Im Jahr 1989 kam ein 5-Jähriger in Castrop-Rauxel an, der heute nahezu allen in der heimischen Fußball-Szene bekannt ist. © Jens Lukas
Fußball

Der steinige Weg vom kleinen Spätaussiedler-Kind zum 1. Vorsitzenden

Als er mit seinen Eltern 1988 aus Oberschlesien nach Castrop-Rauxel kam, sprach er kein Wort Deutsch. Der damals 5-Jährige ist heute Diplom-Kaufmann und Vorsitzender eines Fußballvereins.

Was für eine Karriere. Er wurde in Hindenburg (heute Zabrze) am 17. Dezember 1982 geboren. Er kam mit fünf Jahren als Spätaussiedler-Kind nach Castrop-Rauxel in eine für ihn fremde Welt. Er sprach noch kein Wort Deutsch. Mittlerweile kennen ihn in Castrop-Rauxel vor allem in der Fußball-Zunft nahezu alle.

Viele Momente sind im Gedächtnis abgespeichert

Die Rede ist von Martin Janicki, dem Vorsitzenden des Westfalenligisten SV Wacker Obercastrop. Als der Reporter unserer Redaktion nun Janicki auf seinen Lebenslauf ansprach, sagte er fast sentimental: „Jetzt gehe ich kurz in mich, ein kurzer Moment für die lange Vergangenheit.“ Dann sprudelten die Worte aus ihm heraus. Seine Vergangenheit scheint er komplett im Gedächtnis abgespeichert zu haben. Als wäre alles gestern gewesen.

Nach der Geburt von Sohn Martin im polnischen Zabrze wagten seine Eltern den Weg in den Westen. Martin Janicki erinnert sich an diese Zeit: „Wir kamen erst in ein Übergangslager nach Unna-Massen, dann ging es nach Castrop-Rauxel. Dort kamen wir für 14 Tage bei einem Onkel unter, der an der Bochumer Straße wohnte.“ Nach einem kurzen Aufenthalt in der Merklinder Harkort-Siedlung, bekam die Familie Janicki die erste Wohnung an der Herner Straße.

Martin Janicki ist 1. Vorsitzender und zudem Stadionsprecher beim SV Wacker Obercastrop. © Jens Lukas © Jens Lukas

Er war somit im Dunstkreis des BV Wacker Castrop, der damals sein Domizil auf dem Sportplatz am Stadtgarten hatte. Aber dennoch kam die Wacker-Liebe über den Onkel zustande. Der hatte nämlich mit dem Altherren-Team von Eintracht Ickern beim BV Wacker gespielt – und die gesamte Janicki-Familie schaute zu.

Martin Janicki sagte im Rückblick auf die Partie: „Ich werde es nicht vergessen, als ich noch kein Deutsch kannte, fragte Dieter Heermann aus dem Vorstand meine Eltern, ob ich nicht Lust hätte, Fußball zu spielen.“ Und alles nahm seinen Lauf.

Der kleine Martin begann bei den Mini-Kickern und durchlief alle Jugend-Teams des BV Wacker, der 1997 mit BW Obercastrop zum SV Wacker Obercastrop fusionierte. Trainer Uwe Esser holte Janicki zu wichtigen Spiel bei der Spvg Schwerin (3:0) gegen den Abstieg aus der Kreisliga A in die erste Mannschaft. Damals trafen Janicki und Co. auf eine Reihe von Ex-Mitspielern, die in der Winterpause als Vertragsamateure nach Schwerin wechselten.

Esser ist es auch zu verdanken, dass der junge Janicki den Wackeranern treu blieb. Mit Freund Lars Otto hatte er beim FC Frohlinde unterschrieben. Als Esser das hörte, hätte er mit emotionalen Worten seinen Spieler zum Bleiben bewegt: „Einmal Wacker, immer Wacker!“ Dieser Spruch passt auf Janicki wie in Stein gemeißelt.

