Thomas Fries ist am 30. November mit nur 56 Jahren verstorben. Der BVH Dorsten und der Stadtsportverband Dorsten müssen nun einen neuen 2. Vorsitzenden und einen neuen Fachwart Fußball suchen. © Joachim Lücke
Fußball

Nach dem Tod von Thomas Fries – die schwere Suche nach einem Nachfolger

Ein Leben fürs Ehrenamt? Immer weniger Menschen sind dazu bereit. Wenn einer von ihnen stirbt, hinterlässt er nicht nur in seiner Familie eine riesige Lücke. So wie Thomas Fries.

Auf einmal ist alles anders. Eben noch waren im Vorstand des BVH Dorsten alle Aufgaben klar verteilt. Und wenn irgendwo mal außerplanmäßig Not am Mann war, konnte Vorsitzender Uli Canovi sich darauf verlassen: „Der Thomas wird‘s schon machen.“

Fries kam von SuS Hervest zum BVH

Der Thomas, das war Thomas Fries. 1997 zum BVH gekommen, und da schon ein alter Hase in Sachen Fußball und Ehrenamt. 25 Jahre war er bei SuS Hervest-Dorsten aktiv gewesen, und nach dem Vereinswechsel brachte er sich in seinem neuen Club ein. Jugendtrainer, 2. Jugendleiter, Geschäftsführer, 2. Vorsitzender und – wie bei so vielen wirklich Engagierten – Mädchen für alles.

„Thomas war genau wie ich sehr oft am Platz und hat sich um alles mitgekümmert“, erzählt Uli Canovi. Was immer beim BVH Dorsten am Computer zu erledigen war, war ein Job für Thomas Fries. Aber auch wenn es darum ging, Trikots oder Trainingsanzüge für die Mannschaften zu besorgen, war Fries eine echte Fleißbiene.

„Wo du ihn gebraucht hast, war er da“, sagt Canovi. Doch jetzt ist Thomas Fries nicht mehr da. Am späten Abend des 30. November ist er mit gerade mal 56 Jahren völlig überraschend gestorben. Eine menschliche Tragödie. Und auch für seinen Verein ein schwerer Schlag.

BVH Dorsten will sich Zeit lassen

„Das ist natürlich kein Vergleich mit der Familie. Da hat eine Frau ihren Mann und die Söhne ihren Vater verloren. Aber wir müssen uns natürlich Gedanken über die Nachfolge machen“, sagt Uli Canovi. Doch der BVH wolle sich Zeit lassen: „Es wird schwer werden. Wir werden das erst im nächsten Jahr entscheiden. In Zeiten von Corona ist eine Mitgliederversammlung in gewohnter Form ja eh noch illusorisch. Es wird wohl März/April werden.“

BVH Dorsten, B-Jugend-Stadtmeister 2012
Mit den Jugendteams des BVH Dorsten feierte Thomas Fries (u.l.) viele schöne Erfolge. © Rüdiger Eggert © Rüdiger Eggert

Ähnlich sieht es auch der Dorstener Stadtsportverband, für den Thomas Fries als Fachwart Fußball ebenfalls eine wichtige Rolle spielte. „Der SSV kann den Posten ja nicht unbesetzt lassen“, sagt SSV-Vorsitzender Michael Lachs. Als Fachwart war Thomas Fries für die Organisation der Stadtmeisterschaften auf dem Feld und in der Halle zuständig, war Bindeglied zwischen den Vereinen und Sponsoren.

Eine Aufgabe, die er genauso verlässlich erfüllte wie die beim BVH. Eine Aufgabe, die im kommenden Sommer – so Corona es zulässt – wieder aufgenommen werden muss. Am besten schon im Frühjahr, wenn Planung und Auslosung der Sommer-Titelkämpfe erledigt werden müssten. Anfang 2021 will der Stadtsportverband deshalb die Suche nach einem Nachfolger zu einem Ergebnis bringen.

Großes Echo in den sozialen Medien

Es wird keine leichte Suche. Denn Thomas Fries hat nicht nur seine Aufgaben erfüllt, er hat dabei durch seine offene und ehrliche Art auch überall Freunde gewonnen. In den sozialen Medien war das Echo auf seinen plötzlichen Tod groß. Nachbarn, ehemalige Mitspieler, Schulfreunde und Arbeitskollegen brachten ihre Trauer und Bestürzung zum Ausdruck. Der BVH, der Stadtsportverband und die Sponsoren der Fußball-Stadtmeisterschaften würdigten ihn mit Nachrufen.

Thomas Fries, Michael Lachs und Michael Maiß
Für den Vorsitzenden des SSV Dorsten, Michael Lachs (M.), war Thomas Fries (l.) mehr als nur ein Vorstandskollege. Beide spielten schon zu Jugendzeiten gegeneinander und waren später auch Arbeitskollegen. Auch Dorstens Sportkoordinator Michael Maiß (r.) schätzte seinen Nachfolger als Fachwart Fußball beim SSV. © Andreas Leistner © Andreas Leistner

„Thomas war eher der ruhige Typ“, erzählt Marcel Guss. Zusammen mit Fries trainierte er die zweite Mannschaft des BVH Dorsten. Bis Anfang dieses Jahres war Fries Trainer und Guss Co-Trainer, dann tauschten sie die Rollen. „Thomas hat mir sehr viel Organisatorisches abgenommen. Wenn ich beruflich verhindert war, hat er mich vertreten und mich mit Infos über die eigenen Spieler und die Gegner versorgt. Er war damals der Grund, warum ich von Hervest nach Holsterhausen gewechselt bin.“

Einen Mann dieses Kalibers suchen sie nun wieder. Beim BVH Dorsten. Beim Stadtsportverband. Eigentlich überall. Doch es werden immer weniger.

Über den Autor
Sportredaktion
Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner

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