Das war wohl der größte Moment in der Karriere von Christopher Nöthe (l.) : Am 6. Mai 2012 feierte er im Trikot der Spvg Greuther Fürth in Rostock zusammen mit Heinrich Schmidtgal (r) den Meistertitel in der 2. Bundesliga und den Aufstieg in die 1. Liga. © picture alliance / dpa
Fußball

Ex-Profi Christopher Nöthe packt aus: Zorc rief ihn an, weil er den Flieger verpasst hat

Im Laufe einer Profi-Karriere häufen sich viele Anekdoten an, mit denen man ein Buch füllen könnte. Ein solches könnte offenbar auch der vom VfR Rauxel stammende Christopher Nöthe schreiben.

Der Castrop-Rauxeler Christopher Nöthe hat im Sommer 2019 aufgrund von zahlreichen schweren Verletzungen seine Karriere als Profi-Fußballer beendet. Bei Borussia Dortmund stieg er 2002 zum Profi auf, kam dort bis 2009 nur zu drei Bundesliga-Einsätzen. Es folgten Stationen bei RW Oberhausen, Greuther Fürth, St. Pauli und Arminia Bielefeld.

In einer Mannschaft mit Mesut Özil

In den 17 Jahren als Profi haben sich nicht nur verschiedene Trikots, sondern auch etliche Geschichten und Anekdoten angehäuft. Mit diesen könnte Nöthe, der mit Mesut Özil in der Westfalenauswahl zusammen spielte, eine Autobiografie füllen. Im Interview mit SPOX packte Nöthe jetzt aus, was alles im Bundesliga-Business passieren kann.

In einer der Geschichten erinnerte sich der heute 31-Jährige an die ungewöhnlichen Umstände seines Profi-Debüts für Dortmund. „Ich war im Betrieb bei der Arbeit. In der Mittagspause sah ich auf meinem Handy, dass mich Michael Zorc die ganze Zeit erreichen wollte. Ich dachte schon, ich hätte etwas verbrochen“, erinnert sich der 33-Jährige, „Als ich zurückrief, sagte er, die Mannschaft sei bereits nach Karlsruhe geflogen und ich stünde im Kader. Das war mir überhaupt nicht klar, da diesmal keine Liste aushing. Wahrscheinlich hat Trainer Thomas Doll einfach angenommen, dass wir davon ausgehen, der Kader bleibe aufgrund der zahlreichen Verletzungsausfälle ohnehin derselbe.“

Wenig später saß Nöthe in Arbeitskleidung im Zug nach Karlsruhe. Als er im Hotel ankam, bekam er von allen Applaus spendiert. Letztlich wurde es das Spiel, in dem Nöthe 2007 sein Bundesliga-Debüt feierte.

Nach seinem Start-Elf-Debüt im Heimspiel gegen den VfL Bochum war Nöthe keine Medienpräsenz vergönnt. Das hatte zu diesem Zeitpunkt damit zu tun, dass es offensichtlich einen Maulwurf im Team gab, der interne Dinge an die Presse spielte. Christopher Nöthe: „Daher hat uns der Verein mit einem Interviewverbot belegt. Ich durfte mich nach meinem ersten richtigen Spiel also nicht äußern, anschließend war auch kaum etwas darüber zu lesen.“

Bei RW Oberhausen gab es Pizza im Mannschaftsbus

2008 wurde Christopher Nöthe zu RW Oberhausen in die 2. Liga ausgeliehen. Nöthe: „Ich wollte mich dann in der Zweiten Liga zeigen und anschließend entweder nach Dortmund zurückkehren oder woanders Fuß fassen. Oberhausen sollte mein Sprungbrett werden.“ Dabei bedeutete das Leihgeschäft in vielerlei Hinsicht eine große Umstellung für Nöthe. Die Atmosphäre in Oberhausen sei zwar „familiär“ gewesen: „Aber alles, was in Dortmund professionell war, war in Oberhausen amateurhaft.“

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Das war die Karriere von Christopher Nöthe

Dies bezog sich nicht nur rein auf das Sportliche, sondern auch auf die Ernährung. „In Oberhausen war die Pizza nach der Partie im Bus entscheidend. Irgendwie war es auch spannend, wieder zu den Grundtugenden zurückzukehren und auf einem Aschenplatz zu trainieren. Wenn man bedenkt, wie wir trainiert und uns ernährt haben, grenzt es heute noch an ein Wunder, dass wir Neunter wurden.“

Über seinen Wechsel zu Greuther Fürth, meint Christopher Nöthe, dass ihn Trainer Benno Möhlmann offenbar gar nicht gewollt hatte. Er erzählt: „Am zweiten Tag musste ich in sein Büro. Da fragte er mich, welcher mein starker Fuß sei und auf welcher Position ich am liebsten spielen würde.“ Danach brach allerdings das Eis – und Möhlmann setzte auf den Castrop-Rauxeler.

