Die Handbll-Weltmeisterschaft in Ägypten steht auch bei den Trainern in Dorsten und Schermbeck in der Kritik. © picture alliance/dpa
Handball

So sehen die heimischen Trainer die WM in Ägypten

Gleich zu Beginn der Handball-Weltmeisterschaft gab es Riesenprobleme mit dem Corona-Virus. Die heimischen Trainer haben daher eine durchaus kritische Sichtweise zu den Geschehnissen in Ägypten.

Kurz vor dem Turnier hatten Tschechien und die USA abgesagt und sind durch Nordmazedonien und die Schweiz ersetzt worden. Kurz nach dem Auftaktspiel haben dann auch Brasilien und der deutsche Vorrunden-Gegner Kapverdische Inseln positive Testergebnisse gemeldet.

Lars Cox, Trainer der Schermbecker Bezirksliga-Handballer ist zwiegespalten: „Man fragt sich natürlich, warum das ganze überhaupt stattfinden muss, selbst wenn man bei solchen großen Veranstaltungen durchaus gute Möglichkeiten hat, die Hygienemaßnahmen einzuhalten.“ Doch Cox sagt auch: „Es ist für den Handball wichtig, dass er sich präsentieren kann und nicht in Vergessenheit gerät.“

Die deutsche Mannschaft muss den Ausfall von sieben Spielern verkraften. Bekanntlich haben vier Spieler verletzungsbedingt abgesagt, Finn Lemke, Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold vom Champions-League-Sieger THW Kiel reisen aus familiären Gründen nicht mit zum Turnier am Nil.

Daher glaubt der Schermbecker Trainer: „Weltmeister werden wir wohl nicht werden. Wir werden aber die Vorrunde überstehen, und dann hängt vieles von der Zusammensetzung der Hauptgruppe und den Finalspielen ab.“

“Es steht und fällt mit den Hygiene-Regeln“

Andreas Maile, der die Schermbecker Frauen trainiert findet einige der ergriffenen Maßnahmen richtig: „Es war eine sehr gute Entscheidung, keine Zuschauer zuzulassen.“ Das hatte der Veranstalter erst in den letzten Tagen beschlossen, zuvor sollten 4000 Zuschauer in die bis zu 20 000 Menschen fassenden Arenen zugelassen werden. Maile ist der Meinung: „Die positiven Fälle müssen separiert werden. So eine Großveranstaltung steht und fällt mit der Einhaltung der Hygiene-Regeln.“

Maile traut der Sieben von Nationaltrainer Alfred Gislason einiges zu: „Ich gehe immer mit einer großen Portion Hoffnung in solche Wettkämpfe. Die beiden Spiele gegen Österreich haben mich beeindruckt und hatten meiner Meinung nach auch eine große Aussagekraft über die Qualität der Mannschaft. Der Trainer hat es geschafft, ein funktionierendes Team aufzubauen.“

Allerdings sieht er die Deutschen auch geschwächt: „Die Absagen der Kieler werden wir in der Defensive merken. Man muss aber Respekt vor deren Entscheidung haben, nicht mit nach Ägypten zu fahren. Sie spielen sicher gerne für Deutschland und haben nicht leichtfertig abgesagt.“

“Ohne Fans so uninteressant wie die Fußball-Bundesliga“

Frank Göbbeler, Trainer der Herren des VfL RW Dorsten, wird sich die Spiele der Weltmeisterschaft eher nicht ansehen: „Ohne Zuschauer ist das genau so uninteressant wie die Fußball-Bundesliga, und so richtig habe ich mich noch nicht den den Mannschaften beschäftigt. Den Deutschen traue ich nicht viel mehr als das Viertelfinale zu. Das hängt aber von den jeweiligen Gegnern ab.“

Auch Göbbeler hat sich die Sinnfrage gestellt: „Natürlich habe ich überlegt, warum man die WM überhaupt stattfinden lässt. Ich hoffe, aber, dass man auch mit der jetzigen Situation fertig wird und die erkrankten Spieler und deren Mannschaften abschirmt.“

Michael Kortenhorn vom HSC Rhade hat aus beruflichen Gründen wenig Zeit, die WM zu verfolgen, und hat auch wenig Verständnis für die Austragung: „Wir müssen hier alle zurückfahren, doch der Spitzensport darf stattfinden.“ Er drückt den Deutschen natürlich dennoch die Daumen: „Ich traue dem Team durchaus das Halbfinale zu, auch wenn viele Leute fehlen. Weniger als das Viertelfinale wäre eine Riesenenttäuschung. Das ist auch unabhängig von den Absagen.“

Für das Kieler Trio hat er durchaus Verständnis: „Ich würde es mir auch dreimal überlegen, ob ich zu so einer Veranstaltung reisen würde.“

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