Oliver Sprungmann in seinem Ford Mustang. © Horst Lehr
Motorsport

Oliver Sprungmanns Schlüssel zum Erfolg auf dem Nürburgring

Der Dorstener Oliver Sprungmann schlug sich in diesem schwierigen Corona-Jahr mit vielen Problemen auf der Nordschleife des Nürburgrings herum. Am Ende gab es einen Schlüssel zum Erfolg.

„To finnish first, you must first finnish“, sagte einst die argentinische Formel-1-Rennlegende Juan Manuel Fangio und meint damit frei übersetzt: „Wer gewinnen will, muss zuerst einmal ins Ziel kommen.“ Das gilt insbesondere auf der Nordschleife des legendären Nürburgrings, auf der der Dorstener Oliver Sprungmann seit Jahren mit seinen Teamkollegen um Klassensiege kämpft.

Als reine Privatmannschaft steht für das „OVR-Racing-Team“ immer das Ankommen im Fokus. Das war auch in diesem Jahr oft schwierig genug, denn das Team hat keine „unendlichen Ressourcen“, wie Oliver Sprungmann sagt. Dazu kommt: Die Mitkonkurrenten seien, wenn sie denn antreten, für Sprungmann und Co. fast unschlagbar.

Doch am Ende gelang dem Team in der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) mit drei Siegen aus vier Rennen ein vorher so nie erwarteter Gesamtsieg in der Klasse AT (alternative Kraftstoffe).

Der Gesamtsieg war zu Beginn nicht das ausgegebene Ziel des Teams. Eigentlich wollte man sich unter Rennbedingungen nur möglichst gut auf das Saisonhighlight, das 24-Stunden-Rennen, vorbereiten. Dafür wurde der Sportwagen, der „Ford Mustang GT“, über den Winter bestens hergerichtet, doch aufgrund des Coronavirus wurde auch der Motorsport am Nürburgring ausgebremst.

Im ersten Rennen rausgeflogen

Als es dann im Sommer endlich wieder losging, wollte das Team einfach nur jedes Rennen fahren, das möglich war. Für das Team wartete im ersten Rennen die spannende Standortbestimmung, in der Sprungmann mit der schwarzen Flagge aus dem Rennen geholt wurde. Das Fahrzeug hatte die vorgegeben Dezibel-Grenze im Lautstärkenbereich überschritten.

Eine komplett neue Abgasanlage vom Autotuner Schroop in Tübingen schaffte für den folgenden „Doppelheader“ mit zwei Rennen an einem Wochenende Abhilfe – und Sprungmann freute sich neben einem „irren Sound“ auch noch über etwas mehr Leistung auf der Strecke.

Im Ziel feierte das Team die ersten Klassensiege der neuen Saison. Der Dorstener sagte ein wenig stolz: „Wir haben die Zielflagge gesehen. Das ist für uns als Privatteam auf der Nordschleife keine Selbstverständlichkeit.“

„Sonst hätten wir keine Chance gehabt“

Auch im vierten Lauf der NLS war das Team erfolgreich, obwohl ein Mitbewerber mit einem der pfeilschnellen „Porsche 718 Cayman GT4 CS“ am Start war. „Wenn der nicht ausgefallen wäre, hätten wir keine Chance gehabt“, sagt Sprungmann. „Der ist uns durch den großen Gewichtsvorteil in vielen Leistungsbereichen klar überlegen.“

So reiste das Team mit breiter Brust zum Saisonhighlight, dem 24-Stunden-Rennen. Doch bereits beim Vortraining erlebte Sprungmann in der „Fordkurve“ mit einem kapitalen Motorschaden den Beginn eines wahren Worst-Case-Szenarios. Nach einem weiteren Schaden am Ersatzmotor kam der Wagen erst Freitagnacht mit dem nun dritten passenden Antriebsaggregat wieder an die Rennstrecke zurück.

Oliver Sprungmann präsentiert stolz seinen Siegerpokal. © Horst Lehr © Horst Lehr

Sprungmann erzählt: „Als wir am Samstag zum Warm Up aus der Box rollten, hat unser Hauptkonkurrent, das Team „For Climate“ von Smudo von der Band „Fantastischen Vier“, Spalier gestanden und applaudiert. Das war ein ganz besonderer Moment.“

Das nachfolgende Regenrennen gab dem Team mit grundsätzlich etwas niedrigeren Drehzahlen zu Anfang etwas Sicherheit für den neuen Motor, allerdings sorgten danach eine defekte Lichtmaschine und ein nicht mehr optimal zu kühlendes Hinterraddifferential für zusätzlichen Rennstress im Team.

Als am Sonntagvormittag der Wagen dann auch noch von einem über-motivierten Aston Martin abgeschossen wurde, sagte Sprungmann: „Der hat uns nicht auf der Achse getroffen. Das könnte noch weiter gehen.“

Absoluter Teamspirit als Schlüssel zum Erfolg

Er behielt Recht. Der Mustang zeigte sich erneut als unkaputtbar, steckte den Schaden weg und überstand trotz schadhaftem Differential auch die letzte Rennrunde. Unter dem Jubel des Teams rollte das Fahrzeug als „Sieger der Herzen“ in die Wertung über die Ziellinie.

„Vielleicht ist diese Zielankunft höher zu bewerten als jeder davor eingefahrene Sieg“, sagt Sprungmann. „Am Ende war unser absoluter Teamspirit maßgeblich für den Erfolg.“

Ihn freut es besonders, dass alle Sponsoren an Bord geblieben sind und sich sogar zwei Neue für das Mustang-Projekt begeistert haben. Er wünscht sich für 2021 eine möglichst Corona-freie Zeit und sagt: „Wir wollen auf jeden Fall wieder angreifen.“

Über den Autor
freier Mitarbeiter
Ist schon seit Jahren freier Mitarbeiter der Redaktion Haltern am See. Er fotografiert und berichtet über das lokale Geschehen und betreut die Serie „Das Sportporträt“. Darüber hinaus berichtet er in Wort und Bild über aktuelle sportliche Großereignisse im Outdoorbereich , wie Reitturniere, Laufveranstaltungen, Radrennen und Kartsport. Sein Spezialgebiet ist die Berichterstattung über Motorsport auf der Nordschleife des legendären Nürburgrings. Für die Dorstener Redaktion begleitet er dazu seit Jahren die heimischen Rennfahrer in der Langstreckenserie und beim Jahreshighlight, dem 24 Stunden Rennen.
Zur Autorenseite
Horst Lehr

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.