In einer Woche beginnen in Japans Hauptstadt Tokio die 32. Olympischen Spiele der Neuzeit. Mit dabei: der Wulfener Jason Osborne. © dpa
Olympia in Tokio

Höllenritt nach Tokio – Jason Osborne vorm Olympia-Start

Die Qualifikation für die Olympischen Spiele von Tokio war für den Wulfener Jason Osborne ein Kinderspiel im Vergleich zu dem, was er bei seiner Anreise nach Japan erlebte.

Eine Woche noch, dann beginnen in Tokio die 32. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit. Der Wulfener Jason Osborne ist mit der deutschen Rudermannschaft bereits seit knapp zwei Wochen in Japan. Zeit genug, um die Strapazen der Anreise aus den Knochen zu bekommen. Eine Anreise, von der der 27-Jährige sagt: „Es war der reinste Höllenritt.“

Los ging es am 30. Juni vom Frankfurter Flughafen. Elf Stunden dauerte der Flug nach Tokio. Doch das war nicht das eigentliche Problem. „Nachdem wir gelandet waren, haben wir noch fünf Stunden am Flughafen verbracht“, berichtete Jason Osborne im Gespräch mit unserer Redaktion. Warum? Weil Japan es mit den Corona-Schutzmaßnahmen sehr genau nimmt.

Jonathan Rommelmann und Jason Osborne
Jonathan Rommelmann und Jason Osborne (v.l.) wollen bei den Olympischen Spielen einen erneuten Angriff auf die Iren Paul O’Donovan und Fintan McCarthy starten. © Detlef Seyb © Detlef Seyb

Immer und wieder wurden die Papiere der deutschen Athleten geprüft. „Zehn Mal. Immer dieselben Papiere“, stöhnte Osborne. Die deutsche Delegation bekam dabei sechs japanische Begleiter zur Seite gestellt. Die halfen, wo sie konnten. Sie achteten aber auch darauf, dass das Sicherheitsprotokoll penibel befolgt wurde. Nach fünf Stunden hatten die Ruderer den Flughafen von Tokio endlich hinter sich gelassen. Doch die Nerven zehrende Anreise war damit noch lange nicht zu Ende.

Trainingslager in Kinosaki

Von Tokio ging es in Richtung Kinosaki im Nordwesten Japans, wo die deutschen Ruderer ihr Trainingslager aufgeschlagen haben. Drei Stunden dauerte die erste Etappe der Fahrt, dann wurde übernachtet, und am nächsten Morgen folgte die zweite Etappe – noch einmal zehn Stunden. Dann war er vorbei, der Höllenritt.

Und anderthalb Wochen später kann Jason Osborne sagen: „Inzwischen ist die Reise raus aus den Beinen. Die Zeitumstellung hat auch gut geklappt, und ich schlafe gut.“

Gewöhnungsbedürftig ist der Zeitunterschied zu Deutschland für den Wulfener trotzdem noch: „Wir sind hier halt sieben Stunden voraus. Wenn man da am Morgen jemanden erreichen will, ist das schon nicht so einfach.“

Und auch ans Wetter mussten sich die deutschen Ruderer erst gewöhnen. Denn aus der Sommerhitze des Trainingslagers in Österreich kamen sie direkt in die japanische Regenzeit. „Die geht von Juni bis Juli“, berichtet Jason Osborne. Doch rechtzeitig zu Beginn der Spiele soll der Dauerregen ab kommender Woche zum Glück nachlassen und aufhören. Zumindest hat der Wetterbericht das versprochen.

Sieg gegen die schwere „Konkurrenz“

Doch egal, wie das Wetter auch ist, das Trainingsprogramm der Deutschen läuft auf Hochtouren. Zuletzt stand das Relationsrennen an. „Dabei tritt die gesamte Mannschaft an, und die gefahrenen Zeiten werden prozentual auf die jeweiligen Weltrekorde der Bootsklassen umgerechnet, um den Gesamtsieger zu ermitteln“, erklärt Jason Osborne. Für den nötigen Wettkampfcharakter sorgten direkte Duelle vergleichbarer Bootsklassen. So traten Osborne und sein Partner Jonathan Rommelmann im leichten Doppelzweier gegen die schwere Variante dieser Bootsklasse an – und gewannen.

Das Leichtgewichts-Duo vom Mainzer RV (Osborne) und Crefelder RC (Rommelmann) passt aber nicht nur sportlich gut zusammen. „Wir kommen sehr gut miteinander aus“, erzählt Jason Osborne, „und das ist ja nicht unwichtig, wenn man so lange Zeit aufeinander hockt. Aber es gibt kein Gezicke, alles ist bestens.“

Das spiegelt sich auch in den Trainingszeiten wider: „Wir sind beide in der Form unseres Lebens“, sagt Osborne. Müssen sie auch sein, wenn sie die Vormachtstellung der beiden Iren Paul O’Donovan und Fintan McCarthy angreifen wollen. Die dominierten in den vergangenen Jahren bei allen internationalen Wettbewerben. Und genau deshalb will sich das deutsche Boot auch an ihnen orientieren.

Bei der EM in Varese sind wir mit dem Ziel gefahren, die beiden zu schlagen“, sagt Jason Osborne. Das sei genau die richtige Taktik gewesen: „Bis 1500 m haben wir sie hinter uns gehalten. Andere wie die Italiener hatten da schon abgeschenkt. Wir schauen auf die Iren. Mal sehen, was dann dabei raus kommt.“

Eine Medaille soll es aber auf jeden Fall werden. „Alles andere wäre eine Enttäuschung“, erklärt der Wulfener: „Wenn wir unser bestes Rennen fahren und es dann trotzdem nicht reicht – okay. Aber nach dieser Saison sind wir ganz klar ein Medaillen-Kandidat.“

Am 24. Juli wird es im Vorlauf ernst

Am Samstag steht erst einmal die strapaziöse Rückreise von Kinosaki nach Tokio an. Doch danach haben Jason Osborne und Jonathan Rommelmann noch einmal eine ganze Woche, um auch diese Fahrt wieder aus den Knochen zu schütteln und am 24. Juli ihre Mission Medaille zu starten. Am liebsten natürlich mit goldenem Ausgang.

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Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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