Entlassung in der Besenkammer

Über seine nun einsetzende Verletzungsmisere sagte Nöthe: „Ich habe nur auf den Tag hingearbeitet, an dem ich wieder spielen konnte und wie sonst auch zu keinem Zeitpunkt an mir gezweifelt. Das hätte ich vielleicht getan, wenn ich mir die Verletzungen ohne Fremdeinwirkung zugezogen hätte. Es passierte aber jedes Mal in Zweikämpfen, ich konnte nichts dagegen tun.“

Es folgte der Erstliga-Aufstieg mit Fürth. Hierzu habe Trainer Mike Büskens einen besonderen Anreiz gesetzt. Spieler wurden damit ausgezeichnet, Steine in einem Behälter zu deponieren. Nöthe: „Die einzelnen Tage wurden mit einem weißen, sowie Siege mit einem grünen und Niederlagen mit einem schwarzen Stein dargestellt. Jeden Tag durfte dann ein anderer Spieler den entsprechenden Stein in einen Behälter legen, so dass wir gemeinsam darauf hinarbeiteten, so viele grüne Steine wie möglich zu sammeln. Büskens war richtig hungrig nach Erfolg und hat aus allem einen Wettbewerb gemacht. Die Gewinner wurden teilweise mit Schokolade belohnt. Das hat einen echt heiß auf Siege gemacht.“

Ein Wechsel zu 1860 München stand im Raum. Dazu Nöthe: „München zeigte Interesse an einer Verpflichtung, allerdings war mir die Situation rund um den Investor Hasan Ismaik zu unsicher.“

Nach seinem Wechsel zu St. Pauli war dort sein Aus kurios: Abder Ramdane, der Co-Trainer von Ewald Lienen, und Nöthe hatten uns im Training wegen eines Balls gezofft. Ramdane war der Schwiegersohn von Trainer Ewald Lienen. Daher war da wenig zu machen und die Angelegenheit schnell erledigt.

Ab 2015 bei Arminia Bielefeld gab es zunächst ein gutes Jahr unter Trainer Norbert Meier. Danach kamen insgesamt drei anderen Trainer und Nöthe fiel zweimal monatelang aus. Kurios war auch hier das Aus. Nöthe: „Kurz vor Ende der Saison 2017/18 baten mich Trainer Saibene und sein Co-Trainer Carsten Rump zu einem Gespräch. In der Wäschekammer wurde mir dann der Laufpass gegeben und gesagt, ich solle mir einen neuen Verein suchen.“ Das gleiche geschah wenige Minuten zuvor auch Mitspieler Sören Brandy.

Als Pimpf spielte Christoper Nöthe (hinten, 2.v.r.) beim VfR Rauxel. Wie auch Marc Kruska (hinten, Mitte) und Michael Esser (vorn, 2.v.l.). © Jens Lukas © Jens Lukas

Über seine fußballerischen Anfänge berichtet Nöthe im Interview, dass er als E-Junior an der Seite der späteren Profis Marc Kruska und Michael Esser auf Schalke ein 5-Gegen-5-Turnier gewann. Danach wurde der bekennende BVB-Fan vom S04 angefragt und ging auch für vier Jahre dorthin.

Da es damals an einem Fahrdienst mangelte, wechselte Nöthe zum VfL Bochum. Dorthin konnte er mit dem Linienbus fahren. Danach landete der Castroper dann beim BVB und wurde als 16-Jähriger beim Mittwochs-Talente-Training bei den Profis unter Bert van Marwijk entdeckt – wie auch David Odonkor oder Nuri Sahin.

Profifußballer war nicht der Traumberuf

Er sei aber nicht wirklich verbissen gewesen, meint Christopher Nöthe und erklärt im SPOX-Interview: „Ich bin mit 16 feiern gegangen und habe nicht so professionell gelebt wie die anderen. Dafür gab es auch das eine oder andere Mal Ärger. Das nahm ich aber in Kauf, weil ich mir nicht alles vorschreiben lassen wollte. Ich hatte keinen Traumberuf. Meinen Eltern war es wichtig, dass ich die Schule beende und eine Ausbildung mache. Ich habe dann auch Industriekaufmann gelernt. Nach dem Talente-Training ging aber alles sehr schnell.“ Als er als A-Junior bei den BVB-Amateuren als Joker im Alleingang nach einem 0:2 für ein 2:2 in Magdeburg sorgte, schlug seine große Stunde.

Doch trotz seines Verletzungspechs im Laufe seiner Fußball-Laufbahn schaut Nöthe positiv zurück: „Ich habe das Maximum herausgeholt, ohne die Verletzungen wäre vielleicht mehr drin gewesen. Ich sah mich aber auch nie als Bundesligaspieler, nur weil ich da ein paar Spiele absolviert habe. Ich bin durch den Fußball zwar kein Multimillionär geworden, aber es hat mir dennoch Spaß gemacht.“

Über den Autor
Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas

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