Ab der 70. Minute lief Trainer Tino Westphal für seine SG Castrop gegen SF Stuckenbusch selbst auf. Auf dem Feld erinnerte er alle seine Schützlinge an ihre Aufgaben. © Jens Lukas
Fußball

Trainer der SG Castrop: Spieler haben meine Taktik schon drauf – auf der Playstation

Die 1:4-Testspiel-Niederlage gegen SF Stuckenbusch hat Tino Westphal, Trainer des Bezirksligisten SG Castrop, während der Partie nachdenklich gestimmt. Er traf in der 70. Minute eine Entscheidung.

Noch während des ersten Testspiels für die Saison 2021/22 hat sich der Status von Tino Westphal geändert. Aus dem Trainer des Bezirksligisten SG Castrop wurde 20 Minuten vor dem Schlusspfiff der Standby-Spielertrainer Westphal. Und wahrscheinlich wird er es in den kommenden Wochen bleiben.

Schwarzes T-Shirt gegen weißes Trikot getauscht

Bei der 1:4 (1:2)-Niederlage gegen die SF Stuckenbusch (Bezirksliga) stand es 1:3, als Tino Westphal aus der Umkleidekabine kam – das schwarze T-Shirt hatte er gegen das weiße SG-Trikot getauscht. Er wechselte sich selbst ein.

Als eine Minute später SF-Torwart Dominic Kandziorra nach einem Zusammenprall mit Castrops Torschützen Zouhir Akrifou behandelt werden musste, ging Westphal reihum. Er erklärte nahezu allen seinen Schützlingen, wo sie zu spielen haben – und was sie tun sollen. Für eine Wende reichte es nicht mehr, aber für eine Einsicht des Trainers.

Tino Westphal sagte am Abend nach dem Duell: „Eigentlich trainiere ich mit der Mannschaft nicht richtig mit. Aber das wird sich jetzt wohl ändern.“ Zu viele einfache Fehler hatten seine Spieler produziert. Und von der abgesprochenen Taktik konnte der Coach nicht viel sehen. „Dabei erwarte ich keine komplizierten Dinge“, so der Trainer.

Westphal berichtete zudem: „Wenn wir als Mannschaft FIFA-Abende machen, sehe ich, dass die Jungs an der Playstation richtig gut und genau das spielen, was ich sehen will. Leider setzen sie es nicht im realen Spiel um.“

Den Stab möchte der Trainer zu solch einem frühen Zeitpunkt in der Saison nicht über seinen Spielern brechen. Denn Tino Westphal ist der Überzeugung, dass vor allem das Fehlen am Sonntag von Benedikt Meyer-Drabert und Serkan Kalkan dem Team geschadet habe. Vor allem im Aufbauspiel habe man das gesehen. Westphal: „Das war diesmal richtig schlecht.“

Meyer-Drabert als Abwehrorganisator und Kalkan als Mittelfeldstrategen würden seiner jungen Mannschaft Stabilität und Klasse geben, ist sich Westphal sicher: „Wenn aber einer dieser zentralen Spieler fehlt, ist es wohl besser, wenn ich mitkicke. Und in drei Wochen möchte ich Fortschritte bei meiner Mannschaft sehen.“

Auf ewig möchte Tino Westphal nicht den Feuerwehrmann spielen. Er erklärt: „Zwar sprechen mich alle Spieler und aus dem Umfeld darauf an, dass ich doch bitte spielen soll. Aber in meinem Alter von 35 Jahren sehe ich darin keinen echten Sinn für das Team.“

Nahezu allen in seiner Mannschaft fehle es an der nötigen Fitness, gesteht Westphal ein: „Ich war wirklich überrascht, wie eng bei den meisten die Trikots anliegen. Damit habe ich nicht gerechnet. Das sah beim Training besser aus. Wir werden jetzt intensiv arbeiten, um die alte Form zu erreichen.“

Er selbst habe sich auch eingewechselt, weil einige seiner Mannen bereits weit vor dem Schlusspfiff platt waren, erklärt Westphal: „Ich habe wirklich neidisch zur Stuckenbusch-Bank rübergeschaut. Da waren acht Einwechselspieler. Viel mehr als bei uns.“

Ein Sonderlob hatte Westphal für Luca Seegers parat. Der Mittelstürmer habe sich bei seinem ersten Seniorenspiel gut geschlagen gegen drei gestandene Bezirksliga-Verteidiger – und glänzte als Torvorlagengeber für Akrifou.

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Lokalsport Castrop-Rauxel
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Jens Lukas

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