Viele Funktionen hatte Filipe Santos Couto (l.) im Jahr 2011 beim VfB Habinghorst: Er war Trainer der A-Junioren, Spielertrainer der zweiten Seniorenmannschaft und hatte einige Einsätze in der ersten Mannschaft. © Volker Engel
Sportgeschichte

Trainer des VfB Habinghorst fuhr stets 250 Kilometer zum Spiel – und kommt für Party vom Bodensee

2011 wollte ein Spielertrainer in Castrop-Rauxel sein Team nicht in Stich lassen. Für Kreisliga-B-Spiele fuhr er oft von Mainz nach Habinghorst.

Der VfB Habinghorst II spielte in der Saison 2010/11 in der Kreisliga B um den Meistertitel. Spielertrainer Filipe Santos Couto zog jedoch Anfang März 2011 nach Mainz um. Er wollte seine Jungs im Titelkampf nicht allein lassen. Das war für ihn eine Frage der Ehre. „Wer mich kennt, weiß, dass ich alles durchziehe, was ich angefangen habe“, sagte Filipe Santos Couto damals – und sagt er noch heute.

253 Kilometer im Geländewagen nach Castrop-Rauxel

Also schwang er sich der Neu-Mainzer samstags am späten Abend in seinen Suzuki SX4-Geländewagen, um bei den abschließenden zehn Meisterschaftsspielen für den VfB Habinghorst II auf dem Sportplatz zu stehen. Von Mainz nach Castrop-Rauxel sind es laut Routenplaner 253 Kilometer auf der Autobahn – pro Tour. Die Vorsitzende Sabine Landes war damals voll des Lobes: „Ich habe noch keinen Trainer kennengelernt, der sich so wunderbar wie Filipe in die Vereinsarbeit einbringt.“

Übernachtungen im Wohnwagen

Einmal sorgte Habinghorsts Sportlicher Leiter Thilo Karl mit der hölländischen Variante eines Wohnwagens für eine Schlafgelegenheit. Oder die Vorsitzende Sabine Landes buchte ein Hotelzimmer für Filipe. Dessen dritte Schlafstelle gab’s bei der Familie Fritz. Mit Patrick Fritz, Etienne Schwarz und weiteren Fußballern von einst, besteht noch heute Kontakt.

Filipe Santos Couto verspricht: „Wenn Corona vorbei ist, komme ich nach Castrop-Rauxel und feiere mit meinen Jungs von damals eine Party. Die ich schmeiße.“ Wie schon erwähnt: Ein Wort, ist ein Wort. Das wäre dann so etwas wie die Revanche dafür, dass Filipes frühere Spieler 2015 seinen Polterabend organisiert haben. Santos war nach Castrop-Rauxel gekommen und wollte dort feiern. Seine Schützlinge entführten ihn allerdings nach Hamburg und die Party stieg dort.

Filipe Santos (weißes Trikot) agierte als Spielertrainer des VfB Habinghorst – wie hier im Spiel gegen Eintracht Ickern. © Jens Lukas © Jens Lukas

Dass der VfB Habinghorst II trotz aller Kilometer-Fresserei des Spielertrainers nur Vizemeister wurde hinter DJK Falkenhorst Herne, hatte einen triftigen Grund. „Nach einer überragenden Vorrunde, klebte uns das Verletzungspech an den Hacken. Ich musste am Saisonnede auf bis zu zehn verletzte Stammspieler verzichten“, hat Santos Couto nicht vergessen.

Auch für das Habinghorster Landesliga-Team lief er mehrfach auf. „Ich war für Trainer Dieter Beleijew der Mann für alle Fälle.“ Kurz angemerkt: VfB I stieg in dieser Saison ab. Nach einer Verletzung war Santos Couto längere Zeit nicht in Form gekommen, sodass sich der Spielertrainer-Job beim VfB II anbot. Als er in seine Geburtsstadt Mainz umgezogen war, übernahm Uwe Jasik die Trainingseinheiten in Absprache mit Santos Couto. Die A-Jugend – dort war er auch Trainer – coachte fortan Dimitrios Tzitzikakis.

Für eine Abschiedsrunde war Filipe Santos Couto vom Bodensee nach Castrop-Rauxel gekommen. Von dort aus fuhren er und seine ehemaligen VfB-Schützlinge per Bus nach Dorf Münsterland. © privat © privat

Der heute 35-Jährige war wegen der Arbeit in einer Spedition, die er als Geschäftsführer leitete, zurück zu den Wurzeln gekehrt. „Meine Familie wohnt in Mainz – viele aus der Verwandtschaft aber in Portugal.“ Trotzdem hielt es ihn nicht lange in Mainz. Schon im Jahr 2013 kam es zum Abschiedsspiel für die TSG 1846 Kastel: Filipe schoss das 1:0 beim 5:0 gegen den Portugiesischen SV.

Weiter ging Filipes Wanderschaft gen Süden – an den Bodensee. „Der Liebe wegen“, erklärt er. Dort lebte er heute noch als selbstständiger Versicherungs- und Finanz-Makler mit seiner Frau und zwei Kindern. Tochter Estelle (4) und Sohn Enrique (2) sind sein ganzer Stolz. „Die Kinder haben meine Prioritäten verschoben, weit weg vom Fußball.“ Mit 33 Jahren hat er die Fußballschuhe in die Ecke gelegt.

Bis dahin sorgte Filipe Santos Couto aber auch in der Region Bodensee für sportliche Furore – als Spieler und Spielertrainer. Mit dem FC Rielasingen-Arlen stieg er auf in die Landesliga und Verbandsliga. „Dann hatte ich genug vom hochklassigen Amateurfußball und bin zum portugiesischen Verein Maqurikucos Singen gewechselt. Wir sind von Kreisliga B in die Kreisliga A aufgestiegen.“

Zweifacher Vater ist Filipe Santos Couto mittlerweile und wohnt nicht mehr in Mainz, sondern am Bodensee. © privat © privat

Abschließend versichert Filipe Santos Couto: „Es war eine kostbare Zeit für mich beim VfB Habinghorst, die ich sehr genossen habe. Ich freue mich schon auf die 600-km-Fahrt nach Castrop-Rauxel wenn Corona vorbei ist und ich für die früheren Jungs eine Party schmeißen werde.“ Darauf können die Ex-Spieler fest bauen. Denn: Ein Wort, ist ein Wort.

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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