Vor dem EM-Auftakt gegen Frankreich klatschten sich die deutschen Spieler ab. Wenn es nach den Castrop-Rauxeler Trainern geht, wird die Start-Elf gegen Portugal anders aussehen. © picture alliance/dpa
Fußball-EM

Castrop-Rauxeler Trainer wollen Weltmeister opfern für Sieg gegen Portugal

Nach dem 0:1 gegen Frankreich hat für die deutsche Mannschaft bei der EM 2020/21 das Spiel gegen Portugal so etwas wie einen Endspiel-Charakter - verlieren verboten. Wie würden Castrop-Rauxeler Experten die DFB-Elf dafür aufstellen?

Im zweiten Gruppen-Spiel der Vorrunde stehen Deutschlands Fußballer bereits unter starkem Druck nach dem 0:1 gegen Frankreich. Der Gegner Portugal ist als Titelverteidiger nicht von Pappe. Erscheint nach dem glücklichen 3:0-Sieg gegen Ungarn aber nicht so stark zu sein wie die Equipe Tricolore. Fakt ist: Drei Punkte müssen her gegen Portugal.

Einige Castrop-Rauxeler Trainer hat die Sportredaktion gefragt: Wenn Du an der Stelle von Bundestrainer Jogi Löw sein würdest, wie sähe dann Deine Start-Elf gegen Portugal aus?

Frohlindes Trainer Jimmy Thimm . © Jens Lukas © Jens Lukas

Jimmy Thimm, Trainer des Landesligisten FC Frohlinde, bleibt bei einer Dreier-Abwehr-Kette – auch weil er nicht glaubt, dass Jogi Löw davon abweichen wird. Die deutsche Start-Elf von „Bundestrainer“ Jimmy Thimm:

  • Neuer – Ginter, Hummels, Rüdiger – Sane, Kimmich, Gündogan, Kroos, Gosens – Müller, Werner

Thimm begründet seine Aufstellung:

Wir brauchen eine Abwehr-Dreier-Kette, denn Ginter, Rüdiger und Hummels haben gegen Frankreich defensiv gut gearbeitet. Hummels und Rüdiger schalten sich zudem gut in die Spieleröffnung ein.

Thimm sagt zu den Außen: „Sane bringt Tempo ins Spiel. Gosens verfügt über einen guten linken Fuß. Beide müssen sich bei portugiesischen Angriffen aber fallen lassen und die Abwehr zur Fünfer-Kette machen.“

Thimm erklärt das Mittelfeld: „Joshua Kimmich gehört als Sechser in die Mitte – er ist unser Motor. Gündogan muss auf der Acht spielen vor Kimmich und Kroos.“

Thimm sagt zum Angriff: „Thomas Müller reißt Lücken, öffnet Räume und bringt ein sehr gutes Spielverständnis mit. Und Timo Werner brennt nach seinem Kurzeinsatz gegen Frankreich auf einen Start-Elf-Platz.“

Alternativ gibt es für Thimm auf der gut besetzten deutschen Bank für den Angriff Volland und Gnabry – für die Abwehr Can und Süle. „Wenn sie gebraucht werden“, so der Frohlinder Trainer.

Am Ball: Tino Westphal, der Trainer der SG Castrop. © Jens Lukas © Jens Lukas

Tino Westphal, Coach des Bezirksligisten SG Castrop, meint als „Bundestrainer“: „Eine ideale Aufstellung für das Portugal-Spiel zu finden, ist schwierig. Auf jeden Fall muss das deutsche Spiel schneller werden. Am liebsten würde ich die U21-Europameister spielen lassen.“ Was aber nicht geht – also legt sich Westphal auf dieses Team fest:

  • Neuer – Rüdiger, Hummels, Gosens – Gnabry, Can, Kimmich, Gündogan – Sane, Müller, Werner

Ein Opfer in Westphals Wunsch-Team ist Toni Kroos wegen seiner ständigen Tempo-Drosselung. „Kroos spielt nur noch Sicherheitspässe zwei Meter vor, zwei Meter zur Seite. Damit nimmt er dem deutschen Spiel jede Schnelligkeit.“ Neben Kimmich („Der muss auf der Sechs spielen“) nimmt Westphal Emre Can ins Mittelfeld. Der Grund: „Can ist zweikampfstark und sorgt mit seiner Dynamik für Dampf nach vorne.“ Das Westphal-Mittelfeld komplettieren Gnabry auf der rechten Seite und Gündogan als Zehner.

