Eventuell spielen in Castrop-Rauxel die Minikicker des SV Wacker Obercastrop samstags auf die selbstgebastelten Tore, die seit Jahren in der Erin-Kampfbahn stehen. © Volker Engel
Juniorenfußball

Der FLVW stützt DFB-Reform mit Dreier-Teams im Juniorenfußball

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will mit einem Masterplan den Nachwuchsfußball der Bambini, F-Jugend und E-Junioren revolutionieren. Was sagen die Verantwortlichen im Westfälischen Verband dazu?

Die Vereine müssen sich auf eine Revolution durch den DFB im Juniorenfußball einstellen: Die Bambini, F- und E-Junioren sollen mit kleineren Toren und Spielfeldern ihre Partien von Zwei gegen Zwei, Drei gegen Drei bis hin zu Sieben gegen Sieben auf bis zu vier Toren austragen. Das soll zu mehr Pass-Sicherheit und Ballfertigkeit führen.

Kreisjugendobmann hat Bedenken geäußert

Nicht nur die Trainer und Vereinsvertreter der heimischen Clubs haben nach dem konkreten Bekanntwerden des Plans Anfang Dezember Bedenken geäußert. Auch Bernd Götte (VfB Börnig), Vorsitzender des Kreis-Jugend-Ausschusses Herne/Castrop-Rauxel (VKJA), hat mehr Fragen als Antworten zu der Reform.

Der Herner ist seit 30 Jahren im Nachwuchsfußball unterwegs – aktuell auch im Beirat des Westfälischen sowie Westdeutschen Fußball-Verbands. Götte sagt: „Als Mitglied des FLVW-Gremiums habe ich den Masterplan diskutiert und sehe viele Dinge als sinnvoll an. Als Geschäftsführer des VfB Börnig frage ich mich, wer die kleineren Tore bezahlen soll, und wo wir die Trainer für vier Spielfelder herholen sollen?“

Antworten auf diese Fragen soll es bald geben. Das erklärte Christian Schubert, beim FLVW in der Stabsstelle Kommunikation und gesellschaftliches Engagement für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig: „In Abstimmung mit den Fachgremien, Landesverbänden und Vertreterinnen und Vertretern von Amateurklubs wird nun verstärkt mit Pilotprojekten gearbeitet, die flächendeckend ausgerollt werden.“ Auch eine Qualifizierungsoffensive für Kindertrainerinnen und -trainer folgen soll.

Neue Spielformen helfen auch, Fairplay zu lernen

Denn der FLVW unterstützt die Maßnahmen zur Einführung der neuen Spielformen. Schubert: „Durch diese wird jedes Kind richtig mitmachen und hat viele Aktionen – offensiv und defensiv – am Ball. Die Kinder erlernen noch besser grundsätzliche Werte des Fußballs – nämlich: Fairplay, Freude am Spiel sowie Umgang mit Siegen und Niederlagen“.

Um den Leistungsdruck zu minimieren, werden beim neuen Modell in den unteren Altersklassen keine Meisterschaftsrunde ausgetragen. Stattdessen sind Turniere mit mehreren Mannschaften und Spielfeldern vorgesehen. Schubert: „Die bisherigen Erfahrungen mit den im Test befindlichen Veränderungen sind positiv.“

Der Aspekt der Tore sei in der Umsetzung ein zentrales Element, so Christian Schubert, welches bei den Planungen Beachtung findet: „Genauso wie bei der Spielfeldgröße und der Spieleranzahl soll auch bei der Torgröße maximale Flexibilität gewährleitet sein. Zum einen soll so die Möglichkeit der Nutzung vorhandener Torgrößen geschaffen werden, zum anderen schaffen unterschiedliche Torgrößen zusätzliche Spielvariationen.“

So empfiehlt der FLVW Torgrößen für Spielformen ohne Torwart: eine Mindestgröße (120×80 cm, Breite x Höhe), eine Idealgröße (150×100 cm) sowie eine Maximalgröße (200×120 cm).

Verbände zahlen keinen Zuschuss für neue Tore

Schubert: „Die Kosten für die Anschaffung von zusätzlichen Toren ist ein oft genanntes Argument gegen die neuen Spielformen im Kinderfußball. Eine direkte Bezuschussung durch den DFB sowie FLVW wird es nicht geben können.“ Mit einem vergünstigten Einkauf durch koordinierte Sammelbestellungen und Angebote seiner Partner und Sponsoren möchte jedoch der FLVW die Basis unterstützen.

FLVW-Verbandsfußballlehrer Carsten Busch sagt zudem zu den Mini-Toren: „Ich glaube, wir diskutieren beim Thema Tore auch wieder Erwachsenenprobleme. Kinder haben keine Probleme, mal auf Stangen-Tore zu schießen. Oder auf Pop-up-Tore oder kleine Hockey-Tore. Wenn Kinder nach dem Spiel oder Training nach Hause kommen und erzählen, dass sie zwei Tore geschossen haben, ist ihnen völlig egal, ob das ein Fünf-Meter-Tor mit Netz oder ein Stangen-Tor war.“

Spielformen sollen mit dem Alter mitwachsen

Im FLVW wird die Spielvariante bei Minikickern mit Drei gegen Drei und F-Junioren mit Fünf gegen Fünf zwei Tore favorisiert, so Schubert: „Wichtig ist, sich nicht zu starr auf eine Spielvariante festzulegen, sondern flexibel auf Situationen zu reagieren. Die Spielformen sollen mit den Jüngsten mitwachsen.“

Verbandsfußballlehrer Steffen Winter geht bei den Minikickern von einer Spielfeldgröße von 20×15 Metern beim Drei gegen Drei ohne festen Torhüter aus. Bei den F-Junioren sollten es dann 28×20 Meter sein – auf abgehängten Fünf-Meter-Tore mit einer Höhe von etwa 1,65 Metern. Winter: „Hier gibt es bereits die Überlegungen, einen festen Torwart mit reinzunehmen. Oder der letzte Mann hält. Da sind wir noch in der Entwicklungsphase.“ Durch mehrere Spielfelder soll verhindert werden, dass es Auswechselspieler gibt, die am Ende nur fünf Minuten Spielzeit bekommen haben.

Und was ist mit den Trainern, die gleichzeitig mehrere Spielfelder im Blick haben müssten? Dazu sagt Schubert: „Die Rolle des Trainers wird sich verändern. Er bekommt neue Aufgaben im organisatorischen Bereich. Dafür wird er vom Spieler-Coaching entlastet. Dies ermöglicht mehr freies Spielen für den Nachwuchs. Die Erkenntnisse vom Spielwochenende fließen in die Trainingsarbeit ein.“

Über den Autor
Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas

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