1971 beim BVH Dorsten, im Jahr danach beim 1. FC Köln in der Bundesliga am Ball: Karlheinz "Kalla" Hähnchen (M.). © Ralf Pieper
Fussball

Sie lockten einst Tausende zum BVH

Auf dem Hybridrasen des BVH Dorsten standen am Freitag Fußballer, die Anfang der 70er Jahre Woche für Woche Tausende Dorstener Fans begeisterten.

Vor 50 Jahren spielteder BVH Dorsten in der Landesliga um den Titel mit. Es langte aber nur zum zweiten Platz, und der SV Erle 08 stieg in die Verbandsliga auf. Nun organisierten die BVH-Oldies zur Erinnerung an diesen Zweikampf eine Partie gegen die Erler Ü60, bei der viele Erinnerungen wach wurden.

Angesichts des fortgeschrittenen Alters nahmen aber nur eine Handvoll Spieler der 70er-Mannschaft an dem Match auf dem Kleinfeld teil. Heinz Hesterkamp übernahm stattdessen lieber die Zuschauerrolle: „Ich habe jetzt eine Acht vorne stehen, da muss ich mir das wirklich nicht mehr antun.“ Auch Helmut Schetter schwelgte lieber in Erinnerungen, als sich noch einmal die Fußballschuhe anzuziehen.

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BVH Dorsten 1970/71

Hubert Tempelmann, der Sponsor des Hybridrasens und selbst ehemaliger Landesliga-Spieler der Grün-Weißen, hat noch nicht einmal mehr Fußball-Schuhe: „Ich fahre lieber Fahrrad, oft auch mehrere 100 Kilometer am Tag. Da bleibe ich von Verletzungen verschont.“ Viel lieber erinnerte er sich daran, wie er die 70er-Mannschaft als Teenager als Schlachtenbummler begleitete: „Damals haben wir unsere Fahnen selber gebastelt. Zu den Auswärtsspielen waren oft drei Fan-Busse unterwegs.“

Während in den Erler Reihen kein Akteur der Meistermannschaft mehr stand, las sich die Holsterhausener Startaufstellung wie ein Who-is-Who der 70er Jahre. Mit dabei waren auch drei Spieler, die damals in den bezahlten Fußball wechselten. Karlheinz Hähnchen bestritt einige Bundesliga-Spiele für den FC Köln und trat für den FC Saarbrücken in der zweiten Liga an. Der 68-Jährige war noch gut zu Fuß, wenngleich er sagte: „Ich fühl mich eher wie eine Rennschnecke.“ Klaus Keiner, den es zwischenzeitlich nach Erkenschwick verschlagen hatte, und der dann noch Ewigkeiten für die Holsterhausener spielte, sagte nach dem Match: „Nach einem Jahr Pause hat das wieder Spaß gemacht, auch wenn ich mit über 70 Jahren nun mehr Zeit im Fitness-Studio verbringe.“ Für Jürgen Nabrotzki war das Spiel etwas eher vorbei. Der ehemalige Zweitliga-Spieler hatte sich eine Zerrung zugezogen: „Man ist eben keine 20 mehr. Da reicht schon eine falsche Bewegung.“

Auf dem Spielfeld ging es eher gemächlich zu, was angesichts des fortgeschrittenen Alters auch keine Überraschung war. In der Altersklasse ab 60 darf man auch nicht mehr grätschen. Das wäre auch nicht nur für den ballführenden Spieler, sondern auch für den Grätschenden mehr als gefährlich. Rainer Nabrotzki, der sich sonst beim BVH-Tennis fit hält, findet das absolut in Ordnung: „Wenn wir das dürften, hätten wir alle sechs Verletzungen pro Jahr. Wir wollen hier alle nur Spaß haben.“

Das Einzige, was immer noch wie früher klappt, ist das Schimpfen. Kaum ein Spielzug blieb unkommentiert und für jeden Fehlpass gab es einen passenden Kommentar.

Die Revanche gelang nicht ganz

So ganz hat es dann am Ende mit der Revanche nicht geklappt. Die Holsterhausener lagen immer in Führung, kassierten dann aber in der letzten Sekunde das 4:4. Die BVH-Oldies wussten am Ende aber auch nicht, ob sie sich darüber ärgern sollten. Die Erleichterung, dass die Partie endlich beendet war, und die Vorfreude auf das Pils waren deutlich größer als die Enttäuschung über den verpassten Sieg.

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