Hermann Thole (l.) ist eine von vielen Wulfener Fußball-Legenden. Beim Gastspiel des 1. FC Köln und dessen damaligem Kapitän Wolfgang Overath (r.) jagte er FC-Torwart Toni Schumacher mit Ansage einen 25-Meter-Freistoß in den Winkel. © Archiv
Fussball

Schalke 04 gab Wulfens Fußballern die Farben

Die Wurzeln des Fußballs in Wulfen lagen im katholischen Jünglingsverein. Der erste Vereinsname war nicht Blau Weiß und die Vereinsfarben waren es auch nicht. Bis der FC Schalke 04 auf den Plan trat.

Der 1. Weltkrieg war gerade vorbei, die anschließenden politischen Wirren noch nicht, da begeisterten sich im beschaulichen Wulfen 1920 erstmals Jugendliche und junge Männer fürs Fußballspielen. Gefördert vom Kaplan Naendrup gründeten sie die DJK Concordia Wulfen und wählten als Vereinsfarben – Schwarz und Rot.

Dass die sich schon bald in Blau und Weiß verwandelten, lag an der Strahlkraft des benachbarten FC Schalke 04. Als der Fußballsport in Wulfen nach schwierigen Anfangsjahren 1927 unter Heinrich Kreickmann einen neuen Aufschwung erlebte, trat die DJK in den Farben der erfolgreichen Schalker Knappen als SC Blau Weiß Wulfen an, und dabei blieb es bis heute.

Weder die Gleichschaltung des Sports und die Auflösung der DJK-Ligen durch die Nazis noch der 2. Weltkrieg konnten die Fußballbegeisterung in Wulfen brechen. Schon im Sommer 45 wurde wieder trainiert und am 24. November desselben Jahres der Verein neu gegründet. Zwar lösten die Briten als Besatzungsmacht noch einmal alle Sportvereine auf, doch am 2. Oktober 1946 erlebte der 1. SC Blau Weiß Wulfen seine zweite und endgültige Wiedergeburt.

Die Anfänge waren natürlich schwer, und Krisen blieben nicht aus. Die Trikots wurden aus Bettlaken geschneidert, die Fußballschuhe waren umfunktionierte Arbeitsschuhe und die Bälle selbstgenäht. Zweimal stand der Club 1948 vor der Auflösung, doch mit einem Kassenstand von 18,86 DM ging es weiter ins Jahr 1949.

1. SC BW Wulfen 1960
Di Meistermannschaft von 1960. Damals gelang der zweite Aufstieg in die Bezirksklasse. © Archiv © Archiv

Der sportliche Erfolg ließ vor diesem Hintergrund zunächst noch ein wenig auf sich warten. Nach drei dritten Plätzen feiert Blau Weiß dann aber 1957 erstmals die Meisterschaft in der 1. Kreisklasse Borken-Dorsten und den Aufstieg in die Bezirksklasse. Nach dem zwischenzeitlichen Abstieg gelingt passend zum 40-jährigen Vereinsbestehen 1960 der erneute Aufstieg und 1972 macht der 1. SC Blau Weiß Wulfen mit einem 2:1-Sieg über den TuS Haltern den Aufstieg in die Landesliga perfekt, damals immerhin vierthöchste Amateurspielklasse.

Schalke kam mit Fischer, Libuda und allen Stars

Zwei Jahre später war dann auch die schmucke Wittenbrink-Sportanlage fertig. Eingeweiht – natürlich – mit einem Gastspiel des FC Schalke 04. Namen wie Nigbur und Fischer, Abramczyk und Libuda, Rüßmann und Bongartz sorgen für Glanz auf der neuen Sportanlage.

Längst gibt es dort aber natürlich auch die eigenen Helden wie Torjäger Leo Rößmann, der Wulfen erstmals in die Bezirksklasse schoss, die vier Albers-Brüder Heinrich, Jupp, Leo und Franz oder Hermann Thole, der beim Gastspiel des 1. FC Köln Mitte der 70er dem jungen Toni Schumacher mit Ansage einen 25-Meter-Freistoß in den Winkel jagt. In den 80ern sorgt eine Ente namens Lippens als Spielertrainer für Stimmung am Wittenbrink.

1. SC BW Wulfen 1989
1989 wurde diese Wulfener Mannschaft Bezirksliga-Meister. © Archiv © Archiv

Leo Albers prägt den Verein zudem über viele Jahre nicht als Spieler, sondern als Funktionär. Als Jugendleiter treibt er die Nachwuchsarbeit der Blau-Weißen voran, hebt mit dem Westfalen-Cup eines der größten Jugendturniere Deutschlands aus der Taufe und ist später als Vorsitzender über Jahrzehnte Aushängeschild und Gesicht des Vereins.

Leo Albers, 1. SC BW Wulfen
Leo Albers prägte den 1. SC BW Wulfen als Jugendwart und Vorsitzender. © Krüger © Krüger

Der spielt zwar nach vielen Jahren in der Landes- und Bezirksliga mittlerweile wieder in der Kreisliga A. Doch dafür hat sich in den vergangenen Jahren die Infrastruktur entscheidend verbessert. Kabinengebäude und Vereinsheim wurden renoviert, ein Kinderspielplatz entstand, und zwei der wenigen, dafür aber umso größeren Lichtblicke des Jahres 2020 waren die Einweihung des neuen Kunstrasen-Spielfeldes und die Umbenennung des Wittenbrink-Stadions in Hyundai Borgmann Stadion.

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Kunstraseneinweihung BW Wulfen

Weiterer Höhepunkt sollten natürlich die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Vereins werden. Doch dann kam Corona und stellte die Blau-Weißen ausgerechnet im Jubiläumsjahr vor eine neue Herausforderung. Der Blick auf die Vereinsgeschichte zeigt aber: Es ist nicht die erste, und die Wulfener Vorstände sind bislang noch immer damit fertig geworden. Geburtstage kann man schließlich auch nachfeiern.

1. SC BW Wulfen, Aufstieg 2017
Riesenjubel 2017: In der Aufstiegs-Relegation zur Bezirksliga macht Blau-Weiß mit einem 2:0-Heimsieg über den SC Reken alles klar. Das Hinspiel in Reken endete 2:2. © Andreas Leistner © Andreas Leistner
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Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner

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