Das Trainingsgelände des BVB ist der Arbeitsplatz eines Castrop-Rauxelers, © Schaper
Fußball

Ein Castrop-Rauxeler ist jetzt Trainer bei Borussia Dortmund

Bundesligist Borussia Dortmund hat sich im Jugendbereich nach einer Trainer-Rotation personell neu aufgestellt. Für die Torhüter-Ausbildung ist nun ein Castrop-Rauxeler maßgeblich verantwortlich.

Unter Fußball-Lehrern ist man sich einig: Der Torwart wurde in den vergangenen Jahren beim Training immer noch oft vernachlässigt. Außer mit ein paar Torschüssen beschäftigt man ihn wenig. Aber auch für den Torwart gibt es wichtige spezielle Übungen. Ein spezielles Torwarttraining sollte etwa ab dem Alter von zehn Jahren stattfinden.

In diesem Bereich hat jetzt ein Castrop-Rauxeler seine Berufung bei einem Bundesligisten gefunden: Seit dem 1. Januar 2021 ist Tobias Ritz, der in Pöppiunghausen wohnt, bei Borussia Dortmund angestellt. Dort ist er im Nachwuchs-Leistungszentrum (NLZ) verantwortlicher Ansprechpartner für die Torwart-Trainer von der U9 bis U19.

Tobias Ritz hat in seiner aktiven Laufbahn als Torwart hat er mehr als 300 Spiele in der Oberliga, NRW-Liga und Westfalenliga bestritten – unter anderem für Spvg Erkenschwick, SW Essen und DSC Wanne.

Tobias Ritz aus Pöppinghausen ist seit Jahresbeginn Torwarttrainer im Nachwuchsbereich des BVB. © BVB/Jens Volke © BVB/Jens Volke

Tobias Ritz stieg mit Speldorf in die Oberliga auf

Im Jahr 2019 hat der heute 39-Jährige die Torwart-Karriere beendet. In seinem Spielerprofil fällt jedoch auf, dass dort ab 2016 mehrfach „pausiert“ steht. Ritz klärt auf: „Ich hatte meine Torwart-Handschuhe eigentlich schon an den Nagel gehängt wegen der Torwart-Trainer-Aufgabe bei Rot-Weiß Essen. In den Wintermonaten erhielt ich öfter Anrufe von Vereinen, bei denen es auf der Torwart-Position hakte und bin dort kurzfristig eingesprungen. Mit dem VfB Speldorf bin ich sogar noch in die Oberliga aufgestiegen.“

Der zweifache Familienvater – die Söhne sind drei und sechs Jahre alt – hat jetzt seinen sicheren Job als Bankkaufmann bei der Sparkasse aufgegeben für die Aufgabe als hauptberuflicher Torwart-Koordinator der U9 bis U19 beim BVB, wie auch Torwart-Trainer der dortigen U19.

Ein Risiko? „Nein“, sagt Tobis Ritz ganz bestimmt, und fügt hinzu: „Diese Arbeit hatte ich bei Rot-Weiß Essen mehrere Jahre im Nebenjob gemacht – und auch bei mehreren Bundesligisten hospitiert. Bei Borussia Dortmund arbeite ich jetzt hauptberuflich und muss nicht mehr zwischen meiner Tätigkeit bei der Bank und auf dem Sportplatz pendeln. Für mich haben sich die Bedingungen verbessert.“

Das Aufgabengebiet von Ritz ist vielfältig beim BVB – umfasst Stunden auf dem Sportplatz und am Schreibtisch. „Im Büro bin ich Ansprechpartner für unsere Torwart-Trainer, koordiniere mit ihnen die Auswahl der Torhüter sowie Trainings-Inhalte. Die praktische Arbeit auf dem Platz mit unseren drei U19-Torhütern rundet zeitlich aufwändig alles ab“, umreißt Ritz kurz seinen Tätigkeitsbereich.

Den sicheren Job in der Sparkasse mit dem beim BVB zu tauschen, war jedoch kein Schnellschuss. „Ich habe mir das vorher gründlich überlegt, aber meine Familie steht voll und ganz hinter mir. Meine Frau hat mich in meiner Entscheidung sogar bestärkt“, sagt Ritz, der beim BVB einen Vertrag bis zum Sommer 2023 unterschrieben hat.

Tobias Ritz: Vom Torwart zum Torwart-Trainer

  • Alter: 39 Jahre – 326 Spiele in Oberliga, NRW-Liga, Westfalenliga
  • Wohnort: Castrop-Rauxel, Ortsteil Pöppinghausen
  • Vereine als Torwart: SG Wattenscheid und BVB (Jugend) – Senioren: 1. FC Bocholt, Spvgg. Erkenschwick, TuRU Düsseldorf, SW Essen, DSC Wanne – ab 2016 kurzfristig eingesprungen bei SW Essen, VfB Speldorf, TSG Sprockhövel, FSV Duisburg

„Ich habe zwar nie ausdrücklich darauf hingearbeitet. Aber wenn man so will, ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen.“ Der 39-Jährige hat früher selbst in der BVB-Jugend gespielt. Trotz Corona läuft im NLZ die tägliche Trainingsarbeit der U17- und U19-Junioren weiter. Fast alle Nachwuchskicker in dieser Altersklasse sind Vertragsspieler beim BVB. Für diese ist auch in Corona-Zeiten das Training ausdrücklich erlaubt.

Wie aber kommt einer, der in seiner aktiven Torwart-Zeit kreuz und quer durch Westfalen und den Niederrhein unterwegs war, ausgerechnet auf den Castrop-Rauxeler Stadtteil Pöppinghausen als Wohnort? „Meine Frau und ich haben ein Eigenheim gesucht und konnten dort ein für uns ideales Häuschen kaufen. Das Wohnen in Pöppinghausen direkt in den Feldern und nicht weit vom Rhein-Herne-Kanal entfernt ist super. Es ist für uns und unsere beiden Jungs ideal, hier zu leben“, erklärt der 39-Jährige.

Carlos, der sechsjährige Sohnemann von Tobias Ritz, hat auch schon eine sportliche Heimat in Castrop-Rauxel gefunden: Er spielt in der Minikicker-Mannschaft des TuS Henrichenburg. Nicht wie der Papa als Torwart – Carlos ist Torjäger. „Es macht riesigen Spaß, den Knirpsen bei Spielen zuzuschauen, was wegen Corona leider derzeit nicht möglich ist“, so Ritz, der das Spiel- und Trainingsverbot für die jüngsten Kicker versteht. „So lange Kitas und Schulen zu sind, sollten die Knirpse nicht trainieren. Meine Frau und ich machen viel mit den Jungs an der frischen Luft, damit sie in Bewegung bleiben – was in Pöppinghausen ja gut geht.“

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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Redakteur Sport
Im Job auf allen Plätzen in der Region, meiner Heimat, zu Hause. Als leidenschaftlicher Fußballfreund gehört mein Herz dem runden Leder, aber noch viel mehr den Menschen, die sich in den Vereinen engagieren. Privat bin ich Familienmensch und stolzer Papa, ansonsten bin ich in der Freizeit häufig mit dem Fahrrad in der Natur unterwegs. Neugierig zu sein und dabei andere neugierig zu machen, das treibt mich als Lokalsportredakteur seit 25 Jahren an.
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