Vor über 1000 Zuschauern duellierten sich am vierten Westfalenliga-Spieltag der SV Wacker Obercastrop (r, mit Elvis Shala) und der TuS Bövinghausen. © Volker Engel
Fußball-Westfalenliga

Wacker Obercastrop gegen TuS Bövinghausen: Platzverweis, Rudelbildungen und Becherwürfe

Wachablösung an der Westfalenliga-Spitze: Der TuS Bövinghausen hat beim bisherigen Ersten, Wacker Obercastrop, den ersten Platz erobert. Nach einem Topspiel mit über 1000 Zuschauern und viel Spektakel auf dem Platz.

Solch ein Westfalenliga-Spiel gibt es nicht alle Tage. Einen Platzverweis, mehrmals Rudelbildungen und auch Becherwürfe. All das sahen über 1000 Zuschauer beim Topspiel zwischen Wacker Obercastrop und dem TuS Bövinghausen am Samstagabend (18. September).

Bövinghausen fährt als Tabellenführer nach Hause

Die Obercastroper hatten vor dem vierten Spieltag die Tabelle angeführt. Mit einem 2:0 (1:0)-Sieg nahmen die Bövinghausener diese mit nach Hause – zumindest für einen Tag. Denn der FC Brünninghausen hat mit einem Sieg gegen den SV Sodingen die Chance zum Überholen.

Die Bövinghauser Tore vor 1297 zahlenden Zuschauern in der Erin-Kampfbahn erzielten Andre Witt (27.) per Aufsetzer aus 20 Metern und Maurice Haar per Kopfball (55.). Die Freude nach dem Schlusspfiff endete in einem kollektiven Jubel der Gäste. „Derbysieger, Derbysieger!“ und „Spitzenreiter, Spitzenreiter!“, skandierten sie im Kreis.

Mittendrin feierten die Ex-Profis Kevin Großkreutz, Baris Özbek und David Odonkor lautstark mit. Ex-Nationalspieler Odonkor wurde von Coach Thormann erst in der 94. Minute eingewechselt – um Zeit von der Uhr zu nehmen.

Es war kein normales Spiel. Das zeigte auch schon das Aufgebot einiger Polizei- Mannschaftswagen vor dem Spiel. Wie der Wacker-Vorsitzende Martin Janicki erklärte, sei die Polizei vor Ort, weil dies bei Veranstaltungen mit höherem Zuschaueraufkommen so Usus sei. Die Wagen rückten nach und nach ab. Der letzte fuhr in der 60. Spielminute weg.

Zum Glück brauchte von den Einsatzkräften niemand eingreifen. Das sah auf dem Kunstrasen anders aus. Da hatte Schiedsrichter Christian Buschmann jede Menge Arbeit. Schnell zückte er bei den zahlreichen energischen Zweikämpfen Gelbe Karten. Ob es daran lag, dass der junge Referee aus Lennestadt unter Beobachtung pfiff?

Emotionen pur und Hektik gab es in der 74. Minute: Bövinghausens Migel-Max Schmeling hatte die zweiten Gelbe zur Gelb-Roten Karte gesehen, weil er zu wenig Abstand beim Einwurf von Wacker-Spieler Yogan Astacio einhielt. Er bekam da nicht nur den Ball an den Kopf. Ein verrückter Zuschauer warf auch noch mit einem Bierbecher nach ihm. Schmeling schoss eine Wasserflasche Richtung Zuschauer und wollte dem Rowdy an den Kragen. Davon wurde er aber abgehalten.

Der TuS Bövinghausen, jetzt in Unterzahl, musste sich einiger Wacker-Angriffe erwehren. Doch mehr als ein fulminanter Lattenknaller aus 20 Metern von Nico Brehm sprang nicht dabei heraus.

1296 zahlende Zuschauer waren beim Westfalenliga-Topspiel zwischen Wacker Obercastrop und dem TuS Bövinghausen in der Erin-Kampfbahn. © Volker Engel © Volker Engel

In der Schlussphase waren die Obercastroper mit einigen Entscheidungen nicht einverstanden. Das Spiel war spannend, fast dramatisch. Gegen Ende gab es Rudelbildungen und Tumulte, in denen auch Baris Özbek verwickelt war. Auch hier flogen Bierbecher auf das Feld. Als Einziger ging allerdings Wacker-Stürmer Elvis Shala aus dem Trubel mit einer Gelben Karte hervor. Özbek sagte hinterher: „Emotionen gehören zum Fußball. Ich meine, wir haben verdient gewonnen.“

Bövinghausens Trainer Sven Thormann bezeichnete den Erfolg ebenfalls als verdient und erklärte: „Bis auf den Lattenschuss habe ich von Obercastrop keine echte Torchance gesehen. Wir hatten drei oder vier klare Chancen. Wir haben nichts zugelassen und gut verteidigt.“

Aytac Uzunoglu, Trainer des SV Wacker Obercastrop, räumte ein: „In der ersten halben Stunde hatte Bövinghausen eindeutig das Sagen.“ In der zweiten Halbzeit sah er seine Mannschaft allerdings deutlich verbessert. Uzunoglu: „Dann wurde es zu einem Spiel auf Augenhöhe. Wir hätten eigentlich mindestens ein Tor verdient gehabt.“

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