Sleiman Salha (l.) ist seit Sommer Trainer beim SV Schermbeck. © Andreas Leistner
Fußball

Der SV Schermbeck startete unter extremsten Bedingungen in die Saison

Dass der SV Schermbeck nicht, wie erhofft, in die Saison startete, nimmt Trainer Sleiman Salha auch auf seine Kappe. Die Saisonunterbrechung kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Das nehme ich auf meine Kappe.“ Dass der SV Schermbeck in der Fußball-Oberliga in sieben Spielen erst sieben Punkte holte, sei auch seine Schuld, sagt Schermbecks Trainer Sleiman Salha. Er betont zudem: „Die Mannschaft hat wirklich eine Menge durchgemacht.“

Der SV Schermbeck entschied sich vor einigen Monaten für einen kleinen Neuanfang. Der Erfolgstrainer Thomas Falkowski musste gehen, für ihn übernahm Sleiman Salha, der zuvor die Reserve des SVS trainierte. Auch das Gesicht des Kaders veränderten die Schermbecker stark.

Dass durch den Saisonabbruch und der Coronavirus-Pandemie noch der Westfalen- und Kreispokal zu Ende gespielt werden musste, machte die Aufgabe für Salha, das Team neu aufzubauen, nicht unbedingt leichter. In der Sommervorbereitung hatte der neue Coach, zudem Oberliga-unerfahren, nur wenig Zeit, seine Ideen zu vermitteln.

Eine andere Idee

Salha hat eine andere Idee von Fußball als Falkowski. Während der Ex-Trainer Pressing-Fußball á la Jürgen Klopp favorisiert, möchte Salha vor allem spielerische Lösungen im Ballbesitzspiel von seiner Mannschaft sehen. Für Schermbecks Spieler glich das einem kleinen Kulturschock.

So musste der Kader, um einige Spieler verändert und mit einem neuen Trainer und seinen Ideen, nach einer mehrmonatigen Pause innerhalb kürzester Zeit sein Maximum erreichen. Denn das große Ziel des SVS war es, den Westfalenpokal Mitte August zu gewinnen. Ein Sieg hätte die Teilnahme am DFB-Pokal für den Verein bedeutet.

Und das Halbfinale lief gut: Gegen die SpVg Hagen 11 setzte sich das Team deutlich durch (6:1). Im Finale traf der SVS dann auf den RSV Meinerzahgen, der sich im Halbfinale mit 6:4 nach Elfmeterschießen gegen den SV Rödinghausen, amtierender Regionalliga-Meister, durchgesetzt hatte.

Spannungsabfall nach Finale

Im Finale musste sich der SVS dann aber geschlagen geben mit 0:2 – trotz guter Leistung. Danach fiel erst einmal ein wenig Spannung ab, was Trainer Salha aber auch bei Meinerzhagen beobachtete. Der RSV habe „den besten Kader der gesamten Oberliga“, sagt der Trainer. Aber auch der Meisterschaftsfavorit startete – wie der SVS – nicht wie erhofft in die Liga.

Dass Schermbeck dann auch noch Ende August für zweieinhalb Wochen aufgrund mehrerer Corona-Fälle in der Mannschaft in Quarantäne musste, sorgte endgültig für einen schwierigen Saisonstart.

Erst am 20. September startete Schermbeck, nur wenige Tage, nachdem alle Spieler endgültig aus der Quarantäne entlassen waren, kalt in die Liga. „Wir konnten gar nicht trainieren“, sagt Salha. Lediglich das Kreispokalspiel gegen den Bezirksligisten Adler Weseke (7:6-Erfolg n.E.) diente drei Tage zuvor zur Vorbereitung.

Holpriger Start

Dementsprechend holprig verlief das erste Spiel gegen den TuS Ennepetal (2:2). Gegen den TuS wäre sogar ein Sieg möglich gewesen. Schermbecks Kräfte reichten aber nicht, um den 2:1-Vorsprung über die Zeit zu retten. Und Zeit, um Kraft zu tanken, hatte der SVS nicht. Nur vier Tage später ging es zum Aufsteiger SpVgg Vreden, gegen den die Schermbecker ebenfalls 2:2 spielten.

Wiederum nur drei Tage später stand gegen Westfalia Rhynern das nächste Spiel an. Auch diesmal war der SVS über weite Phasen das bessere Team, auch diesmal reichte es nur zu einem Remis. Dass die Schermbecker in dieser Phase machbare Siege liegen ließen, nimmt Trainer Salha auf seine Kappe. „Ich hätte dem nicht zustimmen dürfen, dass wir nach so langer Zeit ohne Training direkt so viele Spiele bestreiten“, sagt er.

„Wir sind gerade erst hochgefahren“

Seiner Mannschaft möchte er keinen Vorwurf machen. In den folgenden Spielen musste diese zudem zwei Pleiten gegen den Spitzenreiter FC Gütersloh (0:2) sowie den SC Preußen Münster II (1:5) hinnehmen. Dazwischen lag ein Remis gegen die SG Finntentrop/Bamenohl (1:1). Den ersten und bislang einzigen Sieg gab es erst am letzten Spieltag vor der Saisonunterbrechung, als der SVS mit 3:1 bei Eintracht Rheine gewann.

Die Unterbrechung sei deshalb zu einem ungünstigen Zeitpunkt gekommen, sagt Salha. „Wir sind gerade erst hochgefahren.“ Zuvor hätten oft die letzten Prozente gefehlt. Derzeit halten sich seine Spieler selbstständig fit, Trainingspläne haben die Schermbecker aber nicht. „Erst wenn wir wissen, wann und wie es weitergeht, macht so etwas Sinn“, so der Trainer.

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Niklas Berkel

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