Am 1. Juli 2021 wird ein neues Kapitel in der Geschichte des Castrop-Rauxeler Fußballs aufgeschlagen. Zwei Clubs planen eine Fusion. Zunächst soll es mindestens ein Verlobungsjahr geben. © Jens Lukas
Fußball

Zwei Castrop-Rauxeler Fußball-Clubs verloben sich und planen schon die Ehe

Am 1. Juli 2021 wird ein neues Kapitel in der Geschichte des Castrop-Rauxeler Fußballs geschrieben. Zwei Clubs planen eine Ehe - sprich: eine Fusion. Zunächst soll es mindestens ein Verlobungsjahr geben.

In der dritten Januar-Woche hat Reinhold Spohn elektronische Post aus Castrop-Rauxel bekommen. Der Vorsitzende des Fußballkreises Herne/Castrop-Rauxel hat dadurch einen Antrag von zwei Castrop-Rauxeler Vereinen auf dem Tisch liegen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird er der Anfrage zustimmen. Dadurch wird am 1. Juli 2021 ein neues Kapitel in der Geschichte des Castrop-Rauxeler Fußballs aufgeschlagen.

Entscheidung fiel bei Vorstandssitzung am 8. Januar

Denn zwei heimische Clubs gehen für die Saison 2021/22 eine Spielgemeinschaft (SG) ein. Das ist die Verlobung vor der fest ins Auge gefassten Eheschließung in ein oder zwei Jahren. Sprich: Eine Vereins-Fusion steht ins Haus.

Ihre Kräfte bündeln wollen Victoria Habinghorst und die SF Habinghorst/Dingen. Das bekräftigten jetzt die Vorsitzenden Dirk Konisch (Victoria) und Klaus Holzner (Sportfreunde). Holzner: „Dirk und ich – wir hatten mehrere Telefonate zu diesem Vorhaben geführt. Am 8. Januar habe ich zudem in meinem Verein eine Vorstandssitzung abgehalten. Nach langem Reden haben meine Leute der Idee einer Spielgemeinschaft zugestimmt.“

Am 1. Mai 2016 standen sich die Fußballer des SV Dingen (blaue Trikots) mit Burhan Ersin und der SF Habinghorst mit Edis Karabegovic noch als Gegner an der Westheide gegenüber. In der Saison 2016/17 kickten sie in einer Spielgemeinschaft als ein Team in der Glückauf-Kampfbahn. Im Frühjahr 2017 fusionierten die beiden Clubs sogar. © Volker Engel © Volker Engel

Am 22. Januar wurde das Projekt dann auf den Weg gebracht. Sportfreunde-Geschäftsführer Joachim Soba stellte abends den Antrag beim Kreisvorsitzenden Spohn. In dem Anschreiben wurde auch eine künftige Fusion als Grund für die SG angegeben. Holzner: „Daher wird der Kreis auch gewiss dem Anliegen zustimmen.“

Für Klaus Holzner ist die Fusion absolut notwendig. Denn er sagt: „Wir sind in unserem Verein im Vorstand und bei den Helfern überaltert. Ich selbst bin 70 Jahre alt. Unser Platzkassierer ist 80. Joachim Soba ist mit knapp über 60 Jahren der Jüngste im Vorstand. Wir haben keinen Nachwuchs.“

Dirk Konisch erklärt: „Wir haben unsererseits viele junge Leute und sind breit aufgestellt. Uns drückt bei der Sportplatzsituation mit unserer in die Jahre gekommenen Anlage der Schuh.“

Klaus Holzner, der Vorsitzende der SF Habinghorst/Dingen, kennt sich mit Fusionen aus: Er war dabei, als der SV Dingen im Jahr 2017 mit SF Habinghorst zusammenging. © Volker Engel © Volker Engel

Zwar wurde von der Stadtverwaltung der Neubau eines Platzes auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände in Aussicht gestellt. Konisch betont aber: „Wir brauchen eine kurzfristige Lösung, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Bis zum Bau des neuen Platzes dauert es ja noch.“

Dirk Konisch: „Wir haben gutes Spielerpersonal mit unserer ersten Mannschaft in der Kreisliga A. Ich freue mich, dass wir und Habinghorst/Dingen mit so vielen helfenden Händen zusammenarbeiten können. Diese sind noch vom alten Schlag und mit Herzblut dabei.“

Und ganz neu sind die Kontakte zwischen Victoria und dem Dingener Teil der Sportfreunde auch nicht. Holzner berichtet: „Wir kamen schon zu Zeiten von Erika Fels als Victoria-Vorsitzende sehr gut miteinander aus. Wir haben 1999 auch gemeinsam die Feldstadtmeisterschaft ausgerichtet – und mit Dingen das Turnier auch gewonnen.“

Dirk Konisch, der Vorsitzende der Victoria Habinghorst, möchte in der Saison 2021/22 eine Spielgemeinschaft mit Habinghorst/Dingen eingehen. © Jochen Affeldt © Jochen Affeldt

Es steht also fest: Unter dem Namen „SG SF Victoria Habinghorst/Dingen“ sollen in der Saison 2021/22 neben den Altherren auch drei oder vier Senioren-Teams auf Punktejagd gehen. Die Nachwuchs-Teams von Victoria sind von der SG nicht betroffen, da die Sportfreunde über keine Jugend-Teams verfügen.

Bis zum Tag der Mannschaftsmeldungen soll noch diskutiert werden, ob auch drei Mannschaften reichen, so Holzner. Dann wäre die SG nach aktuellem Stand mit je einem Team in den Kreisligen A, B und C am Ball. Konisch sieht darin auch für die Spieler seiner zweiten Mannschaft (Kreisliga C) eine Chance: „Sie können dann auch in der Kreisliga B spielen, wenn sie die Ambitionen haben.“

In der kommenden Saison hat die Spielgemeinschaft nicht nur die Gelegenheit, die Ickerner Glückauf-Kampfbahn als Spielstätte zu nutzen, sondern auch den Rasenplatz am Gänsebusch. Dort können zudem Feiern wie etwa ein Osterfeuer besser über die Bühne gehen, so Dirk Konisch. Dieser erklärt, dass nach der Stadtverwaltung auch die Verantwortlichen des SC Arminia Ickern, der auch in der Glückauf-Kampfbahn beheimatet ist, über das Projekt informiert wurden.

Und auch der VfB Habinghorst ist in die Idee der Spielgemeinschaft eingeweiht. Denn laut Konisch bleibt es bei seinem Bestreben, wie auch der VfB die neue Habinghorster Sportanlage auf dem Kraftwerksgelände zu beziehen. Dirk Konisch: „Wir haben von allen Seiten ein positives Feedback zu unserer Fusions-Idee bekommen.“

Die letzte Fusion in Castrop-Rauxel gab es vor vier Jahren: Zur Spielzeit 2016/17 waren der SV Dingen (am 25. Oktober 1953 gegründet) und die Sportfreunde Habinghorst (von 1968) eine Spielgemeinschaft eingegangen. Im Frühjahr 2017 fusionierten die beiden Clubs und nannten sich SF Habinghorst/Dingen. Die Dingener gaben in den Jahren danach ihr Domizil an der Westheide auf.

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Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas

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