David Scholka, der Keeper des SV Wacker Obercastrop, ist derzeit aus einem speziellen Grund der beste Torwart in Westfalen. © Volker Engel
Fußball

Der Torwart von Wacker Obercastrop ist die Nummer Eins von Westfalen

Der Westfalenliga-Aufsteiger SV Wacker Obercastrop hat in seiner Premieren-Saison die Konkurrenz überrascht. Der Spieler auf einer bestimmten Position ragt dabei auf den ersten Blick heraus.

Die Spielzeit 2020/21 ist die Premieren-Saison für den SV Wacker Obercastrop in der Fußball-Westfalenliga. Der Newcomer hat bislang die etablierten Mannschaften verblüfft. Nach sieben Partien haben die Castrop-Rauxeler erst eine Niederlage erlitten – beim 0:1 beim FC Iserlohn.

Eine Kamera ist im entscheidenden Moment ausgefallen

Mit einer anderen Tatsache lässt der SV Wacker allerdings noch mehr aufhorchen. Noch mehr als mit den 16 von möglichen 21 Punkten. Beachtlich ist das Torverhältnis: 9:1. Ja, die Obercastroper haben tatsächlich nur einen Gegentreffer kassiert – eben jenen in Iserlohn.

Obwohl eine Sporttotal-Kamera im Iserlohner Hemberg-Stadion steht, gibt es kein Video – weder von der Partie vom 27. September noch von dem Tor. Man kann nur sehen, dass die Technik vor Anpfiff Probleme machte – und dann das Bild komplett ausfiel.

Wacker-Keeper David Scholka kann sich allerdings noch gut an die Szenen vor und während des Gegentores, das er durch Konstantinos Statharas in der 47. Minute kassierte, erinnern. Der 27-Jährige sagt: „Wir waren in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft und hatten Chancen, um mit 2:0 in Führung zu liegen. In der Pause haben wir das Spiel gut analysiert. In der zweiten Halbzeit gab es recht schnell einen kurz ausgeführten Eckball gegen uns, der per Kopfball abgewehrt wurde. Irgendwie sind wir danach nicht hinten rausgerückt.“

Alle hätten nur seelenruhig auf den Ball geschaut. Dann kam die zweite Flanke. Zwei von Scholkas Vorderleuten wurden sich nicht einig. Der Keeper erklärt: „Einer wollte gar nicht hingehen und der andere merkte das zu spät. Danach schaffte es ein am Boden liegender Iserlohner den Ball quer zu spielen. Der Torschütze stand sieben Meter vor dem Tor frei. Es ist schwerer solch einen Ball zu halten als ihn ins Tor zu schießen.“

David Scholka (schwarz-rotes Hemd) ist seit 2014 beim SV Wacker Obercastrop. © Jens Lukas © Jens Lukas

Eigentlich wäre zumindest ein 0:0 gerecht gewesen, meint David Scholka. Die Niederlage könne aber nicht seinen Stolz auf seine Mannschaft trüben, betont der Keeper: „Wir haben sechsmal die Null gehalten. Das schafft kaum jemand.“

Nur BW Oberbauerschaft hatte eine bessere Quote

Damit hat Scholka vor allem mit Blick auf die überkreislichen Ligen in Westfalen Recht. Denn in diesem Vergleich hat der SV Wacker mit nur 0,14 Gegentoren im Schnitt ganz weit die Nase vorn. In der Rangliste der Oberligisten, Westfalenligisten, Landesligisten und Bezirksligisten kann nur der SuS Stadtlohn (Bezirksliga) mit zwei Gegentreffern in acht Partien annähernd mithalten. Die Quote der Münsterländer liegt bei 0,25.

Minimal besser als Obercastrop ist der SV BW Oberbauerschaft. Dieser läuft allerdings vier Spielklassen tiefer auf. Ein Gegentreffer in acht Partien (Quote: 0,13) in der Kreisliga B Lübbecke sind aber beachtlich. Ebenfalls erst ein Gegentor haben in den westfälischen Männer-Ligen der TuS Eichlinghofen II (Kreisliga B Dortmund) und die SG Gahmen (Kreisliga A Dortmund) – nach jeweils erst fünf Begegnungen.

Ein Teil des Verdienstes am Wacker-Rekord geht auf das Konto von Nils Gehrmann. Dieser vertrat den urlaubenden Scholka am ersten Spieltag beim 1:0-Sieg gegen den FSV Gerlingen. Danach hielt Scholka beim TuS Hordel (0:0), gegen den SV Hohenlimburg (1:0), gegen den FC Lennestadt (3:0), bei der Spvg Hagen 11 (2:0) und beim BSV Schüren (2:0) die Null fest.

Das gelang ihm bereits auch in der Aufstiegs-Saison 2019/20 bei den wichtigen 1:0-Siegen beim Tabellenzweiten TuS Bövinghausen, gegen den SV Wanne 11 und gegen den Kirchhörder SC. Die Wackeraner kassierten 14 Gegentreffer in 21 Partien, also 0,66 Tore pro Begegnung.

