In Castrop-Rauxel hat nicht jeder Torwart einen eigenen Trainer. Bei der SG Castrop kümmert sich ein Experte um die Keeper der ersten Senioren-Mannschaft und um den Nachwuchs. © Volker Engel
Fußball

SG Castrop: Neuer Torwarttrainer hat seinen Vertrag beim DFB nicht verlängert

Eine gewisse „Betriebs-Blindheit“ taucht bisweilen im Leben auf. Das haben zuletzt die Verantwortlichen der SG Castrop gemerkt. Denn ihr neuer Torwart-Trainer muss nicht abgeworben werden. Er war schon da.

Bei der SG Castrop leitet seit drei Jahren ein Mann das Torwart-Training einer Jugendmannschaft (aktuell bei den D-Junioren), doch niemand hat bemerkt, welch ein Hochkaräter dieser Mann auf seinem Spezialgebiet ist. Erst ein zufälliger Blick auf das Training seines Neffen löste bei Bezirksliga-Trainer Tino Westphal so etwas wie einen Hallo-Wach-Effekt aus.

Nur eine Handvoll Trainingseinheiten bis zum Lockdown

Bei der D-Jugend trainierte jemand die Torhüter, der in diesem Bereich viele Jahre professionell gearbeitet hat: Hannes Albrecht. Nach Ende des Trainings sprach Westphal ihn an. Es kristallisierte sich schnell heraus, welches „Juwel“ bei der SG Castrop quasi so lange im Verborgenen geschlummert hatte. Da sich die SG Castrop und Torwart-Trainer Klaus Musielak getrennt hatten, lag dieser Job bei der Senioren-Truppe brach.

Hannes Albrecht trainiert bei der SG Castrop mit den Keeper der D-Junioren sowie der Senioren. © privat © privat

Trainer Westphal machte sofort Nägel mit Köpfen und zog Hannes Albrecht als Torwart-Trainer zu seiner Mannschaft herüber. „Leider folgte danach viel zu schnell der Corona-Lockdown“, so Albrecht, der bis dahin nur eine handvoll Torhüter-Trainingseinheiten leiten konnte. Diese aber erfolgreich. „Unsere Torhüter haben von Hannes schon viel gelernt“, so Westphal.

Verständlich. Denn Albrecht hat als aktiver Keeper eine Top-Vita. Bei der Spvg Erkenschwick hat er zu Regionalliga-Zeiten zwischen den Pfosten gestanden. Weitere Top-Adressen waren SW Essen (Verbandsliga) und der VfB Hüls (Oberliga). „Beim VfB Hüls war Uwe Neuhaus mein Trainer“, so Albrecht. Neuhaus hatte Arminia Bielefeld jüngst zum Bundesliga-Aufstieg geführt, wurde dort dann aber wegen Erfolglosigkeit gefeuert.

Als Fußball-Lehrer für die Torhüter war Hannes Albrecht als Stützpunkt-Trainer bei der Hennes-Weisweiler-Akademie in der Sportschule Hennef tätig. „Ich habe diesen Vertrag aber nicht mehr verlängert, da der DFB in absehbarer Zeit alles in Frankfurt zusammen ziehen will“, erklärt Albrecht.

Dass der Torwart-Trainer überhaupt bei der SG Castrop gelandet ist, war purer Zufall. Ursprünglich hatte Hannes Albrecht beim TuS Henrichenburg die Torhüter der Minis und F-Jugend trainiert. Sein Sohn Mika spielte dort. „In der E-Jugend wollte ich das Training etwas professioneller aufziehen, was in Henrichenburg nicht gefragt war.“

So landeten Vater und Sohn Albrecht bei der SG Castrop. Mit D-Jugend-Trainer Daniel Bedürftig habe es zuletzt Differenzen gegeben, nachdem der beim Wechsel zum VfB Waltrop zehn Spieler mitnehmen würde. „Mein Sohn geht nicht mit nach Waltrop. Mika hört nach drei schweren Verletzungen ganz auf mit Fußball“, erklärt Hannes Albrecht.

Die Aufgabe mit den Bezirksliga-Torhütern der SG Castrop mache Spaß. „Alle sind total wissbegierig.“ In den wenigen Einheiten bis zum Corona-Lockdown hat Albrecht an einigen Stellschrauben gedreht. Sogar bei Routinier Pascal („Paco“) Heuser. „Nach jedem Training hatte Paco blutige Ellenbogen. Ich musste ihm die richtige Fallschule beibringen.“ Selbst nach einem zweieinhalbstündigen Intensiv-Training habe Heuser dann keine Ellenbogen-Wunden mehr gehabt.

Viel Talent sieht Albrecht beim jungen Marius Menne: „Er hat die besten Torwart-Anlagen, muss aber körperlich noch etwas zulegen.“ An Mennes Stabilität beim Herauslaufen wurde bereits gearbeitet. „Ich habe Marius gezeigt, wann er abspringen muss, um in der Luft nicht sofort weggeboxt zu werden.“

Da Fabian Leinhäuser zeitlich nur wenige Einheiten mitgemacht hat, kann Albrecht über ihn noch nicht viel sagen. Mit den drei SG-Torhütern arbeitet er aktuell mit Online-Übungen weiter an Verbesserungen.

Eines hat den erfahrenen Torwart-Trainer bei der SG Castrop doch noch überrascht: „In einer der letzten Trainingseinheiten vor dem Lockdown standen plötzlich nicht drei, sondern fünf Torhüter auf den Sportplatz, die alle mit mir trainieren wollten.“ Also auch von anderen SG-Teams.

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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