Die Fußballer der SG Massen haben einen neuen Marketing-Chef, der neue Sponsoren für den Verein gewinnen soll. © Jens Lukas
Fußball

Mannschaftskassen-Verwalter haben Strategien gegen Ausreden der Zahlungsmuffel

Wer jemals Kassierer in einem Sportverein war, kennt alle Ausreden säumiger Zahler. Ein Dortmunder Fußballer, zuständig für die Mannschaftskasse, setzte eine pfiffige Idee prompt in die Tat um.

Als er beim Eintreiben der „Strafgelder“ immer wieder hörte, dass einer gerade kein Kleingeld habe, ein anderer überhaupt kein Geld, hatte Fußballer Marcel Müntzel die Kappe ab. Er wollte einfach nicht mehr den paar Euro hinterher hecheln.

Also kaufte der Mannschaftskassen-Verwalter von Oberligist ASC 09 Dortmund kurzerhand ein EC-Kartenlesegerät. Die Grundidee: Eine EC-Karte hat jeder dabei – fadenscheinige Ausreden ziehen nicht mehr. Der Mannschaftskasse tat das gut.

EC-Lesegerät ist ab 29 Euro erhältlich

Die Kosten für ein EC-Kartenlesegerät sind mit 29 Euro für die billigste Version überschaubar. Grundgebühren fallen nicht an. Jedoch kostet jede Buchung eine Transaktionsgebühr von 0,95 Prozent – bei 10 Euro sind das 9,50 Cent. Wer dafür aufkommt, ist nicht überliefert.

„Es ist eine bequeme Art, das Geld zu sammeln. Ich muss nicht mehr mit dem ganzen Geld durch die Straßen laufen, muss mir nicht mehr aufschreiben, wer seine Schulden beglichen hat. Das geht alles völlig unkompliziert“, versicherte Müntzel einem Dortmunder Kollegen.

„Wie geil ist das denn?“, entfährt es spontan Moritz Budde, Kapitän und Mannschafts-Kassenwart bei Westfalenligist SV Wacker Obercastrop, als er von Mützels Idee hört. „Ist ein EC-Kartenlesegerät überhaupt so einfach zu bekommen?“ Ist es, lässt sich Online bestellen.

Budde selbst favorisiert eine andere Lösung: „Ich habe unseren Präsidenten Martin Janicki überredet, dass der Verein die Strafgelder von der Aufwandsentschädigung der Spieler einbehält und dann an die Mannschaftskasse weiterleitet. Das klappt gut.“

Kapitän Moritz Budde verwaltet die Mannschaftskasse des SV Wacker Obercastrop. © Volker Engel © Volker Engel

Der Wacker-Strafenkatalog umfasst laut Budde ungefähr eine DIN A4-Seite. Beim Spiel im Kreis etwa, stehe ein Glücksrad direkt daneben. „Wer einen Fehler macht, muss daran drehen. Wie bei jedem Glücksrad gibt es Verluste und Gewinne.“

Rund 2500 Euro spülen die Strafgelder in jeder Spielzeit in die Team-Kasse. Was passiert damit? „Die verbraten wir bei Abschluss-Fahrten nach Mallorca oder Winterberg – im letzten Sommer in einem Trainingslager“, nennt Budde einige Möglichkeiten.

Safa Obi (l.), wacht über die Mannschaftskasse des Landesligisten FC Frohlinde. © Marcel Witte © Marcel Witte

Beim Landesligisten FC Frohlinde werden die Strafgelder ebenfalls sofort von der Aufwandsentschädigung des spielenden Personals abgezogen. Das berichtet Kassenwart Safa Obi.

Bei einem Euro fängt die Strafzahlung an. Geld zahlen müsse zum Beispiel, wer nach Spielen im Trikot raucht oder Bier trinkt. Wer unentschuldigt zu spät beim Training erscheint, muss ebenfalls löhnen. Auch, wenn Spieler im Klubheim in gemütlicher Runde Getränke auf der Theke verschütten. „Bei Unsportlichkeit oder einer Roten Karte legen unsere Trainer Michael Wurst und Stefan Hoffmann die Höhe der Strafzahlung fest“, so Safa Obi.

Stefan Fels, Mannschafts-Kassenwart bei Bezirksligist Spvg Schwerin, hat eine andere Zahlungsart gefunden: „Wir regeln das über eine App – was gut funktioniert. Bei dem ein oder anderen warte ich manchmal etwas länger, es zahlen aber alle.“

Von einem Euro pro Minute für das zu späte Erscheinen beim Training, bis hin zu 50 Euro reicht der Schweriner Strafenkatalog. Eine vierstellige Summe kommt so laut Fels bei der Spvg Schwerin in der Mannschaftskasse an.

Stefan Fels ist Kassenwart des Bezirksliga-Teams der Spvg Schwerin. © Volker Engel © Volker Engel

„Das Geld geben wir bei der Saison-Abschlussfahrt aus.“ Diese Tour fiel zuletzt durch den Corona-Lockdown aus. „Viel fetter ist die Kasse trotzdem nicht geworden, da wir in dieser Saison ja nicht lange trainieren und spielen durften. Wofür diesmal die Mannschaftskasse verbraten wird, wenn es wieder möglich ist, darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Es wird uns ganz bestimmt etwas einfallen“, ist sich Stefan Fels jedoch sicher.

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Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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