Mit solchen Tupfern werden Abstriche für einen Coronatest gemacht. Nun geht es um die Frage, wer warum wie viele Tests macht. © picture alliance/dpa
Ein Jahr Corona

Leo Lopez und das lange Warten auf den Test

Den Oktober 2020 wird Leo Lopez nie mehr vergessen. Zwei Wochen stand er unter Quarantäne. Nicht, weil er positiv auf Corona getestet worden war, sondern, weil er überhaupt nicht getestet wurde.

Alles begann damit, dass seine Ehefrau ein positives Testergebnis erhielt. Natürlich wollte der 29-Jährige sofort wissen, ob bei ihm auch eine Infektion vorlag. In einem Telefonat mit dem Kreisgesundheitsamt teilte man ihm mit, dass er an einem Montag, kurz nach dem positiven Test seiner Frau, zum Deutschen Roten Kreuz (DRK) nach Recklinghausen fahren könne und man ihn für den Test anmelden würde. Lopez erinnert sich: „Dann sagte man mir aber in Recklinghausen, dass mein Name auf keiner Liste stünde und ich auf einen Test warten müsse. Man wollte mir den Termin rechtzeitig mitteilen.“

Leo Lopez, BVH Dorsten
Leo Lopez war im Oktober nicht der einzige Leidtragende. Der gesamte Spielbetrieb des BVH Dorsten wurde lahmgelegt. © Ralf Pieper © Ralf Pieper

Damit begann für Lopez und seine Frau eine zweiwöchige Quarantäne, denn er durfte ebenfalls nicht das Haus verlassen: „Wir haben uns regelrecht abgeschottet. Meine Frau durfte gar nicht aus der Wohnung und ich nur vor die Haustür.“ Den alltäglichen Einkauf besorgten Freunde und Verwandte: „Ich durfte immerhin die Taschen hereinholen.“ Zudem war Leo Lopez nun für die Wäsche verantwortlich: „Wir wohnen in einem Zweifamilienhaus, und daher durfte meine Frau nicht in die Waschküche.“

Auch in der eigenen Wohnung lebte das Ehepaar nun getrennt. Leo Lopez schlief von nun an im Gästezimmer: „Glücklicherweise haben wir auch ein Gäste-Bad, sodass wir auch getrennte Wasch- und Dusch-Gelegenheiten nutzen konnten. Meine Frau hat in dieser Zeit nur im Schlafzimmer gewohnt.“

Fußball-Verband legte Spielbetrieb lahm

Zuerst dachte Leo Lopez, dass dieser Zustand nur kurz anhalten würde, doch der Test-Termin ließ immer länger auf sich warten. Das hatte nicht nur Einfluss auf sein eigenes Leben. Der Holsterhausener spielt Fußball beim A-Ligisten BVH Dorsten. Da Lopez in der Woche des positiven Testergebnissen seiner Frau beim Training gewesen war, war damit auch der Fußball bei den Grün-Weißen lahmgelegt. Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen hatte nämlich seine Staffelleiter angewiesen, schon bei einem einzigen Verdachtsfall alle Spiele des betroffenen Vereins abzusagen.

Für Leo Lopez stand aber deutlich mehr auf dem Spiel als der Fußball, denn die zwei Wochen waren eine Zeit voller Ungewissheit: „Je länger die Quarantäne dauerte, desto mehr Gedanken macht man sich, ob man krank oder gesund ist. Man wird verrückt, weil man nicht weiß, was los ist.“ Da spielte es auch keine Rolle, dass sich weder bei ihm noch bei seiner Frau irgendwelche Symptome zeigten, so Lopez: „Allein die Möglichkeit, eventuell Corona zu haben, reicht, um sich viele, viele Gedanken zu machen.“

Keine Vorwürfe an die verantwortlichen Stellen

Das Warten auf den Test dauerte letztendlich zwei Wochen. Das Ergebnis war negativ und für das Ehepaar Lopez begann wieder das normale Leben. Rückblickend will der BVH-Fußballer den verantwortlichen Stellen aber keine Vorwürfe machen: „Im Oktober wusste man zwar schon mehr über das Virus als im März, doch insgesamt nicht genug. Zudem hatte das DRK in Recklinghausen etliche Tests durchzuführen, und ich hatte das Pech, lange warten zu müssen.“

Lopez und seine Frau sind auch heute noch sehr vorsichtig: „Wir tragen natürlich die vorgeschriebenen Masken. Allerdings wissen wir noch nicht, ob wir uns impfen lassen. Es gibt zu viele verschiedene Nachrichten über mögliche Nebenwirkungen. Wir wollen uns erst umfassend informieren.“

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