25 Millionen lässt sich der FC Bayern München angeblich die Verpflichtung von Trainer Julian Nagelsmann kosten. Was halten die Amateure davon? © dpa

Ablösesummen für Trainer – Dorstens Amateure verstehen die Profiwelt nicht mehr

25 Millionen Ablöse für Julian Nagelsmann. Im Amateurbereich scheint das aber ausgeschlossen zu sein, zumindest wenn man bei den Vereinen in Dorsten und Schermbeck nachfragt.

Michael Steinrötter, der Vorsitzende des Oberligisten SV Schermbeck, würde kein Geld für einen Trainertransfer bereitstellen: „Wenn das Schule macht, dann hört die Bezahlerei gar nicht mehr auf.“ Die Strategie der Schermbecker ist ohnehin nur auf kurzfristige Verträge ausgerichtet: „Meist bekommen unsere Spieler Einjahres-Verträge, nur in Ausnahmefällen vereinbaren wir längerfristige Laufzeiten.“ Das erfordere allerdings,dass man rechtzeitig Gespräche führt, um Spieler und für die folgende Saison zu binden.

Steinrötter sieht noch ein anderes Problem: „Für Fußballer ohne Lizenzvertrag sind die Wechselgebühren festgelegt. Für einen Trainer müsste man das neu verhandeln. Ich glaube aber nicht, dass man in naher Zukunft über so etwas nachdenken muss.“

Für Mathias Deckers zählt ein Handschlag

Auch für Mathias Deckers, Sportlicher Leiter des Westfalenligisten RW Deuten, besteht überhaupt keine Notwendigkeit für Transfersummen für Trainer: „Die Vertragsgrundlage ist bei uns ja eine ganz andere. Wir haben in den Amateurligen ganz andere Bedingungen.“

Es gäbe gar nicht solche komplexen Trainerverträge, aus denen man Transfersummen ableiten könne: „Das mag vielleicht bei den U23-Trainern von Schalke oder Dortmund in der Regionalliga der Fall sein, denn diese arbeiten unter Profibedingungen. Bei uns bestätigen wir eine Verlängerung mit Handschlag.“

Am Bahndamm plant man auf und neben dem Platz von Saison zu Saison: „Das soll nicht heißen, dass wir keine langfristigen Konzepte haben, aber wir sprechen mit den Spielern und Trainern in jedem Jahr neu über eine weitere Saison bei uns.“

Stefan Schröder kritisiert „immer verrückteren Profifußball“

Stefan Schröder kann nicht glauben, was gerade im Profibereich passiert: „Der Profifußball wird immer verrückter. Ich hätte das nie erwartet, dass so etwas salonfähig wird.“ Der Sportliche Leiter des Landesligisten SV Dorsten-Hardt ist der Ansicht: „Man sollte zu den Absprachen und Verträgen, die man macht, stehen. Für eine Ablöse für einen Trainer im Amateurbereich bräuchte es eine absolute Ausnahmesituation.“

Er sagt hingegen: „Beim SV Hardt braucht man eigentlich keinen schriftlichen Vertrag für einen Trainer. Wir planen mit den neuen Trainern zwar längerfristig, aber es gibt auch keine mehrjährigen Verträge.“

Dennis Pohlmann beklagt Entfernung von der Basis

Auch in der A-Kreisliga ist der Gedanke, für einen Trainer Ablöse zu bezahlen, recht absurd. „Was im Profibereich gerade passiert, kann kein Vorbild für uns sein. Er hat sich von der Basis ohnehin viel zu weit entfernt,“ sagt Dennis Pohlmann, der Vorsitzende des SC BW Wulfen.

Ihm ist auch nicht im Ansatz der Gedanke gekommen vom BVH Dorsten Geld zu verlangen, weil dieser nun Daniel Schikora verpflichtet hat: „Das wäre absurd gewesen. Wenn ein Trainer ein gutes Angebot bekommt, dann sollte man ihn gehen lassen. Es hätte keinen Sinn, ihn gegen seinen Willen zu behalten.“

Uli Canovi spricht von „Phantasiesummen“

Bei Uli Canovi, dem BVH-Präsidenten, hätte Pohlmann auch auf Granit gebissen: „Das werden wir in Holsterhausen nie tun. Ich finde es schon manchmal grenzwertig, was für Spieler aufgerufen wird. Im Sommer sind die Wechselgebühren zwar festgeschrieben, aber im Winter frei verhandelbar. Da werden manchmal Phantasiesummen in den Raum geworfen.“

Auch beim BVH arbeitet man eher kurzfristig: „Wir haben mit Daniel Schikora zwar einen Zwei-Jahresvertrag gemacht, aber mit der Option, drei Monate vor dem Saisonende über das zweite Jahr zu diskutieren und im Fall der Fälle den Vertrag vorzeitig zu beenden.“

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