Im Oktober konnten die Tennisspieler des TC 06 Castrop ihre 2016 neu gebaute Tennishalle nutzen. Während des Lockdowns ist der Zutritt verboten. © Volker Engel
Tennis

Hallen bleiben zu: Castrop-Rauxeler Tennisvereine erwarten fünfstellige Einnahmeausfälle

Die Tennishallen bleiben zu. Das beschloss jetzt ein Gericht. Für die Vereine bedeutet dies: Keine Einnahmen aus Platzvermietungen unter dem Dach - und auch einen Verlust für ihre Teams.

Enttäuschung bei vielen Tennisspielern: Das Oberverwaltungsgericht Münster hat es am letzten November-Tag abgelehnt, das Verbot des Individualsports innerhalb geschlossener Räumlichkeiten von Sportanlagen vorläufig außer Vollzug zu setzen.

Ein Kölner Tennistrainer hat geklagt

Mit einer Eilklage hatte ein Kölner Tennistrainer beim OVG Münster versucht, eine Erlaubnis für das Spiel in der Halle zu bekommen. Dieser Klage hatten sich die Tennisverbände in NRW angeschlossen, weil nach der aktuellen Coronaschutzverordnung Tennis unter freiem Himmel zwar gestattet, in der Halle aber untersagt ist.

Das Argument lautete: „Die Untersagung jeglichen Sportbetriebs in geschlossenen Räumlichkeiten sei nicht verhältnismäßig. Angesichts der Größe der Tennishallen mache es infektionstechnisch keinen Unterschied, ob in einer Halle oder im Freien gespielt werde.“


Teil eines umfassenden Gesamtpakets

Zur Begründung des Eilbeschlusses hieß es vom OVG Münster unter anderem: „Das grundsätzliche Verbot des Freizeit- und Amateursportbetriebs diene dem legitimen Zweck, die Weiterverbreitung des SARS-CoV-2-Virus einzudämmen. Das Verbot von Individualsport in Sporthallen, namentlich des Tennisbetriebs, trage, wenn auch möglicherweise für sich genommen nur in relativ geringem Umfang, als Teil eines zahlreiche Maßnahmen umfassenden Gesamtpakets zur Kontaktreduzierung und damit zur Eindämmung des Virus bei.“

Ulrich Viefhaus, Vorsitzender des TC GW Frohlinde. © privat © privat


Ulrich Viefhaus, Sportwart des Stadtsportverbands (SSV) und Vorsitzender des TC GW Frohlinde, hatte mit einem Scheitern der Klage gerechnet. „Aufgrund der Entwicklung bei den Infektionen und vor dem Hintergrund dessen, dass die Corona-Schutzmaßnahmen inzwischen verschärft worden sind, war die Hoffnung gering, wieder in die Tennishallen zu dürfen“, sagt er.

Finanziell trifft es seinen Verein hart. Sollte die Wintersaison komplett ausfallen, fehlen bis zu 60.000 Euro an Einnahmen aus Platzvermietungen unter dem Hallendach. Dem TC Grün-Weiß blieben dann nur die Mitgliedsbeiträge. „Wir werden prüfen, ob wir staatliche Hilfen in Anspruch nehmen“, so Viefhaus.

Heiko Sobbe, Geschäftsführer der Tennisabteilung im TuS Ickern. © Volker Engel © Volker Engel

Auch beim TuS Ickern, dem größten Tennisverein in Castrop-Rauxel rechnet man mit Verlusten. „Über die genaue Summe möchte ich nicht öffentlich reden“, erklärt TuS-Geschäftsführer Heiko Sobbe. „Es handelt sich aber um einen fünfstelligen Betrag, wenn man die Einnahmen aus dem November 2019 betrachtet.“

Beim TC Castrop 06 ist man noch gelassen

Beim TC Castrop 06 sieht man die Entscheidung aus Münster derzeit noch gelassen. „Wenn es bei acht Wochen Hallen-Schließung bleibt, dann können wir das als Verein finanziell noch gut auffangen“, sagt TC06-Pressewart Bernd Siewert, „am härtesten trifft es den Trainer und den Gastronom bei uns.“ Bereits bezahlte Platzmieten würden den Mitgliedern erstattet.

Auch beim RV Rauxel ist die Vermietung von Hallenplätzen größte Einnahmequelle der Tennisabteilung. „Dementsprechend werden wir künftig unser Budget anpassen müssen“, sagt der Vorsitzende Christian Welz.
Der TB Rauxel verfügt über keine eigene Halle. „Buchungen in der Tennishalle Recklinghausen Nord konnten wir kostenlos stornieren“, sagte TBR-Sportwart Michael Sonntag.

Die Wintersaison startet wohl nicht mehr

Geschlossen bleiben die Hallen ebenso für Mannschaftswettkämpfe, die bereits im November hätten starten sollen. Der Westfälische Tennisverband (WTV) hat inzwischen auch den kompletten Dezember ersatzlos gestrichen. „Die Wintersaison kann man nun wohl endgültig vergessen“, so Heiko Sobbe.

„Im Sommer hat mehr als die Hälfte aller Mannschaften zurückgezogen, im Winter werden es sicherlich 90 Prozent, falls die Saison überhaupt noch startet.“ Der TuS Ickern hat ein Herren- und ein Damen-Team in der Wesfalenliga.

Auch Ulrich Viefhaus glaubt nicht, dass die Saison noch „angepfiffen“ wird. „Die Winterrunde wird wohl komplett gecancelt, bis Ende Dezember wäre die Hälfte der Saison sowieso bereits vorbei“, so der GW-Vorsitzende, „zudem kennt man Auswärtsspielen die hygienischen Bedingungen vor Ort nicht, was es auch nicht besser macht.“

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