Derzeit hängen die Castrop-Rauxeler Fußballer in der Schwebe. © Volker Engel
Fußball

Trainer sagt: „Eine Wertung wie in der Corona-Abbruch-Saison ist nicht stemmbar“

In der Kreisliga-A-Tabelle steht keines der Castrop-Rauxeler Teams besser als auf Platz sechs - weit entfernt von der Spitze. Ein Trainer hat eine düstere Vision.

Nach aktuellem Stand haben die Castrop-Rauxeler Fußball-Mannschaften in der Kreisliga A nichts mit dem Aufstiegsrennen zu tun. Nur Arminia Ickern (6.) hat keine Sorgen, hat aber bereits sieben Punkte Rückstand auf Spitzenreiter RWT Herne. Der FC Frohlinde II (9.), VfB Habinghorst (11.), Eintracht Ickern (13.), Victoria Habinghorst (14.) und der SuS Merklinde (15.) haben allesamt Abstiegssorgen.

Neustart kann sich für VfB wie ein Saisonauftakt anfühlen

Der VfB Habinghorst nimmt mit sechs von 21 möglichen Punkten den 11. von 17 Tabellen-Plätzen ein. Und hat nur drei Punkte Vorsprung auf die Kellerkinder SF Wanne II und ETuS Wanne. Eigentlich kommt der Saison-Stopp zur rechten Zeit für den VfB. Für die Habinghorster fühlt sich die Fortsetzung der Spielzeit im Jahr 2021 – wenn die Politik dafür Grünes Licht gibt – womöglich wie ein Saisonstart an.

Eine durchaus praktikable Idee tauchte jüngst im Fußballkreis Dortmund auf: Die absolvierten Spiele zählen. Sobald wie möglich soll weitergespielt werden, sodass irgendwann jeder zumindest einmal gegen jeden Gegner der Liga gespielt hat. Auf dieser Basis wird eine Abschluss-Tabelle mit Auf- und Absteigern erstellt.

Marc Olschewski, Trainer des VfB Habinghorst. © Volker Engel © Volker Engel

Zur aktuellen Auszeit sagt Habinghorsts Trainer Marc Olschewski: „Das Ganze ist absolut nervtötend und schmerzhaft für das Wohlbefinden der Fußballer. Diese Auszeit in den Dezember zu verlängern, ist absolut nachvollziehbar. Für die Fußballvereine ist das frühe Jahres-Ende zwar tragisch. Aber als Teil einer funktionierenden Gesellschaft muss eben jeder Abstriche machen.“

VfB-Trainer spricht von guter Stimmung in schlechter Phase

Olschewskis Kapitän Matthias Gorzolnik meint: „Es ist schade, nicht mehr auf dem Platz stehen zu können und danach noch mit den Jungs ein Bierchen zu trinken. Wir haben eine super Kameradschaft innerhalb der Truppe. Auch wenn es in letzter Zeit nicht gut lief bei uns, war die Stimmung immer gut.“

Ein totaler Kaltstart im Januar ist für Marc Olschewski „sportlich gesehen nicht tragbar – eigentlich“. Aber am Ende wolle jeder Fußballer irgendwie diese Saison zu Ende spielen. „Ich bin für einen normalen Neustart im Februar und ausreichenden Vorbereitungs-Trainingseinheiten im Januar.“

Matthias Gorzolnik (Mitte), Kapitän des VfB Habinghorst. © Jens Lukas © Jens Lukas

Spielführer Gorzolnik: „Ich persönlich glaube nicht, dass sich die Corona-Situation im Januar oder Februar entspannt haben wird, sodass der Amateursport dadurch noch länger in die Zwangspause geschickt wird.“

Olschewski: Saisonabbruch scheint schon einkalkuliert zu sein

Wann die Saison beendet wird, ist Olschewski „im Endeffekt völlig egal – die Corona-Pandemie hat ohnehin alle Termine schon verschoben“. Der VfB-Trainer favorisiert persönlich: „Wenn es möglich ist, sollte die komplette Saison mit Hin- und Rückrunde zu Ende gespielt werden.“ Eine 50-Prozent-Wertung mit Auf- und Abstieg hält er für nicht praktikabel: „Davon halte ich absolut nichts. Das Gefühl, eine Fußball-Saison zu starten, um die nach 50 Prozent der Spiele wieder abzubrechen, erscheint mir persönlich so, als wäre das von Anfang an einkalkuliert worden – das ist einfach kein gutes Gefühl.“

Normalerweise müsse der Kreis Herne/Castrop-Rauxel aber eine normale Wertung mit Auf- und Absteigern anstreben – oder eben eine Annullierung der kompletten Saison vornehmen. „Eine Wertung wie in der durch Corona abgebrochenen Saison mit Aufsteigern aber ohne Absteiger ist doch überhaupt nicht mehr stemmbar. Wie viele Mannschaften sollen denn dann in der darauf folgenden Spielzeit absteigen?“

Ihre Autoren
Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
Zur Autorenseite
Avatar
Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
Zur Autorenseite
Jens Lukas

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.