Lil-Yana (vorn) und Mia-Lucy Rottmann im Zweier-Rennkajak. Nur im selben Rhythmus erreichen die beiden Schwestern ordentlich Tempo. Die beiden Teenagerinnen haben für sich den idealen Sport entdeckt. Meist treten sie jedoch im Einer-Rennkajak an. © privat
Wassersport

Wassersport wurde Steckenpferd einer Castrop-Rauxeler Familie – diese trotzt Corona

Familie Rottmann und Wassersport - das gehört inzwischen untrennbar zusammen. Von Corona lassen sich die Castroper nicht ausbremsen, sondern verbringen nun mehr Zeit als Familie auf dem Kemnader See.

Eigentlich hatte Andreas Rottmann 2016 das Kanufahren nur mal ausprobieren wollen. In der Natur Sport treiben – insbesondere auf dem Wasser – war seine Motivation. Vier Jahre später hat sich dadurch das Leben seiner vierköpfigen Familie aus Castrop nachhaltig verändert.

Immer wieder zieht es die Rottmanns aufs Wasser. Derzeit sind Andreas Rottmann (50 Jahre), seine Frau Yvonne (45) und die beiden Töchter Lil-Yana (15) und Mia-Lucy (14) meist im Familienverband auf dem Kemnader See unterwegs.

Der Kanu Club Wiking Bochum hat wegen Corona sein Training eingestellt. Damit Lil-Yana und Mia-Lucy aufs Wasser können, werden sie von ihren Eltern begleitet. „Einer muss die Aufsicht führen“, sagt Andreas Rottmann. In Vor-Coronazeiten fuhr er mit Yvonne meist im Wanderkajak längere Strecken auf Kemnader See oder Ruhr, während Lil-Yana und Mia-Lucy im Rennkajak trainierten.

Vor Wettkämpfen täglich auf dem Wasser

Vor Wettkämpfen sind die Rottmann-Schwestern jeden Tag auf dem Wasser. In der Wintersaison ist das seltener. Dennoch versuchen sie es viermal pro Woche zum Kemnader See zu schaffen, wo vier Kajaks auf die Familie warten. „Wenn beide bis 16 Uhr Schule haben, klappt das nicht“, sagt Yvonne Rottmann. „Je nach Verkehr dauert es 30 bis 45 Minuten mit dem Auto. Da ist es dunkel, wenn wir ankommen.“

Mit den Corona-Beschränkungen im Sport hat man sich in Castrop arrangiert. „Wir sind ja gut weggekommen, da unsere Eltern mehrfach pro Woche zum Paddeln zum Kemnader See fahren“, sagt Mia-Lucy. „Der Trainer schickt uns Trainingspläne und analysiert unsere Technikvideos, das funktioniert gut.“ Daheim haben sie sich einen kleinen Kraftraum eingerichtet. Regelmäßig gehen die Jugendlichen laufen. Das ist Leistungssport.

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Familie Rottmann auf dem Wasser

Seit drei, respektive vier Jahren sitzen sie in Rennbooten. Damit wollen sie zu weiteren Erfolgen fahren, sobald es wieder möglich ist. Bei den offenen Landesmeisterschaften 2020 in Baden-Württemberg setzte sich Mia-Lucy auf den Renn-Distanzen 100 und 2000 Meter durch. Lil-Yana wurde Zweite auf der 200- und der 500-Meter-Strecke. „Natürlich haben wir sportliche Ziele und möchten weiterkommen“, sagt Mia-Lucy, aber der Spaß komme nicht zu kurz.

Rückschläge gehören dazu

Zum sportlichen Erfolg gehören aber auch Rückschläge. Nicht nur bei den ersten Versuchen im schmalen Rennboot, mit dem jeder Anfänger mehrfach kentert – bevor er den Bogen raus hat, das Wassergefährt per Körperspannung in der Balance zu halten.

Mia-Lucy ist bei einem Massenstart in Rheine einmal mit anderen Booten kollidiert. So fuhr sie auf der einen Seite unter der Brücke rein, kam aber auf der anderen nicht im Boot hinaus. „Das war ärgerlich, ich hatte Medaillenchancen“, sagt sie.

Pokal landete im Wasser

Allgemeine Heiterkeit herrscht bei den Rottmanns bei einer ganz anderen Anekdote. Bei einer Regatta in Herdecke wurden die Pokale direkt in die Boote gereicht, Mia-Lucy wollte einem anderen Boot ausweichen – und so landete der Pokal in der Ruhr. Inzwischen hat ein Sportinternat in Essen bei Mia-Lucy angefragt und sie wurde in den Landeskader NRW aufgenommen. Sie kann sich vorstellen, später Sport zu studieren.

Mia-Lucy (vorn) und Lil-Yana mal ganz entspannt im Zweier-Kajak; sonst geht es meist um Tempo und Ausdauer. © privat © privat

Yvonne Rottmann sieht sportliche Rückschläge als gute Möglichkeit für ihre Teenager-Töchter, eine gesunde Frust-Toleranz zu entwickeln. „Sie lernen, auch mal verlieren zu können“, sagt sie. Das Training prägt bei der Disziplin, auch was schulische Aufgaben angeht.

Es bleibt Zeit für andere Dinge

„Seit ich im Rennkajak fahre, gehe ich in der Schule mehr aus mir heraus“, sagt Lil-Yana. Das habe sich bereits positiv auf die mündlichen Noten ausgewirkt. Beide Schwestern besuchen das Ernst-Barlach-Gymnasium. Neben Sport und Schule bleibe noch genug Zeit für andere Dinge, wie Freunde treffen oder auch ein Instrument lernen, betonen sie.

2016 begann die Kanu-Leidenschaft der Rottmanns beim Castroper TV am Rhein-Herne-Kanal. 2018 dann der Wechsel zum KC Wiking Bochum. „Dort kümmern sich alle um die physische und psychische Gesundheit der Schützlinge“, sagt Yvonne Rottmann. „Dort trainieren wir mit Freunden.“

Eltern betätigen sich als Betreuer und Wettkampfrichter

Während sich Lil-Yana und Mia-Lucy im Bochumer Verein auf sportliche Höchstleistungen konzentrieren, betätigen sich die Eltern als Betreuer und Wettkampfrichter – sobald es wieder möglich ist. Bis dahin bleibt nur der Familienausflug zum Kemnader See, wo die elterlichen Wanderkajaks – von anderen Paddlern auch abschätzig „Badewannen“ genannt – die Rennboote der Töchter begleiten.

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Redaktion und Sportredaktion Castrop-Rauxel

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