Daniela Azadi. „Hier in Marbella müssen alle draußen permanent Maske tragen, also auch auf der Straße nicht nur im Supermarkt.“

Tuana Öztürk vom TC GW Frohlinde fehlen vor allem die Turniere. Derzeit belegt sie Platz 86 der deutschen U14-Rangliste. © Orhan Öztürk © Orhan Öztürk

Auch Tuana Öztürk wollte zunächst ihr Training ins Ausland verlegen. „Wir wollten in den Weihnachtsferien für drei Wochen nach Antalya in die Tennisakademie Club Mega Saray, wo auch Turniere ausgetragen werden. Das war eigentlich alles schon eingestielt“, erklärt Orhan Öztürk. „Aber wir wussten nicht, wie sich die Reisebeschränkungen entwickeln werden. Nun wollen wir in den Osterferien dorthin. Aber erst mal abwarten, wie sich die Pandemie und die Reiseregelungen entwickeln.“

Orhan Öztürk hofft, dass bis dahin in Antalya Schulunterricht – neben Englisch und Spanisch – auch in deutscher Sprache möglich ist. In der Zwischenzeit hofft Tuana Öztürk auf steigende Temperaturen, damit sie den Platz des TC GW Frohlinde wieder nutzen kann.

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Redaktion und Sportredaktion Castrop-Rauxel

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