Im August 2003 sorgte Martin Janicki (2.v.r.) seinen SV Wacker in Dingen zum Stadtmeisterschafts-Sieg. Im Halbfinale gegen die SG Castrop gewann er gegen Kay Hennig ein Kopfballduell. Im Endspiel gegen den FC Frohlinde verwandelte er einen Strafstoß zum 1:0-Sieg. © Jens Lukas © Jens Lukas

Das ist Martin Janicki

  • Martin Janicki, Diplom-Kaufmann und 1. Vorsitzender des SV Wacker Obercastrop, ist am 17.12. 1982 in Hindenburg (heute Zabrze) geboren.
  • Er kam mit seiner Familie als 5-Jähriger im September 1988 nach Castrop-Rauxel und hatte 1989 beim BV Wacker Castrop am Stadtgarten mit dem Fußball den ersten Kontakt.
  • Den Pflegedienst Pectus hat er mit seinem Vater vor zehn Jahren eröffnet. Er ist mit Ehefrau Klaudia verheiratet- Vor einem halben Jahr wurde Tochter Karla geboren.
  • Seit 1989 ist er nun ohne Pause Wackeraner und seit März 2018 (anfangs kommissarisch) Vorsitzender. Einen geplanten Wechsel als Spieler um FC Frohlinde als 18-Jähriger verhinderte einst Trainer Uwe Esser.

2003 schoss Martin Janicki seinen SV Wacker zum Stadtmeister-Titel. Er verwandelte in der zweiten Ausführung einen Elfmeter auf dem Ascheplatz an der Dingener Westheide zum 1:0-Endspielsieg gegen den FC Frohlinde. Als Janicki zum ersten Mal anlief, konnte Frohlinde-Keeper Rainer Geesmann den Schuss parieren und schien sich selbst ein vorzeitiges Geschenk zu seinem 45. Geburtstag zu machen.

Janicki traf, obwohl der Keeper die Ecke ahnte

Der Castrop-Rauxeler Referee Hans John (Westfalia Herne), der sein letztes offizielles Spiel leitete, pfiff aber den Schützen und den Torwart zurück. Er hatte nämlich den Ball noch nicht freigegeben. Auch beim zweiten Anlauf von Janicki ahnte Routinier Geesmann die richtige Ecke, konnte das Leder diesmal allerdings nicht abwehren.

Als Spieler war Janicki danach noch der Aufstieg in die Bezirksliga im Jahr 2006 vergönnt, schwierige Knorpelschäden in beiden Knien forderten Tribut. Der Abwehr-Stratege musste fünf Jahre Pause einlegen, spielte noch in der zweiten Mannschaft und heute für die Altherren.

Spielte 2018 noch für die zweite Mannschaft des SV Wacker: Martin Janicki (l.). © Jens Lukas © Jens Lukas

Nebenbei wurde dadurch der Funktionär Janicki geboren. Mittlerweile führt er den Verein als 1. Vorsitzender an. Er begann als 1. Kassierer 2012, als Elmar Bök Vorsitzender wurde. Und Freund Lars Otto dessen Stellvertreter. Bei einer Umstrukturierung wurde Janicki im März 2018 kommissarischer Vorsitzender. 2019 wollte er dann kürzertreten. Als Jürgen Hahn, der das Amt übernehmen sollte, aber plötzlich verstarb, wurde Martin Janicki fest auf dem Posten verankert.

Mit seinem Fachwissen kann er das Amt gut ausführen. Der Wacker-Chef erzählte, dass Elmar Bök ihm die Lehrstelle bei seinem Onkel, dem Steuerberater Willi Rütershoff besorgt hat. Als Steuerfachkraft brachte er es zum Diplom-Kaufmann.

Zudem besteht jetzt schon seit über zehn Jahren die Pflege-Einrichtung Pectus, die er mit seinem Vater gründete. Das Büro ist kurz hinter der Stadtgrenze in Holthausen und fast fußläufig zu seinem geliebten Wacker-Sportplatz.

Zu dem Verein, der derzeit die beste Castrop-Rauxeler Mannschaft stellt und in der Westfalenliga spielt. Ein Verein, der dem kleinen Jungen von 1989 so richtig ans Herz gewachsen ist. Janicki lobt immer wieder die tolle Fan-Kultur, die er nicht nur als Stadionsprecher auch selbst vorlebt.

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Sportredaktion Castrop-Rauxel
Geboren und wohnhaft in Castrop-Rauxel, bin ich über den Billardsport (Karambolage) als freier Mitarbeiter in der Castrop-Rauxeler Lokalredaktion angefangen. Da ich neben dem französischen Billard noch Fußball, Handball, Tischtennis und Tennis in Vereinen aktiv ausführte bot es sich förmlich an, darüber ebenfalls zu berichten.
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Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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