Damit man sich beim Wiedereinstieg ins Training nicht gleich verletzt, ist die richtige Dosierung das A und O. © dpa
Wiedereinstieg nach Corona

Fitnessexperte rät: „Weniger ist am Anfang mehr“

Endlich wieder Training! Endlich wieder Sport! Darauf haben wir alle monatelang gewartet. Doch gerade jetzt mahnt der Dorstener Fitnesstrainer Andreas Schilasky: „Lass‘ langsam gehen!“

Andreas Schilasky weiß: Alle brennen darauf, sich endlich wieder zu bewegen und die unliebigen Coronapfunde wieder los zu werden. „Tasche gepackt, Trainingsplan vom August 2019 raus, schneller Blick auf die Fitness-App und ab geht die Post. So oder so ähnlich werden es wohl viele machen“, sagt der 58-Jährige. Und sieht darin eine große Gefahr.

Denn: „Die Trainingspause war lang, viel zu lang!“ Für Muskeln und Ausdauer gelte die Grundregel „Use it or loose ist“. Zwei Wochen könne der Körper eine Trainingspause wegstecken. Doch gerade bei älteren Menschen müsse man nach einer Pause von drei bis vier Wochen quasi wieder bei Null anfangen.

„Übermut tut selten gut“, warnt der ausgebildete Fitness- und Personal Trainer: „Wer sofort übertreibt, riskiert die nächste Zwangspause, und das will ja wohl keiner, oder?“ Muskeln und Bänder seien nach der ungewohnt langen Pause nicht mehr so belastbar. Das erhöhe die Gefahr von Verletzungen. Zum Wiedereinstieg gibt Andreas Schilasky deshalb einige wichtige Tipps.

Wann war der letzte Checkup beim Doc?

Am Anfang solle sich jeder fragen: „Wann war eigentlich die letzte Sportuntersuchung beim Doc? Alles kümmert sich im Moment um Impftermine, ich empfehle mal einen Termin zum Checkup!“ Beim ersten Besuch im Studio oder Sportverein sollte man zudem einen Termin mit dem Trainer vereinbaren, um den eigenen Trainingsplan zu überarbeiten. „Einfach mal auf die Waage stellen und neue Ziele definieren“, rät Schilasky.

Besondere Vorsicht sollten die Wiedereinsteiger bei so genannten Powerkursen walten lassen: „Hier verleiten die Gruppe und die Musik schnell zur Überbelastung.“ Dasselbe gelte für die Spielsportarten wie Fußball, Handball oder Tennis.

Vier bis fünf Wochen vorsichtig sein

“Vier bis fünf Wochen sollten wir alle vorsichtig sein und genügend Pausen einplanen“, schlägt Schilasky vor. Selbst die, die während der Corona-Monate fleißig waren und jetzt fitter sind als vorher: „Bei neuen Bewegungsabläufen kann es auch hier zur Überlastung kommen.“

Die üblichen Tipps wie „Weniger Gewichte und mehr Wiederholungen“ oder „Langsamer“ könnten natürlich helfen, aber: „So einfach ist es nicht. Die richtig guten und individuellen Tipps geben die Trainer in guten Studios und Vereinen.“

Und für die macht Schilasky Werbung: „Wer jetzt noch in keinen Verein oder Fitnessstudio ist, wie wär’s?“ Er denkt dabei vor allem an Kinder und Jugendliche: „Die sind in den letzten Monaten viel zu kurz gekommen. Deshalb meine persönliche Bitte an alle Eltern: Motiviert Eure Kinder wieder zum Sport, im Verein ist es am besten, und Dorsten hat tolle Sportvereine, die warten sicherlich schon!“

Kinder auf Bolzplatz
Fitness und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen liegen Andreas Schilasky besonders am Herzen. © dpa © dpa

Denen, die nun tatsächlich wieder anfangen oder neu einsteigen, gibt der Fitness-Experte auch noch einen Tipp in Sachen Ernährung: „Das ist ein zentrales Thema, über das es sich nachzudenken lohnt. Wer seine Aufmerksamkeit darauf richtet, wird schneller fit. Aber auch das sollte man mit Arzt und Trainer besprechen.“

Dass neue Sportklamotten motivieren können, weiß auch Andreas Schilasky: „Gut aussehen schadet nie.“ Und zuguterletzt gibt er allen Aktiven noch zwei Trainerweisheiten mit auf den Weg: „Muskelkater ist keine Krankheit, und Muskeln sind immer in der Pubertät – es ist nie zu spät, um anzufangen.“

Über den Autor
Sportredaktion
Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner

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