Fünf Fußball-Kids auf engstem Raum. Solche Szenen wird es im Kreis Recklinghausen zukünftig wohl nur noch sehr selten geben. © Jürgen Patzke
Jugendfußball

„Das ist ein großer Batzen“ – Reformpläne des FLVW treffen auf Widerstand

Dass das neue Modell im Kinderfußball schon zur bevorstehenden Spielzeit 2021/2022 im Kreis Recklinghausen kommen wird, steht fest. Die Vereine äußern Kritik und machen sich Sorgen.

Die Nachricht, dass das neue Modell bei den offiziellen Spielen der Minikicker und F-Jugenden im Verbandsgebiet des Kreises Recklinghausen, schon zur kommenden Saison an den Start gehen wird, hat bei den Verantwortlichen der Vereine in vielerlei Hinsicht Emotionen ausgelöst.

Verpflichtend, das Modell schon jetzt einzuführen, ist es laut dem Fussball- und Leichtathletik -Verband Westfalen nicht. Spätestens zur Saison 2022/2023 soll dann allerdings in allen Kreisen, die dem FLVW zugehörig sind, so Fußball gespielt werden. “Privat” dürfen sich die Vereine aber weiterhin untereinander zu Spielen nach dem Sieben-gegen-Sieben-Modell verabreden.

Eines ist trotzdem sicher, die Vereine müssen investieren: Mehr Betreuer/-innen, so wie neues und teures Material. Ist sogar der Wechsel in einen anderen Kreis denkbar? Wir haben die ersten Stimmen in der Dorstener-Umgebung dazu eingefangen und erklären, was es mit der Reform auf sich hat.

Karsten Humme, 1. Jugendleiter vom BVH Dorsten

„Ich finde das nicht so prickelnd und bin ziemlich skeptisch. Mich überrascht es nicht. Ich habe aber ehrlich gesagt eigentlich nicht damit gerechnet. Wir werden uns darauf einstellen und sind mit den Trainern gut aufgestellt und bleiben auch im Kreis. Allerdings müssen wir natürlich Material zukaufen und ich denke, dass die Leistungsunterschiede noch mehr auffallen werden. Da bezweckt man also eher das Gegenteil mit. Eigentlich sollte man es so lassen wie es jetzt ist.“

Stefan Gramberg, Jugendgeschäftsführer des SV Dorsten-Hardt

„Prinzipiell ist die Idee gut, jedes Kind hat mehr Spielanteile und viele Ballkontakte. Skeptisch macht mich aber, woher wir die ganzen Betreuer/-innen holen sollen. Auch organisatorisch wird das eine Herausforderung. Zudem haben wir jetzt schon acht Tore für knapp 2000 Euro gekauft. Das ist ein großer Batzen.“

Grambergs Vereinskollege und Jugendleiter Thomas Iwanowksy, wird sogar noch ein bisschen deutlicher: „Das hat für mich nicht mehr viel mit dem Ursprung des Fußballs zu tun. Spielerisch entfernt es sich so mehr und mehr von dem, wie es einmal war. Grundsätzlich ist das eine gute Idee, da die vermeintlich schwächeren Kids mehr Einsatzzeiten bekommen. Allerdings ist die Umsetzung fragwürdig und das Ganze sehr unausgegoren.“

Norman Mischling, 1. Jugendleiter SuS Hervest Dorsten

„Für mich ist das totaler Unsinn und unverständlich. Was damit bezweckt werden soll, ist für mich fraglich. Die Torwart-Ausbildung geht verloren. Außerdem, wie soll das mit der Betreuung klappen. Ich kann das nicht gutheißen und hoffe auf eine andere Idee und dass das rückgängig gemacht wird. Ansonsten machen eigentlich nur noch Freundschaftsspiele Sinn.“

Jörg Kirsten, 1. Jugendleiter vom BW Wulfen

“Ich bin ein bisschen sehr erstaunt. Die Trainer sind darüber nicht glücklich und der Kassierer ist am stutzen. Da denkst du dir, na super, ganz toll. Man wird einfach so ins kalte Wasser geschmissen. Das finde ich nicht in Ordnung und kann ich auch nicht nachvollziehen.”

Auf der Homepage des FLVW heißt es zu den neuen Regelungen:

  • G-Jugend (U6/U7): Es wird 3 gegen 3 (alternativ 2 gegen 2) auf zwei Tore gespielt. Ein Team besteht aus drei Feld- und min. einem Rotationsspieler*in. Es wird ohne Torwart gespielt. Nach jedem Tor wechseln beide Mannschaften automatisch jeweils eine/-n Spieler/-in. Gespielt wird an den Spielenachmittagen in Turnierform, empfohlen sind bis zu acht Durchgänge à fünf Minuten. Nach jedem Durchgang gehen die Gewinnerteams jeweils ein Spielfeld weiter, die Verliererteams jeweils um ein Spielfeld zurück.
  • F-Jugend (U8/U9): Es wird 5 gegen 5 (mit TW) / alternativ 3 gegen 3 /4 gegen 4 (ohne TW) auf zwei Tore gespielt. Dabei wird ein Team durch maximal einen/zwei Rotationsspieler/n*innen ergänzt. Die jeweilige Spielform ist abhängig von der tatsächlichen Anzahl der Spieler*innen am Spieltag. Vorgeschlagene Spielzeit pro Durchgang sind hier fünf bis acht Minuten. Klare Empfehlung ist es, sich in der F-Jugend auf das 3 gegen 3 (U8) bzw. 5 gegen 5 (U9) zu konzentrieren, um wie beschrieben allen Kindern mehr Ballaktionen zu ermöglichen. Sowohl beim 3 gegen 3 als auch beim 5 gegen 5 gehen nach jedem Durchgang die Gewinnerteams jeweils ein Spielfeld weiter und die Verliererteams um ein Spielfeld zurück
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