Serge Gnabry soll mit Stürmer Leroy Sane die rechte Außenbahn beackern. Beide gemeinsam auf einer Seite könne für Gefahr vor des Gegners Tor sorgen. Gündogan gehört für Westphal als Zehner und Champions-League-Sieger ebenso ins Team wie im Angriff Timo Werner. Und: „Thomas Müller muss einfach spielen. Warum er so lange raus war, verstehe ich ohnehin nicht.“

Diskussionswürdig sind für Tino Westphal die deutschen Standards: „Da würde ich gerne von Jogi Löw wissen, wie er Standards trainiert, dass die so schlecht sind.“

Marc Olschewski, Trainer des VfB Habinghorst. © Volker Engel © Volker Engel

Marc Olschewski, Trainer des A-Kreisligisten VfB Habinghorst, lehnt sich mit einer gewagten Aufstellung weit aus dem Fenster – und kehrt in der Abwehr zurück zur Vierer-Kette. Die dort größte Überraschung in Olschewskis deutscher Start-Elf ist der Freiburger Christian Günter als linker Verteidiger. Der VfB-Trainer tippt einen 2:0-Sieg für Deutschland – und stellt diese Mannschaft auf:

  • Neuer – Ginter, Rüdiger, Hummels, Günter – Goretzka, Kimmich, Gosens – Gnabry, Müller, Volland

Völlig ausgebootet hat Marc Olschewski die bei Bundestrainer Löw stets gesetzte Spieler Toni Kroos und Ikay Gündogan. Zu Günter auf der linken Abwehrseite und einem ins linke Mittelfeld vorgezogenen Gosens merkt der VfB-Trainer an: „Bei Günter werde ich ein stückweit exotisch. Er ergänzt sich aber gut mit Gosens. Beide haben einen Drang nach vorne. Sie könnten sich also super ergänzen und offensive Nadelstiche setzen.“

Zu Matthias Ginter: „Er ist ein cleverer, zweikampfstarker Verteidiger – es wäre schade, wenn er nicht spielen würde. “

Einer Revolution gleich kommt, dass Olschewski sowohl Kroos als auch Gündogan auf die Bank setzt. Die Begründung: „Es ist unmenschlich, Joshua Kimmich nicht als Sechser spielen zu lassen. Er kann mit seiner Einstellung und Mentalität andere mitreißen.“ Goretzka dazu ergebe dann eine eingespielte Bayern-Achse.

Gnabry ist für Olschewski der richtige Mann für die rechte Angriffsseite. Thomas Müller soll den klassischen Zehner spielen. Und Kevin Volland sei ein Stürmer, der nach einer guten Saison mit breiter Brust spielt. „Volland kann Tore schießen, sich aber auch zurückfallen lassen – wenn es nötig ist.“

Danny Jordan, Trainer der neuen SG der Victoria Habinghorst mit den SF Habinghorst/Dingen. © Jens Lukas © Jens Lukas

Danny Jordan, Trainer des A-Kreisligisten SG Victoria/SF Habinghorst, bringt mit Bayern-Jungstar Jamal Musiala eine überraschende Variante in die deutsche Start-Elf gegen Portugal. Dieser Mannschaft schenkt Jordan sein Vertrauen:

  • Neuer – Can, Hummels, Rüdiger, Gosens – Musiala, Kimmich, Goretzka (Kroos) – Gnabry, Havertz, Müller

Jordan kehrt in der Abwehr ebenfalls zur Vierer-Kette zurück. Emre Can setzt er auf die rechte Seite, weil „der so zweikampfstark ist“. Hummels, Rüdiger in der Mitte, sowie Gosens über Links genießen Jordans Vertrauen.

Im Mittelfeld sind Kimmich und Goretzka gesetzt, da beide keinen Zweikampf scheuen würden und eine klare Aufgabenteilung hätten – mit Goretzka als etwas offensiverem Spieler. Sollte Goretzkas Verletzung keinen Einsatz zulassen, käme Kroos wieder ins Spiel. Warum Youngster Jamal Musiala? „Dieser Junge macht mir einfach Spaß. Außerdem hat Leroy Sane mit sich selbst genug zu tun.“

Kai Harvertz sieht Jordan als „Freigeist“ auf der Zehner-Position, um ihn „dort ohne große Aufgabe einfach nur spielen zu lassen“. Dazu gesellt sich noch Thomas Müller als Zielspieler vorne an und in der Box.

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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