Ein Mann mit Wumms: Wenn Ken Kirchhoff zum Freistoß ansetzt, herrscht fürs gegnerische Tor Alarmstufe Rot. Hier trifft er in der Saison 19/20 gegen SuS Hervest-Dorsten aus knapp 30 Metern Torentfernung. © Andreas Leistner
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Warum es zwischen GW Barkenberg und Ken Kirchhoff passt

Wenn der Verein, den man im Sommer verlassen hat, mit weißer Weste an der Tabellenspitze steht, kommt man gerne zurück. Doch im Fall von Ken Kirchhoff und Grün-Weiß Barkenberg steckt mehr dahinter.

Ken Kirchhoff kommt zurück. Die Nachricht von Grün-Weiß Barkenbergs Sportlichem Leiter Kevin Singscheidt war allemal interessant. Immerhin stehen die Barkenberger mit sechs Siegen aus sechs Spielen an der Tabellenspitze der Kreisliga B 2 Recklinghausen und schicken sich an, in die A-Liga zurückzukehren.

Ein Mann wie Kirchhoff kommt da mit seinen hinlänglich bekannten Torjägerqualitäten gerade recht, zumal der Barkenberger Kader für eine erfolgreiche Titeljagd doch sehr dünn besetzt ist. Wirklich bemerkenswert an Kirchhoffs Rückkehr sind aber seine Beweggründe. Das Gespräch mit ihm darüber geriet am Dienstagabend zu einer Hommage an Grün-Weiß Barkenberg.

Eigentlich“, so begann Kirchhoff, „wollte ich im Sommer ja gar nicht weg.“ Aha. Und wie kam es dann zum Wechsel zum TuS Velen? „Ich hatte mich am Ende über die Trainingsbeteiligung geärgert“, erzählt der 29-Jährige, der in seiner Karriere durchaus ambitionierte Stationen durchlaufen hat.

U19 und erstes Seniorenjahr beim SV Schermbeck, von dort zur SpVgg Vreden und zum RC Borken-Hoxfeld. Bei Westfalia Gemen handelt er sich einen Knorpelschaden im Knie ein und muss kürzer treten. Eintracht Erle ist eine der nächsten Stationen und schließlich im Sommer 2019 Grün-Weiß Barkenberg.

Ken Kirchhoff, GW Barkenberg
In Barkenberg fühlte sich Ken Kirchhoff (M.) sehr wohl – solange die Trainingsbeteiligung stimmte. © Andreas Leistner © Andreas Leistner

Kirchhoff hat hier gute Freunde: „Kevin Singscheidt hatte schon drei Jahre lang versucht, mich nach Barkenberg zu holen. Swen Coralic ist auch ein Supertyp.“ Und so stürmte Kirchhoff eben für Grün-Weiß. Zunächst noch mit ein paar Kilo zuviel, aber erfolgreich. Trotzdem ging der Spaß im Laufe der Saison flöten.

„Ich bin Berufskraftfahrer. Wenn ich nach zwölf, 13 Stunden Arbeit zum Training komme, dann muss sich das auch lohnen.“ Doch die Trainingsbeteiligung im Team bröckelte zunehmend. „Und mit sechs Mann auf dem Platz macht‘s halt irgendwann keinen Spaß mehr.“ Selbst zu den Spielen kamen nur mit Mühe elf Spieler zusammen.

Und so entschloss sich Kirchhoff, eines von mehreren Angeboten, die er hatte, anzunehmen und nach Velen in die A-Liga zu gehen. Doch dann änderte sich in Barkenberg die Lage, was Ken Kirchhoff vor allem an einem Mann festmacht: Frank Hofmann.

Als der Vereinsvorsitzende nach mehrjähriger Pause wieder auf dem Barkenberger Trainerstuhl Platz nahm, löste sich das Motivationsproblem, das Kirchhoff vorher so beklagt hatte, schnell auf. „Frank ist ein Supertrainer“, schwärmt Kirchhoff: „Und vor allem: Er weiß, wie er die Jungs anpacken muss.“ Denn dass sich seine Mitspieler sehr verändert hätten, glaubt der Stürmer nicht: „Da sind schon ein paar besondere Charaktere dabei, die die richtige Ansprache brauchen. Aber Frank findet die und bekommt sie zum Training.“

Zusage gegeben

Alles hätte also wieder gut sein können. Doch Ken Kirchhoff hatte in Velen schon zugesagt. „Und so was halte ich nun mal.“ Also nahm er das ambitionierte Trainingsprogramm des TuS auf. „Zweieinhalb Stunden waren die Regel“, erzählt er. Nach seinen Kräfte zehrenden Schichten als Kraftfahrer kein leichtes Brot. „Doch das wollte in Velen niemand so recht hören“, sagt der Angreifer, der sich deshalb beim TuS nicht ganz ernst genommen fühlte.

Als Kevin Singscheidt bei einem der nach wie vor regelmäßigen Gespräche nachhakte, ob sich Kirchhoff eine Rückkehr nach Barkenberg vorstellen könnte, rannte der Sportliche Leiter der Grün-Weißen damit deshalb offene Türen ein.

Es ist aber nicht nur die neu erwachte Motivation in der Barkenberger Mannschaft, der Kontakt zu alten Freunden oder die Aussicht, im kommenden Sommer vielleicht einen Aufstieg feiern zu können, die Ken Kirchhoff zur Rückkehr bewegten. „Ich mag einfach diesen Verein“, sagt er.

“Die richtigen Leute am richtigen Platz“

„Da gibt es unheimlich viele, die sich echt den Arsch aufreißen. Kevin als Sportlicher Leiter, Swen Coralic sowieso und Frank Hofmann als Trainer – das sind die richtigen Leute am richtigen Platz“, schwärmt Kirchhoff. Er habe „Bock gehabt, diesen Verein wieder in die richtige Richtung zu lenken. Ich wäre gerne ein Teil davon, der mithilft, die Leute wieder auf den Fußballplatz zu kriegen. Als ich elf, zwölf Jahre alt war, war ich nur auf dem Platz. Heute sehe ich kaum noch Kinder da.“

An seinem Wohnort in Heiden werde er oft gefragt: Wie kann man nur für Barkenberg spielen? „Da gibt es immer noch ganz viele Vorurteile. Ich sage dann immer: Das ist überhaupt nicht mehr so, das ist ein ganz toller Verein.“ Sich selbst sieht er dabei durchaus als wichtigen Baustein: „Ich bin ein Charaktertyp. Ich kann Leute mitreißen.“ Und die Widerstände, die es bei seinen Bekannten in Heiden oder mit dem ein oder anderen schwierigen Charakter unter seinen alten und neuen Mannschaftskollegen geben mag, reizen ihn nur zusätzlich: „Ich mache gerne Sachen, die nicht einfach sind.“

Wenn dann am Ende für alle tatsächlich ein Aufstieg herausspringen sollte – umso besser.

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Sportredaktion
Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner

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