„Die Null muss stehen!“ Diesem Motto hat sich David Scholka nach eigener Aussage zusammen mit seinen Teamkameraden verschrieben. Er sagt: „Weil wir vorne immer für ein Tor gut sind, ist das ein Erfolgsrezept.“

Das ist David Scholka

  • Mit dem Fußball angefangen hatte David Scholka in der Jugend der SF Nette und wechselte später zur Eintracht Dortmund.
  • Der gebürtige Castrop-Rauxeler landete im Junioren-Alter auch noch bei der Spvg Schwerin, spielte dort bei den A-Junioren, ehe er als Senior im Kader des Westfalenligisten DSC Wanne stand.
  • 2014 lotste der Wacker-Vorsitzende Martin Janicki David Scholka nach Obercastrop. Dieser zog nach 17 Jahren in Castrop-Rauxel zuletzt nach Dortmund-Sölde um.

Der Torhüter, der 2014 vom DSC Wanne in die Erin-Kampfbahn kam, gesteht allerdings auch ein: „In der aktuellen Saison sind wir noch nicht auf so krasse Mannschaften wie Bövinghausen, RW Deuten, DSC Wanne und SC Neheim getroffen.“ Wer weiß, wie dann die Bilanz aussehen würde?

Sehr große Stücke hält David Scholka auf seinen Torwart-Trainer David Menke. Dieser kennt u.a. aus seiner Zeit beim SV Sodingen die Westfalenliga und bereitet die Keeper auch mit Videoanalyse auf Partien vor. Über Nils Gehrmann sagt Scholka: „Einen besseren Partner-Torwart und Kollegen kann man sich nicht wünschen. Ich kenne ihn schon seit über zehn Jahren. Wir spornen uns gegenseitig an. Das bringt mir mindestens nochmals weitere zehn Prozent mehr Leistungsvermögen.“

Großes Vertrauen hat der 1,85 Meter große Keeper in seine Vordermänner. Und es scheint im Vergleich zu den ersten gemeinsamen Spielzeiten noch deutlich größer geworden zu sein. Denn David Scholka sagt: „Elvis Shala und Marc Schroeter haben in der Mannschaft jeweils eine enorme Entwicklung genommen. Sie bringen sich taktisch gut in die Defensivarbeit ein. Da kommt es auch einmal zu einem Foul, wenn es in der Situation nötig ist.“

Wie kann man während der 90 Minuten die Konzentration hochhalten? Dazu sagt Scholka: „Im Training hole ich mir die Konzentration über die Ausdauer. Zudem ist es ja auch nicht so, dass man als Torwart im Fünf-Meter-Raum stehen bleibt. Heutzutage geht man auch 30 Meter raus, spielt mit und ist viel in Bewegung.“

Wacker-Torwart-Trainer David Menke (Mitte) mit seinen beiden Keepern David Scholka (l.) und Nils Gehrmann (r.) © Wacker Obercastrop © Wacker Obercastrop

Während des ersten Lockdowns im Frühling hatte sich David Scholka mit Menke und Gehrmann mehrmals auf dem Bolzplatz am Castrop-Rauxeler Hallenbad zum Training getroffen. Das geht jetzt wegen der verschärften Schutzbestimmungen und frühem Sonnenuntergang im Winter nicht mehr.

Ein Hund hält den Torhüter auf Trab

Fit hält sich Scholka, der zuletzt von Castrop-Rauxel nach Dortmund-Sölde umgezogen ist, daheim. Mit Jogging, Youtube-Workout zusammen mit seiner Frau – und auch Spaziergängen mit dem Hund.

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Das ist Wacker-Keeper David Scholka

Zwei Aufstiege, einen Kreispokal-Sieg, vier Titelgewinne bei Stadtmeisterschaften in der Halle und auf dem Feld stehen für David Scholka seit seiner Ankunft an der Karlstraße zu Buche. Scholka fühlt sich hörbar pudelwohl beim SV Wacker. Er betont: „Wir haben hier ein tolles Vereinsleben – mit Kindern, die zu uns hochblicken. Die Jugendabteilung hier hat sich verbessert. B-Junioren-Torwart Jamie Wientzek hat bei uns Senioren öfter mit gemacht. Da hat man gesehen: Er kann ein richtig guter Keeper werden.“

Würde er bei einem Angebot zwei Spielklassen höher aus der Regionalliga über einen Vereinswechsel nachdenken? David Scholka erklärt: „Heute würde ich ,Nein´ sagen. Denn für mich spielen mit meinen 27 Jahren andere Faktoren im Leben größere Rollen als eine Fußball-Laufbahn. Vor allem nach meiner Hochzeit jetzt im August – und weil ich einen sicheren Job habe. Außerdem ist es toll, ein Puzzle-Teil der grandiosen Entwicklung von Wacker Obercastrop zu sein.“

Über den Autor
Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas

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