An der Karlstraße wohnt ein Fußballer, der erst nach fast drei Jahrzehnten die Erin-Kampfbahn für sich entdeckt hat. © Jens Lukas
Fußball

Erst nach 23 Jahren geht ein Fußballer zum Verein über die Straße

Wenn er aus der Haustür geht und die Straße überquert, ist er direkt am Sportplatz seines aktuellen Vereins. Doch 23 Jahre hat es gedauert, ehe der Fußballer dort auch aktiv wurde - und auch bleibt.

Im Alter von fünf Jahren zog ein heute 29-jähriger Fußballer von Herne nach Castrop-Rauxel. Durch den Umzug wohnte er fortan gegenüber dem Sportplatz eines Clubs, für den er jetzt kickt. Zum ersten Mal.

Wenn ein Fußballer mit seinen Eltern gegenüber einer Sportanlage wohnt. Das sollte doch für den talentierten Kicker ein gefundenes Fressen bedeuten? War es aber nicht. Obwohl das Auto bei Heimspielen in der Garage hätte bleiben können. Das alles hätte bis dato nicht gezogen, erzählt jetzt der Linksfuß, der erst mit 27 Jahren beschloss, sich dem SV Wacker Obercastrop an der Karlstraße anzuschließen: Nico Brehm.

Nico Brehm (l.) hier im August 2019 im Landesliga-Derby beim FC Frohlinde, geht in seine dritte Saison für den SV Wacker Obercastrop. © Jens Lukas © Jens Lukas

Vertragsverhandlung mit zwei Textnachrichten abgeschlossen

Jetzt, nach den ersten zwei Jahren, ging bei den Zukunftsplänen für Brehm mit dem SV Wacker alles ganz schnell. Mit der Vertragsverlängerung mit Brehm ging es durch den Sportlichen Leiter Alexander Wagener völlig problemlos. Nico Brehm erzählte am Nikolaus-Tag, an seinem Namenstag: „Alex hat mir geschrieben, ob alles klar für die neue Saison ist. Und ich habe zugestimmt. Alles klar.“ So schnell geht das.

Aber warum wurde die Ehe mit Wacker Obercastrop nicht schon viel früher als im Jahr 2019 beschlossen? Dazu erklärt Brehm: „Der heutige Vorsitzende Martin Janicki hatte schon fünf Jahre lang versucht, mich zu überzeugen. Aber ich wollte nicht tiefer als in der Landesliga spielen.“

Und dann kam doch der Wechsel zustande, obwohl Sodingen mit Nico Brehm ja der Westfalenliga-Aufstieg gelungen war. Dazu sagte Brehm: „Das war schon kurios. Als ich mit Wacker einig war, standen wir mit Sodingen noch im Mittelfeld und der FC Frohlinde thronte ganz oben.“

Der Aufstieg wurde in Herne gefeiert. Aber dann verließen neben Brehm weitere Aufstiegskameraden den SVS. Wie Torwarttrainer David Menke, und später landete auch Christian Mengert bei Wacker. Das habe ihm die Entscheidung leichter gemacht. Und wie ein Jahr zuvor in Sodingen folgte ja gleich danach der Aufstieg mit dem SV Wacker in die Westfalenliga. Brehm hatte also binnen zwei Jahren mit zwei Vereinen Aufstiege gefeiert.

Fotostrecke

Das ist Nico Brehm vom SV Wacker Obercastrop

Das ist Nico Brehm

  • Nico Brehm ist am 3. August 1991 in Herne geboren und wohnt seit seinem fünften Lebensjahr, heute in einer eigener Wohnung, im Elternhaus an der Karlstraße in Castrop-Rauxel.
  • Nach seiner Kindergartenzeit in Herne kam er in die Obercastroper Elisabethschule und hat nach dem Gymnasium (ASG) Betriebswirtschaft studiert. Nach seinem Abschluss „Bachelor of Arts“ ist er bei der Firma Zoonlab als Einkäufer beschäftigt.
  • Als Fußballer begann er bei den Minikickern des SV Sodingen und ging über Westfalia Herne zum VfB Waltrop. Mit 19 Jahren wechselte er zum SV Sodingen, bei dem er acht Jahre spielte.
  • Seit zwei Jahren ist Nico Brehm nun fester Bestandteil des SV Wacker Obercastrop. Wie mit Sodingen ein Jahr zuvor stieg er mit Wacker in die Westfalenliga auf.

Geht der Blick denn nun auch nochmals nach oben – Richtung Oberliga? Nico Brehm, der als Einkäufer bei der Firma Zoonlab in Rauxel arbeitet, sieht das realistisch und sagt: „Aktuell sieht das auf Platz fünf super aus, aber die Topspiele haben wir noch alle vor uns. Die Region in der wir jetzt stehen, sollte unser Anspruch sein.“ Nachdem er nun wirklich Wacker Obercastrop lange Jahre links liegen gelassen hat, ist er voll in der Erin-Kampfbahn angekommen: „Hier passt einfach alles.“

Neun Jahre am Stück bei den Senioren des SV Sodingen

Immerhin in direkter Nachbarschaft seines Elternhauses. Nach seiner Zeit in einem Herner Kindergarten ging er zur Obercastroper Elisabethschule, die ja auch im Umkreis der Erin-Kampfbahn liegt. Wie später auch das Adalbert-Stifter-Gymnasium. Mit dem Fußball begann Nico Brehm bei den Minikickern des SV Sodingen. „War ja auch nicht so weit“, sagte Brehm.

Als es auf die großen Tore ging, kam der Wechsel in die Jugend von Westfalia Herne, weil Sodingen nicht genug Spieler für das große Feld hatte. Aus der B-Jugend der Herner ging es zum VfB Waltrop. Im Juli 2010 folgte mit 19 Jahren der Wechsel in seine gefühlte Heimat – zu den Senioren nach Sodingen.

Seit zwei Jahren hat Nico Brehm nun keine doppelte Heimat mehr. Hier das Haus – und der Sportplatz gegenüber. Das passt jetzt einfach genial. Und in der unterbrochenen Saison steht er mit Wacker (5.) ja sogar vor Sodingen (6.).

Über den Autor
Sportredaktion Castrop-Rauxel
Geboren und wohnhaft in Castrop-Rauxel, bin ich über den Billardsport (Karambolage) als freier Mitarbeiter in der Castrop-Rauxeler Lokalredaktion angefangen. Da ich neben dem französischen Billard noch Fußball, Handball, Tischtennis und Tennis in Vereinen aktiv ausführte bot es sich förmlich an, darüber ebenfalls zu berichten.
Zur Autorenseite
Avatar

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt