Seit 2014 bereits ist Malte Jakschik vom RV Rauxel Mitglied im deutschen Paradeboot, dem Deutschland-Achter. © Stephan Schütze
Rudern

Malte Jakschik vor der EM: Wir brauchen Wettkämpfe!

Malte Jakschik startet am Wochenende mit dem Deutschand-Achter als Titelverteidiger bei den Europameisterschaften in Varese – und hat noch ein Ziel.

Malte Jakschik wird langsam ungeduldig. „Es wird Zeit, dass wir endlich wieder Rennen fahren. Seit eineinhalb Jahren tappen wir mehr oder weniger im Dunkeln. Wir brauchen Wettkämpfe!“

Seit 2014 im Deutschland-Achter

Wir, das sind die Riemen-Ruderer des Deutschland-Achters, den der Modellathlet des Rudervereins Rauxel seit 2014 schlagkräftig auf der Backbord-Seite unterstützt. Jahr für Jahr hat der 27-Jährige seither die knallharte Selektion für das deutsche Traumschiff überstanden – auch 2021 schaffte es der Maschinen-Bau-Ingenieur ins prestigeträchtige Großboot, das nach der Olympia-Verschiebung im Vorjahr erneut Kurs auf Tokio nimmt.

Wettkämpfer Jakschik und seine Ruder-Kollegen kommen in dieser Woche endlich wieder in den Renn-Modus: Bei der Europameisterschaft im italienischen Varese will das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) zum Saison-Einstand seinen Europa-Meistertitel aus dem Vorjahr verteidigen.

„Nichts anderes kann unser Ziel sein. Das Trainingslager in Portugal im März hat uns als Team noch einmal einen richtigen Schub gegeben. Ich finde, wir sind gut in Form, haben allerdings durch die fehlende Rennpraxis keinerlei Anhaltspunkt, wo wir im internationalen Vergleich gerade stehen“, sagt Malte Jakschik, der eigentlich schon im vergangenen Sommer – nach Olympia in Tokio – seine Ruder-Karriere beendet haben wollte.

Der Rest ist bekannt: Corona kam, die Sommerspiele wurden um ein Jahr verschoben – und Jakschik hängt in Absprache mit Ehefrau Sara noch ein Jährchen dran. „Corona ist schon extrem nervig, mittlerweile gehen wir schon ein wenig auf dem Zahnfleisch. Es zermürbt, wenn Wettkämpfe und Trainingslager kurzfristig abgesagt werden. Wir sind 2020 nur einen einzigen Wettkampf über die 2000-Meter-Distanz gefahren: Das war die EM“, berichtet der 1,94 Meter lange Mann vom RV Rauxel.


Chatten mit Emil

Er fand dennoch etwas Positives in der Pandemie-belasteten Zeit: Söhnchen Emil kam Anfang 2020 auf die Welt, und durch das Training im „Homeoffice“ – die Ergometer-Einheiten fanden während des Lockdowns im Vorgarten im Dortmunder Kreuzviertel statt – sah er seinen Spross aufwachsen. Während des fast dreiwöchigen Trainingslagers gerade in Portugal blieb nur die Video-Telefonie: „Emil hat mich auf dem Bildschirm auf jeden Fall erkannt, auch wenn er nicht verstanden hat, warum er mich nicht anfassen konnte“, berichtet Malte Jakschik lächelnd. Außerdem seien die Einschränkungen durch Corona im Team besser wegzustecken als zum Beispiel als Einzelsportler, „ich weiß, dass viele Sportler noch schlimmer dran sind, wir haben wenigstens uns“.

Sein Maschinenbau-Studium in Bochum hat der siebenfache Europa- und dreifache Achter-Weltmeister mit dem Master-Abschluss beendet, jetzt hat er sich noch einmal für Informatik eingeschrieben, denn: „Es tut mir gut, nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf zu beschäftigen. Und das Fach hat mich immer schon interessiert“.

In dieser Woche hat aber der Sport wieder das Wort, die Saison beginnt, und die Vorfreude auf Olympia wächst mit jedem Tag, auch wenn die Umstände in Japan noch unklar sind. Er habe den Eindruck, so Jakschik, dass die Organisatoren in Tokio die Spiele auf jeden Fall stattfinden lassen wollen. Die ausländischen Zuschauer sind schon ausgeschlossen, weitere Einschränkungen vor Ort gibt ein sogenanntes Playbook vor. So müssen die Athleten spätestens 48 Stunden nach ihrem Wettkampf das Land wieder verlassen haben.

„Noch hoffe ich, dass sich die Situation in den nächsten Monaten dort noch entspannt. Ich bin da eigentlich guter Dinge“. Spricht´s, und schwingt sich ins Boot.

Über die Autorin
Sportredaktion
Die Liebe zum Sport im Großen wie im Kleinen und die Liebe zum Schreiben führten 1988 direkt in die Sportredaktion des Medienhauses Lensing. Persönliche journalistische Highlights: die Berichterstattung von den Olympischen Spielen 2000 in Sydney und 2008 in Peking. Immer noch mit Begeisterung am Ball.
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Petra Nachtigaeller

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