Friedrich Rüschhoff-Nadermann ist Vorsitzender der BSG Wulfen. Zusammen mit seiner Ehefrau Mechtild arbeitet er auch als Übungsleiter. © Privat
Reha-Sport

Dorstener Vorsitzender hat Mitleid mit den Mitgliedern seines Vereins

Er erlebe viel Traurigkeit, wenn er mit den Mitgliedern seines Vereins spreche, sagt Friedrich Rüschhoff-Nadermann, Vorsitzender der BSG Dorsten-Wulfen. Die Teilnehmer seien besorgt.

Die Mitglieder und Reha-Sportler der Behinderten-Sport-Gemeinschaft Dorsten-Wulfen (BSG) müssen aufgrund des aktuellen Lockdowns nun schon zum zweiten Mal in diesem Jahr auf ihr gemeinsames Sporterlebnis verzichten. Friedrich Rüschhoff-Nadermann, Vorsitzender des Vereins, ist deshalb erneut in großer Sorge. „Wir erleben momentan eine große Traurigkeit am Telefon, wenn wir mit Teilnehmern sprechen“, sagt er. Er habe Verständnis für die besorgten Teilnehmer, könne aber leider im Moment nur gut zureden und Mut machen.

Im Verein werden ungefähr 230 Mitglieder und Reha-Teilnehmer mit ärztlicher Verordnung in ganzheitlicher Gruppenbetreuung von speziell ausgebildeten Übungsleitern betreut. Und damit beginnt auch schon die ständige Gratwanderung, denn eigentlich darf Reha-Sport derzeit stattfinden. Allerdings ist es zum einen schwierig, die Gruppen zu trennen, und zum anderen stünden die geeigneten Räumlichkeiten nicht immer zur Verfügung.

Rüschhoff-Nadermann erklärt die Problematik näher: „Es ist für uns sehr schwierig, genau nachzuhalten, wer mit wem in welcher Gruppe zusammen war.“ Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand beschlossen, den gemeinsamen Sport erneut einzufrieren.

Schon der erste Lockdown hatte den Verein überrascht, denn von jetzt auf gleich waren die Hallen und Schwimmbäder geschlossen. Die Sportangebote wurden wegen dem hohen Infektionsrisiko auf Null herunter gefahren. Auch das bei den Mitgliedern sehr beliebte Sommerfest musste ausfallen.

„Viele Stunden Vereinsarbeit investiert“

Doch der Verein blieb nicht untätig und hat auf Basis der gesetzlichen Regelungen ein tragfähiges Hygienekonzept entwickelt. „Da wurden viele Stunden Vereinsarbeit investiert“, so der Vorsitzende. So konnte der Verein mit den ersten Lockerungen wieder ein vorsichtiges Sportangebot anbieten.

Dabei verlagerte er die Aktivitäten, wo immer es möglich war, aus den Hallen heraus ins Freie. Wie zum Beispiel eine Gymnastikgruppe, die Rüschhoff-Nadermann kurzer Hand in eine Nordic-Walking-Gruppe mit Abstand im Freien umgestaltete.

Daran erinnert er sich noch gut: „Die Teilnehmer waren so froh, dass sie endlich wieder was Gemeinsames machen konnten. Eine Teilnehmerin hat sich direkt eigene Stöcke besorgt und läuft jetzt selbstständig weiter.“

Der Vorsitzende ist auch selber zusammen mit seiner Frau Mechthild als Übungsleiter im Verein aktiv. Er lobt die Eigenverantwortlichkeit der Mitglieder. „Viele sind aus Vorsicht von sich aus daheim geblieben, aber haben uns bis heute die Treue gehalten“, sagt er stolz.

Schon früh sei im Verein auch die Möglichkeit eines Online-Sportkurses geprüft, aber schnell wieder verworfen worden, da viele Teilnehmer der älteren Jahrgänge nicht über die technischen Voraussetzungen verfügten, um ein virtuelles Sportangebot zu nutzen.

BSG Dorsten-Wulfen, Nordic Walking
Die ehemalige Gymnastik-Gruppe wurde nach dem ersten Lockdown zu einer Nordic-Walking-Gruppe. Das Foto entstand vor den aktuell geltenden Lockdown-Bestimmungen. © Privat © Privat

Ein weiterer Problembereich sei der momentan fehlende soziale Kontakt unter den Mitgliedern, so der Vorsitzende. Allein stehende Senioren, die in ihrer Sportgruppe neuen Halt gefunden haben, sitzen durch den erneuten Lockdown wieder alleine zuhause.

Um dem entgegen zu wirken, werden weiterhin Geburtstagsgrüße und Jubiläumswünsche von der BSG überbracht. Allerdings nicht wie gewohnt mit Umarmung und allem, was dazugehört, sondern es werde mit dem notwendigen Abstand gratuliert und ein kleines Präsent vor die Tür gestellt.

Immerhin gab es einen „persönlichen Weihnachtsbrief“

Rüschhoff-Nadermann bedauert besonders, dass auch die lange geplante Jahresabschlussfeier abgesagt werden musste. Immerhin einen kleinen „persönlichen Weihnachtsbrief“ schicke der Verein seinen Mitgliedern und Teilnehmern zu: „Es gibt uns noch“ solle dieser symbolisieren. „Und unseren Mitgliedern und Teilnehmern wenigstens ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern.“

Mit einer Videokonferenz will der Vorstand im Januar Neuland betreten und Rüschhoff-Nadermann hofft, dass es bei hoffentlich bald fallenden Infektionszahlen wieder losgehen kann. Dann will er die Teilnehmer mit weiteren, neuen Alternativen im Freien überraschen, die dem gewohnten Hallensport sehr nahe kommen sollen.

Über den Autor
freier Mitarbeiter
Ist schon seit Jahren freier Mitarbeiter der Redaktion Haltern am See. Er fotografiert und berichtet über das lokale Geschehen und betreut die Serie „Das Sportporträt“. Darüber hinaus berichtet er in Wort und Bild über aktuelle sportliche Großereignisse im Outdoorbereich , wie Reitturniere, Laufveranstaltungen, Radrennen und Kartsport. Sein Spezialgebiet ist die Berichterstattung über Motorsport auf der Nordschleife des legendären Nürburgrings. Für die Dorstener Redaktion begleitet er dazu seit Jahren die heimischen Rennfahrer in der Langstreckenserie und beim Jahreshighlight, dem 24 Stunden Rennen.
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Horst Lehr

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