137 Minuten lang diskutierten die Verantwortlichen des heimischen Juniorenfußballs in einer Videokonferenz - unter der Moderation von Denis Wessel (oben links). © Jens Lukas
Juniorenfußball

Video-Konferenz der Jugendleiter: Von Helikopter-Eltern und Aufstiegsverzicht

Die erste Video-Juniorenfußball-Konferenz des Kreises Herne/Castrop-Rauxel am abschließenden Februar-Freitag war ein Erfolg. Um 18.31 Uhr waren 26 Gäste zugeschaltet. „Abpfiff“ war erst um 20.48 Uhr.

Wegen der Corona-Pandemie hängen derzeit alle in der Luft, die mit dem Castrop-Rauxeler Juniorenfußball zu tun haben. Diese vernetzten sich jetzt in einer Videokonferenz. Diee hatte der Kreisjugendausschuss (KJA) unter dem Motto „Let´s talk about Football“ angeboten.

Zwei Moderatoren für die Vereinsvertreter

137 Minuten lang wurde am Bildschirm kontrovers, konstruktiv, sachlich und unaufgeregt diskutiert. Fazit: Diese Form des Meinungs-Austausches zwischen Verband und Vereinen ist wichtig – eine Wiederholung erwünscht. Als Moderatoren fungierten vom KJA Denis Wessel und der Vorsitzende Bernd Götte.

Aus Castrop-Rauxel im Video-Chat-Room mit dabei waren Carsten Cwik, Leiter Fußball im Stadtsportverband und Sven Wesolowski (beide VfB Habinghorst), Sarah Syrbe, Frank Jakubus (beide Spvg Schwerin), Sabrina Stypers (Wacker Obercastrop) sowie Enrico Junghans und Peter Siegmann von der SG Castrop.

Das dringendste Thema des Abends: Wie und wann geht es im Jugendfußball weiter? Denis Wessel hat einen neuen Rahmenterminplan entwickelt. Dieser sieht vor ,dass ein Meisterschafts-Re-Start erst nach den Osterferien (frühestens ab dem 17. und 18. April) realistisch sei. „Bei unseren kleinen Jugend-Staffeln bleibt genug Zeit, um bis zum 30. Juni mit 50 Prozent der Saisonspiele die Teilnehmer an den Aufstiegsspielen von der A- bis D-Junioren zu ermitteln. Die Aufstiegsrunde wird diesmal im K.O.-System mit Hin- und Rückspiel ausgetragen“, so Wessel.

Selbst bei den zwei B-Junioren-Staffeln sei die Zeit gegeben, um in einem Endspiel der Spitzenreiter den Meister zu ermitteln. „Abhängig bleibt der Re-Start jedoch allein von der Entwicklung der Corona-Zahlen“, gibt Wessel zu bedenken.

Die Anregung, die aktuelle Jugendfußball-Saison ohne Auf- und Absteiger sofort zu beenden, konterte Bernd Götte: „Wir können gerne bei allen Vereinen die Meister werden können, die Unterschrift einholen, dass sie auf einen überkreislichen Aufstieg verzichten. Das würden wir dem FLVW melden und die Saison sofort beenden, ohne Prozesse fürchten zu müssen. Dieses Papier wird aber kein Verein unterschreiben, der Aufstiegs-Chance hat. Wir können nur abwarten, ob die Saison noch zuende gespielt wird.“

Die positive Meldung aus den Vereinen: Es gibt offenbar keine Abmeldewelle. Jedoch rechnet keiner damit, dass es wie sonst üblich, im Frühjahr und Herbst hohe Neuanmeldezahlen von Kindern geben wird.

„Gegen die Vereins-Neuanmeldung ihrer Kinder sind schon die Helikopter-Eltern, für die nur die Schule den Vorrang vor dem Sport genießt, obwohl ihre Kinder regelmäßige Bewegung ebenso nötig brauchen“, sagt Schwerins Frank Jakubus. Und weiter: „Als ich meinen Sohn jetzt von der Schule abgeholt habe, hat niemand die Abstandsregel eingehalten. Wie sollen Vereine das im Training garantieren?“ Auch stellte Jakubus in den Raum: „Wie sollen wir zu Auswärtsspielen kommen? Vier Kinder in einem Auto – das geht wegen Corona ja nicht.“

Carsten Cwik fehlt ebenso wie Karsten Schwidurski vom DSC Wanne „die Trainings-Gerechtigkeit“. A-Jugendliche von Bundesligisten trainierten fleißig weiter, während alle anderen das nicht dürften. „Irgendwann sollen diese Jungs in überkreislichen Ligen aber wieder gegeneinander um Punkte kicken – ein Unding.“

Der allgemeine Tenor zum Trainings-Re-Start ist: Die Vorlaufzeit von zwei bis vier Wochen bis zum ersten Spiel sei „weltfremd“. Dirk Müller (Spvg Horsthausen) brachte es auf den Punkt: „Training ist machbar. Den Spielbetrieb sollte man aber sofort in der Pfeife rauchen.“

Gökhan Negüzel (Firtinaspor Herne) möchte eine schnelle Planungssicherheit: „Der FLVW sollte endlich ein Datum nennen, ab wann ein Re-Start keinen Sinn mehr macht.“ Bernd Götte versprach: „Die Stimmung, die wir heute eingefangen haben, werden wir an den FLVW weiterleiten.“

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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Jens Lukas

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