Patrick Mohrmann hat ein Magazin über Castrop-Rauxeler Sportplätze herausgegeben. © Christian Woop
Fußball

Groundhopper Mohrmann hat trotz Corona noch Ziele

Groundhopper sind Menschen, die gerne reisen. Sie sammeln Stadien und Länder wie andere Briefmarken. Während des Corona-Lockdowns geht aber nichts. Harte Zeiten für Patrick Mohrmann.

Was macht eigentlich ein Groundhopper im Lockdown? Natürlich zu Hause bleiben – wie alle anderen Zeitgenossen. Auf der ganz persönlichen Liste der noch zu bereisenden Länder und der zu besuchenden Stadion tut sich also erst einmal gar nichts.

Das trifft auch auf den Castrop-Rauxeler Groundhopper Patrick Mohrmann zu, der sich wohl oder übel in Geduld üben muss. Bislang hat Mohrmann über 300 Stadien in sieben Ländern gesehen. Natürlich fiebert er dem Re-Start entgegen.

Patrick Mohrmann: „Lockdowns waren anstrengend“

„Den Spaß habe ich aber noch nicht verloren. Obwohl die beiden Lockdowns natürlich schon anstrengend waren beziehungsweise sind”, erklärt der 31-Jährige, der seit fünf Jahren diesem Hobby nachgeht und für den die „Faszination Groundhopping” noch genauso spannend ist wie am ersten Tag.

Die persönliche Zeitrechnung teilt Mohrmann in „1. Lockdown” und „2. Lockdown” ein. Der erste begann für den Groundhopper am 8. März 2020. Da besuchte der Castrop-Rauxeler ein Spiel in der Slowakei. Es spielte Slavia Bratislava II in der zweiten slowakischen Liga. Das Spiel selbst sei kein Hingucker gewesen (Mohrmann: „Das kann man aber auch nicht erwarten”), dafür aber das Stadion in Bratislava mit einem Fassungsvermögen von 15.000 Zuschauern: „Ein echtes Highlight”, so Mohrmann. Gespielt wurde indes vor 300 Fans.

Neuanfang in Troisdorf

Dann kam der Sommer. Für Mohrmann endete der erste Lockdown am 28. Juni in Troisdorf. „Ein Kreisliga B-Spiel auf einem ganz normalen Sportplatz. Eigentlich so wie der Platz der SG Castrop, allerdings ohne jeglichen Ausbau”, erklärt Mohrmann, „wir sind da hingefahren, um endlich wieder ein Spiel zu sehen nach dem Ende des Lockdowns.”

„Wir”, das sind Mohrmanns Freunde und Kollegen, die sich ebenfalls dieses Hobby teilen, so viel Stadien wie möglich in der ganzen Welt kennenzulernen. In der Gruppe ist es bekanntermaßen nicht nur schöner, sondern auch günstiger. Denn Groundhopping ist schließlich kein günstiges Hobby. 10.000 Kilometer im Jahr kommen da schnell für An- und Abreise zusammen.

„Deshalb schließen wir uns zusammen, bilden Fahrgemeinschaften oder bieten Mitfahrgelegenheiten an”, so der Bürokaufmann. Der den Sommer zu einigen Besuchen nutzte. Tschechien, Paderborn, Gladbeck oder Krefeld standen auf der Liste. Insgesamt 50 Stadien kamen hinzu. Die letzte Reise war am 31. Oktober ins Rheinland. Da spielten die Frauen der SG Andernach im DFB-Pokal – danach war wieder Feierabend. Zweiter Lockdown im Amateurbereich.

Ein Ausweichen in den Profisport-Bereich ist keine Option. „Die meisten Klubs haben ja ohne oder vor ganz wenigen Zuschauern gespielt. Da bekommt man dann halt keinen Einlass”, so Mohrmann, dessen „Sammelfieber”, so umschreibt er sein Hobby Groundhopping, noch längst nicht gestillt ist. Die für 2020 geplanten Reisen in die USA, England und Frankreich sind nur aufgeschoben, sollen 2021 nachgeholt werden.

Zeitlich muss man das erstmal hinbekommen. Die meisten Trips laufen am Wochenende und im Urlaub. Oder auch am Abend nach der Arbeit. Da fährt Mohrmann, der zunächst bei der SG Castrop kickte, dann beim PSV Bochum und jetzt für die Altherren von TuRa Rüdinghausen in Witten, dann schon mal kurz nach Eindhoven, um sein Sammelfieber zu befriedigen.

Auf den Internet-Seiten der Billig-Flieger müssen sich Groundhopper wie Mohrmann bestens auskennen. Der Balkan sei wegen der geringen Flugkosten beliebt. „Da kostet ein Ticket schon mal 50 Euro, nach Buenos Aires kann man schon für 200 Euro kommen”, so der Castroper. Und selbst Afrika sei gut erreichbar. Ein Kollege aus dem Ruhrgebiet sei erst vergangene Woche nach Tansania geflogen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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