Christopher Nöthe jubelt über den Aufstieg von Arminia Bielefeld in die 1. Bundesliga. © picture alliance / Thomas Eisenh
Fußball

Ex-Profi Christopher Nöthe: Studium statt Stadion – mit 32 Jahren zurück auf die Schulbank

Christopher Nöthe hat viel erreicht in seiner langen Fußball-Karriere. Allerdings fiel er auch 1207 Tage verletzt aus. Jetzt beginnt der Castrop-Rauxeler einen neuen Lebensabschnitt.

Als Fußball-Profi trug er das Trikot der drei großen Reviervereine Borussia Dortmund, FC Schalke 04 und VfL Bochum. Doch den größten Erfolg feierte er im Frankenland: Mit Greuther Fürth stieg der Castrop-Rauxeler Christopher Nöthe in die 1. Bundesliga auf. Acht Jahre später ist das alles nur noch Geschichte.

Sportinvalide mit 32 Jahren

Die Bezeichnung klingt krass: Sportinvalide. Gerademal 32 Jahre alt ist Christopher Nöthe und muss wohl oder übel seine Fußballschuhe an den Nagel hängen. Nach unzähligen Operationen war der Entschluss zuletzt gereift. „Natürlich ist das ein großer Schritt, ich muss meine Leidenschaft aufgeben. In der Reha habe ich alles ausprobiert, aber das rechte Knie spielte einfach nicht mehr mit“, umschreibt der in Castrop-Rauxel aufgewachsene Mittelstürmer das Dilemma. Irgendwie aber auch verständlich. Immerhin hat Nöthe in seiner Laufbahn genau 1207 Tage in Krankenhäuser und Reha-Instituten verbracht statt auf dem Fußballplatz zu stehen.

Studium in Düsseldorf startete am 1. Oktober

Seit dem 1. Oktober studiert Christopher Nöthe, dessen Laufbahn beim VfR Rauxel begann, Sport-Management an der IST-Hochschule in Düsseldorf und volontiert gleichzeitig bei einer Sport-Marketing-Firma in Köln. Wer mit Nöthe spricht, der spürt die innere Zufriedenheit eines Athleten, der viel erreicht, dafür aber noch mehr geopfert hat und jetzt froh ist, mit dem zweiten Teil seiner beruflichen Laufbahn endlich zu starten.

„In den vergangenen zehn Jahren habe ich doch viel gesehen, viel erlebt, schöne Städte, hatte Erfolg, bin mit Greuther Fürth aufgestiegen. Es könnte schlechter gehen“, zieht er nach 16 Spielen in der 1. Bundesliga und 181 Partien in der 2. Bundesliga eine Bilanz seines Fußballer-Lebens.

Genau 1207 Tage war Nöthe verletzt

Also alles gut? Nicht ganz, denn Christopher Nöthe hat eine echte Leidenszeit hinter sich. Genau 1207 Tage war er verletzt, hat sich zweimal (2017 und 2019) das vordere Kreuzband im rechten Knie gerissen, musste dazu viermal an der Schulter operiert werden. Nöthe war Stammgast auf Operationstischen und Spezialisten in Sachen Schultern und Kreuzbänder. „Wenn ich gesund geblieben wäre, hätte ich vielleicht auch noch höher spielen können. Aber so ist es nun mal“, blickt Nöthe zurück. Bestens in Erinnerung sind ihm noch seine drei Bundesliga-Einsätze für den BVB in der Saison 2007/2008.

„Eine schöne Zeit, ich habe damals für die Dortmunder Amateure gespielt und wurde von Profi-Trainer Thomas Doll in die Bundesliga-Mannschaft berufen“, so Nöthe. Alles deutete auf eine erfolgreiche Laufbahn für den 1,84 m großen Mittelstürmer hin. Im BVB-Trainingslager Anfang des Jahres 2008 in Marbella kam der damals 20-Jährige für Borussen-Star Nelson Valdez gegen Paderborn auf den Platz und markierte zwei Tore in 45 Minuten.

2008 begann die Serie von Verletzungen

Aber 2008 war auch das Jahr, als es mit den Verletzungen los ging. Der BVB hatte Nöthe an den Zweitligisten RW Oberhausen ausgeliehen. Gerade erst von einem Innenband- und Meniskusriss auskuriert, kugelte sich Nöthe zum ersten Mal die Schulter aus, wurde in Bremen von einem Spezialisten operiert. Anschließend folgten noch drei weitere Operationen, um die Schulter zu stabilisieren. Nach Stationen in Fürth, St. Pauli und Arminia Bielefeld läuteten dann zwei langwierige Kreuzbandrisse in den Jahren 2017 und 2019 das Ende einer wechselvollen Fußballer-Karriere ein.

Schon eine Jogging-Runde macht das Knie nicht mit

Die dunklen Stunden mit den scheinbar nie enden wollen Reha-Aufenthalten will Nöthe schnell vergessen. Er blickt nach vorn, auch wenn die Folgen seiner Verletzungen Tag für Tag spürbar sind. „Normal joggen kann ich nicht mehr, das Knie reagiert und wird dick. Radfahren geht aber noch“, erzählt der zweifache Familienvater. In den von Corona geprägten Zeiten kümmert sich Nöthe an seinem Wohnort Bielefeld viel um seinen Nachwuchs, geht mit den Kindern raus: „Ich bin als Ausgleich für den fehlenden Sport oft an der frischen Luft.“


Sein Studium an der IST-Hochschule in Düsseldorf läuft wegen der Corona-Maßnahmen rein digital ab. Vier Jahre sind dafür vorgesehen, dann steht die Bachelor-Prüfung an. Zwei Jahren werden von der Berufsgenossenschaft bezahlt, quasi als Umschulungsmaßnahme. Doch so spannend sich das alles anhört, einfach wird die Angelegenheit nicht.

„Mit 18 Jahren habe ich meine Ausbildung zum Industriekaufmann abgeschlossen. Jetzt bin ich 32 und muss erstmal wieder lernen, wie man richtig lernt“, geht Nöthe mit Respekt an den neuen Lebensabschnitt. Und könnte er das Rad der Zeit zurückdrehen, dann würde er heute eine Sache etwas anders angehen. „Jetzt wird mir erstmal klar, wie gut es mir in der Zeit als Fußballer ging. Wir haben ja nur zwei Stunden am Tag trainiert. Eigentlich hätte ich schon früher mal mit einem Fernstudium beginnen können.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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