Altendorfs Trainer Christian Martschat war an Corona erkrankt. Die Krankheit verlief glimpflich, aber wiederholen möchte Martschat diese Erfahrung nicht. © Ralf Pieper
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Auch glimpfliche Coronafälle bedeuten viele Scherereien

Christian Martschat hatte Corona. Zum Glück ohne schwerere Symptome. Doch was der Trainer des SV Altendorf-Ulfkotte mitmachte, hat ihm trotzdem gereicht.

Morgens nicht aus dem Bett kommen? Das war so gar nicht Christian Martschats Art. „Ich war lurig“, erzählt der 38-Jährige, „den ganzen Tag angeschlagen.“ Als es am zweiten Tag nicht besser wurde, sagte seine Frau: „Lass uns das lieber kontrollieren.“ Martschat stimmte zu. „Früher wär ich mit den Symptomen arbeiten gegangen.“ Doch in Zeiten von Corona …

So ging der Trainer des Fußball-B-Kreisligisten SV Altendorf-Ulfkotte zum Arzt. Es war ein Donnerstag. Der Mediziner sprach zwar von untypischen Symptomen, machte aber einen Coronatest, Freitagmittags bekam Christian Martschat über eine App die Nachricht: Der Test war positiv. „30 Minuten später rief dann auch der Arzt an“, berichtet er, und dann nahmen die Dinge ihren Lauf.

Als erste musste eine Nachbarin informiert werden. Ihr Kind hatte einige Tage zuvor bei Martschats übernachtet. Danach hieß es für alle erst einmal abwarten. „Wir haben uns gefragt, was jetzt passiert“, sagt Christian Martschat. Die Antwort: zwei Tage lang erst einmal gar nichts. „Bei allem Verständnis fürs Gesundheitsamt, das ja wirklich überlastet ist – aber die haben uns wirklich dumm sterben lassen“, muss Christian Martschat seinem Ärger Luft machen.

Erst am Sonntag klingelt das Telefon, und Martschat wird ausführlich befragt. „Was passiert mit meiner Frau und meiner Tochter?“, will er wissen. Das werde ihm Montag per Post mitgeteilt, lautet die Antwort. Der Montag kommt, die Post nicht.

Die Kontakte der letzten 48 Stunden

Auch ein anderer Punkt sorgt bei dem Marler auch rückblickend noch für Stirnrunzeln: „Ich sollte die Kontakte der letzten 48 Stunden angeben, und wir hatten ein Spiel gegen den TuS Gahlen II gehabt. Ich habe gefragt, ob ich da wirklich alle Teilnehmer und Besucher nennen müsste. Die Listen gab‘s ja. Die Antwort lautete: Ja, alles angeben.“

Martschat tat, wie ihm geheißen. Und wurde am Dienstag noch einmal vom Gesundheitsamt angerufen. „Da war dann eine andere Mitarbeiterin dran, und die hat mich – gelinde gesagt – zusammengefaltet. Wie ich denn dazu käme, 150 Kontaktpersonen anzugeben!“ Die Mitarbeiterin klärte Martschat auf, dass er nur Intensivkontakte angeben müsse, also Leute, mit denen er länger als 15 Minuten in geschlossenen Räumen mit weniger als 1,50 m Abstand zusammen gewesen war.

Keine schönen Ferien

So schmolzen die 150 in sich zusammen. Übrig blieben die eigene Familie und das Nachbarskind. Alle waren inzwischen negativ getestet worden, doch in Quarantäne mussten sie trotzdem. Besonders für das Nachbarsmädchen schwer: „Es waren Ferien, und sie musste als einziges von drei Kindern in ihrem Zimmer bleiben“, erzählt Christian Martschat.

Gesundheitlich ging es ihm selbst schon lange wieder gut: „Ich war topfit.“ Doch da war ja noch die organisatorische Seite der Quarantäne. „Ohne Familie oder Freunde bist du in so einer Situation aufgeschmissen.“ Was zum Beispiel tun, wenn der Hund raus muss? „Wir haben eine Art Schleuse gebaut, durch die er in den Garten konnte“, sagt Christian Martschat. Dort wurde das Tier dann von den Schwiegereltern in Empfang genommen.

