Ingmar Holtkamp (r.) muss nach einer Roten Karte noch einige Spiele aussetzen. © Volker Engel
Fußball

Ingmar Holtkamp schreibt Wartezeit für Rotsperre dem Familienkonto gut

Für Amateurfußballer war die Saison 2020/21 ein verflixtes Spieljahr durch Lockdown und Annullierung. Wer sich durch Rote oder Gelb-Rote Karte eine Sperre eingehandelt hat, hat diese noch ein Echo.

Bei einer Roten Karte müssen Fußballer eine Sperre absitzen. Das ist nicht prickelnd – aber oft zeitlich überschaubar. Das gilt nicht für die Rotsperren der Saison 2020/21. Wer Rot gesehen hat, für den verlängert sich durch Lockdown und Annullierung des Spieljahrs die Wartezeit auf zehn oder sogar elf Monate. Einer dieser Betroffenen ist Ingmar („Inge“) Holtkamp, der Kapitän des Bezirksligisten SG Castrop.

Holtkamp hat neue Prioritäten

Vier Spiele Sperre hatte Holtkamp aufgebrummt bekommen wegen einer Roten Karte am 27. September 2020 beim TuS Eichlinghofen. Das passierte in Minute 21 – die SG Castrop verlor 0:3. Zwei Spiele der Sperre hatte er abgesessen bis zum Corona-Lockdown. Darunter war der einzige SG-Sieg mit 3:1 bei Viktoria Kirchderne. Noch zwei Spiele gesperrt zu sein, das schleppt der 29-Jährige mit in die Saison 2021/22.

„Mir fehlt der Fußball. Würde ich etwas anders sagen, müsste ich lügen“, so Holtkamp – und fügt hinzu: „Das war eine Sch…-Saison.“ Freude gab es beim Fußballer jedoch mit der Geburt seiner Zwillinge Liah und Lian am 29. November. Doch dieses nun Papa zu sein, stellt auch Holtkamps Prioriäten auf den Kopf. Sicher ist allein: „Ich bleibe bei der SG Castrop.“

Mit Trainer Tino Westphal hat Holtkamp abgesprochen, künftig nicht mehr bei jedem Training vor Ort sein zu können – und auch sonntags nicht immer zur Verfügung zu stehen. „Ich kann meine Frau mit den Zwilllingen nicht ewig allein lassen. Und die Kinder auch nicht ständig meiner Mama bringen.“ Nicht zu vergessen: Holtkamp wohnt jetzt in Marl-Sinsen, womit sich jedes Training um eine Fahrzeit von gut einer Stunde verlängert.

Ingmar Holtkamp (r.) kam nach dem Bezirksliga-Aufstieg zur Saison 2017/18 zur SG Castrop. © Jens Lukas © Jens Lukas

Wie die Lösung für ihn als Standby-Spieler ausschauen könnte, weiß Holtkamp noch nicht. „Wie alles im Detail gelöst wird, darüber müssen wir erst reden. In will keinem Spieler, der ständig trainiert, den Platz im Spiel wegnehmen. Wir werden eine faire Lösung für alle finden“, ist Holtkamp überzeugt.

Dass er in den ersten beiden Spielen in der neuen Saison wegen der Roten Karte vom 27. September 2020 fehlt, bedauert Holtkamp: „Natürlich würde ich gerade in den ersten Spielen auf dem Platz stehen – ein Saisonstart ist immer etwas Besonderes.“ Diesen Kick wird „Inge“ verpassen. „Dass eine Sperre von vier Spielen elf Monate dauert, ist einfach nur blöd“, sagt er dazu.

Zumal Holtkamp diese Rot-Sperre am 29. August nicht zwangläufig abgesessen haben muss. Denn: „Ich glaube nicht, dass die neue Saison am 15. August beginnt.“ Selbst wenn Virologen bei Kontaktsportarten unter freiem Himmel so gut wie keine Corona-Ansteckungsgefahr sehen, werde die Politik keine schnellen Lockerungen erlauben, denkt Holtkamp. „Alles geht nur über mehr Geimpfte.“ Als Mitarbeiter in einem Herner Behinderten-Wohnheim ist er geimpft – mit Moderna.

Wenn Fußball irgendwann wieder erlaubt ist, möchte Holtkamp „mit der SG Castrop eine erfolgreichere Zeit erleben als zuletzt“. Wenngleich er auch sagt: „Fußball ist eigentlich nur schön, wenn man um den Aufstieg spielt, oder gegen den Abstieg kämpft. Nur im Mittelfeld herumzudümpeln ist reinster Humbug.“

Eine Frage, die nichts mit der Sperre zu tun hat, gibt es noch: Welche Bedeutung hat eigentlich die Trikot-Nummer 91? Ingmar Holtkamp klärt lachend auf: „Ich bin Basketballfan. Mein Lieblingsspieler war Dennis Rodman – der hatte die 91 auf dem Trikot. Außerdem bin ich 1991 geboren und habe mal 91 Kilo gewogen.“

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Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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