Immer locker drauf: Michael Wurst mit einem Nachwuchs-Fan auf dem Rasen. © Jens Lukas
Fußball

Mit dem VfL Bochum wird auch ein Castrop-Rauxeler Stadionsprecher erstklassig

Er ist Stadionsprecher des VfL Bochum und damit demnächst erstklassig. Der Castrop-Rauxeler kann aber noch viel mehr. Der ehemalige Oberliga-Kicker trainiert ab Sommer den FC Castrop-Rauxel.

Der VfL Bochum hat am Pfingstsonntag mit dem 3:1-Sieg über den SV Sandhausen den Aufstieg in die 1. Bundesliga als Zweitliga-Meister perfekt gemacht. Zu den Aufsteigern zählt auch ein Castroper-Rauxeler Trainer.

Elf Jahre hat der VfL Bochum in der 2. Bundesliga gekickt, ehe endlich wieder der Sprung in die Erstklassigkeit gelang. Bei Heimspielen ist seit 14 Jahren in beiden Profiligen ein Mann die Stimme des VfL Bochum: Stadionsprecher Michael Wurst. Und noch etwas verbindet den VfL mit Castrop-Rauxel. Das Vienna House Goldschmieding war am Sonntag der spontane Rückzugsort für die Meisterfeier. Dort war das Team schon vor dem Spiel untergebracht – weil die Furcht vor Fan-Andrang im Hotel am Stadionzentrum zu groß war. Ein möglicher Fan-Sturm war auch der Grund dafür, dass am Sonntag die Flucht nach Castrop-Rauxel angetreten wurde.

Bis 30. Juni in Frohlinde, dann Coach des FC Castrop-Rauxel

Als aktiver Fußballer hat er in der Oberliga gekickt. Trainer ist er noch bis zum 30. Juni beim Landesligisten FC Frohlinde. Ab dem 1. Juli dann der Coach des Bezirksligisten FC Castrop-Rauxel. Michael Wurst ist neben Stadionsprecher in der Bundesliga zudem noch Entertainer, Schauspieler und Sänger – am Mikrofon also der absolute Vollprofi.

Michael Wurst, haben Sie den Aufstieg des VfL Bochum und den Trubel drumherum gut verkraftet?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben schon im Stadion die Aufstiegsfreude heraus gelassen und kräftig gefeiert – natürlich unter Einhaltung der Corona-Hygienevorschriften.

Konzentriert am Mikro: Einen falschen Torschützen hat Michael Wurst in seiner Zeit beim VfL noch nie genannt. © Jens Lukas © Jens Lukas

Ist die 1. Bundesliga für einen Stadionsprecher eine größere Herausforderung?

Ich kenne die 1. Bundesliga ja schon aus drei Jahren als Stadionsprecher. Dort stehe ich mehr im Fokus als in Liga zwei – eben wie der gesamte VfL Bochum. Im Grunde bleibt Fußball aber Fußball, egal in welcher Liga. Ich freue mich jedenfalls wahnsinnig auf die 1. Bundesliga.

Wie gestaltet sich der Tag des Stadionsprechers Michael Wurst bis zum Anstoß um 15.30 Uhr?

Ich bin immer zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn im Stadion. Dann besprechen wir das Ablauf-Programm mit den Stadion-TV-Leuten. Kurz vor dem Spiel kriege ich die Aufstellungen und mein Job als Stadionsprecher geht richtig los. In der Pause treffen wir uns alle nochmals zu einer Besprechung. Und nach dem Spiel noch für eine Stunde zur Nachbetrachtung.

In der Anfangsphase als VfL-Stadionsprecher sorgte im Spiel gegen den VfB Stuttgart der Satz: „Keiner holt den Ball so schön aus dem Tor wie Jens Lehmann“, für Aufsehen in den Medien. War das aus heutiger Sicht so etwas wie eine Jugendsünde?

Ich wollte Jens Lehmann nicht beleidigen oder verhöhnen. Dieser Satz ist mir nur so rausgerutscht. Jens Lehmann hatte sich eine Woche vorher selbst einen Ball ins Tor gelegt – und war nun bei uns nach einer langen Flanke mit Ball über die Linie ins Tor gefallen. Da fiel mir dieser Satz spontan ein. Ich fand ihn lustig. Am nächsten Tag hatte ich die BILD am Telefon, die diese Nummer aufgebauscht hat. So etwas passiert mir garantiert nicht mehr.

Ist ein Stadionsprecher eigentlich fest angestellt beim VfL Bochum?

Nein. Ich bin dort so etwas wie ein Freier Mitarbeiter bei der Zeitung und werde nur für jeden Einsatz bezahlt.

Während eines Spiels muss ein Stadionsprecher 90 Minuten konzentriert sein, um nichts zu verpassen. Passiert es trotzdem, dass man bei einem Treffer aus dem Gewühl heraus einen Torschützen nicht erkennt?

Das ist mir in 14 Jahren noch nie passiert, dass ich einen falschen Torschützen genannt habe. Seit es den Video-Keller gibt, warte ich ohnehin etwas ab, bis ein Tor offiziell anerkannt ist. Bei einem Eigentor nenne ich den Spieler-Namen nicht, weil der sich genug ärgert über sein Missgeschick.

Michael Wurst ist bald der Trainer des FC Castrop-Rauxel – und berichtet, wie er die Stärken von Markus Scherff einsetzen möchte. © Volker Engel © Volker Engel

Wie stehen die Chancen, dass der VfL Bochum in der 1. Bundeliga bleibt?

Die Bochumer Chance Erstligist zu bleiben, ist in der neuen Saison jedenfalls größer als die der vielen Zweitliga-Traditionsklubs in die 1. Bundesliga aufzusteigen. In der Zweitklassigkeit wimmelt es doch nur noch von Ex-Erstligisten, die unbedingt alle wieder hoch möchten.

In der 1. Bundesliga muss der VfL eventuell weniger sonntags spielen als in Liga zwei. Wäre das sogar ein Vorteil für den FC Castrop-Rauxel?

Das muss man erst abwarten, wie oft der VfL sonntags ein Heimspiel bekommt. Sicher ist aber: Bei Bochumer Sonntagspielen werde ich beim FC Castrop-Rauxel nicht als Trainer an der Linie stehen. Das wissen aber alle Vereine, die mich als Trainer verpflichten. Bisher gab es damit noch keine Probleme.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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