Spieler brachten Döner und Burger

Ums Einkaufen oder die Verpflegung musste sich der Trainer auch keine Sorgen machen: „Die Jungs aus der Mannschaft haben regelmäßig was von der Dönerbude oder Mäckes mitgebracht. Das war echt super.“ Blieb noch der Beruf.

„Zum Glück hatte ich die Woche vor meiner Infektion Urlaub gehabt und deshalb keine Kontakte zu Arbeitskollegen, da war der Arbeitgeber sehr beruhigt“, berichtet Martschat. Und damit ihm während der Quarantäne nicht die Decke auf den Kopf fiel, verständigte er sich mit seinem Chef, einen Großteil seiner Arbeit im Homeoffice zu erledigen: „Da ging die Zeit wenigstens rum.“

Sorge um Eltern und Schwiegereltern

Die Zeit, das waren exakt 14 Tage. 14 Tage, in denen trotz Homeoffice noch genug Zeit übrig blieb, um sich Gedanken und Sorgen zu machen. „Die erste Angst galt natürlich meiner Familie“, erzählt Christian Martschat. „Isolieren Sie sich!‘ hat die Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt gesagt. Ich hab geantwortet ,Gute Frau, wir haben kein 500-Quadratmeter-Haus, wie soll das gehen?‘“

Auch um die Eltern und Schwiegereltern kreisten die Gedanken des Corona-Kranken. Zum Glück hatte er aber schon einige Tage vor seiner Erkrankung den letzten Kontakt gehabt. So kam es zu keiner weiteren Erkrankung in Christian Martschats Umfeld, und auch zum eigenen Krankheitsverlauf sagt er: „Glück gehabt! Aber so ist das wohl bei vielen Krankheiten: Der eine erkrankt an Krebs und ist nach drei Monaten tot, der andere lebt noch viele Jahre damit.“

Ob er jetzt immun ist? Christian Martschat hat sich das gefragt. Aber er hat die Frage schnell wieder verworfen: „Weiß ja keiner.“ Auch die täglichen Coronafall-Zahlen verfolgt er nicht mehr: „Das hab‘ ich mir abgewöhnt. Von dem ganzen Wust wird man ja erschlagen.“

Er hat seine eigenen Erfahrungen gemacht: „Ich weiß nicht, wie oft ich den Satz gehört habe ,Du bist der erste Coronakranke, den ich persönlich kenne‘. Aber es ist eine Krankheit wie jede andere. Sie kann jeden treffen, und man muss sich dafür nicht schämen. Ich tu‘s auf jeden Fall nicht.“

Zur Ansteckung über Intensivkontakte sagt er aber auch: „Bei mir kamen da wirklich nur meine Frau und meine Tochter infrage und das Nachbarsmädchen, das unglücklicherweise genau an jenem Tag bei meiner Tochter übernachtet hat. Ansonsten muss man schon ein spannendes Privatleben haben oder wirklich nur Party machen, wenn man da Außenstehende anstecken will.“

Hygienekonzept verhindert Intensivkontakte

Das bedeutet für Christian Martschat aber auch: „Bei dem Hygienekonzept, das wir bei uns im Verein entwickelt haben, entstehen Situationen, die als Intensivkontakte gelten könnten, gar nicht.“ Er fühlt sich deshalb sicher beim SV Altendorf – und ist auch schon wieder voll im Training. 2000 Kilometer will sein Team bis Ende November insgesamt laufen. Zusammen und doch jeder für sich. Christian Martschat ist dabei. Ohne Beeinträchtigungen. Er weiß um mögliche Spätfolgen von Corona. „Aber offensichtlich habe ich Glück gehabt.“ Er hofft, den Behörden nicht allzu viel Arbeit gemacht zu haben. „Aber es reicht bestimmt schon.“ Und das bei einem so leichten Fall wie seinem.

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Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner

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