Ob sich hinter diese Ticket-Anzeige für das Spiel zwischen Deutschland und Portugal ebenfalls ein Betrüger verbirgt, wissen wir nicht. Eines ist aber klar: Unser Volontär ist fast auf einen hereingefallen. © Pascal Albert
Betrugsmasche

Auf der Suche nach EM-Tickets: Wie ich fast Opfer eines besonders dreisten Betruges wurde

Die Fußball-EM ist in vollem Gange. Spontan ein Ticket zu ergattern, ist schwierig, aber nicht unmöglich - dachte unser Volontär jedenfalls. Beinahe wurde er Opfer eines dreisten Betrügers.

Dass das World Wide Web mittlerweile voll von Betrugs- und Fake-Anzeigen ist, hat auch mich erreicht. Da die fiesen Tricks der Betrüger aber immer dreister werden, ist ein echtes Angebot von einem unechten manchmal kaum noch zu unterscheiden. Dies Erfahrung habe ich nun bei der Jagd nach einem der heiß begehrten EM-Tickets am eigenen Leib machen müssen.

Wenn man sich die offiziellen Regularien und Infos der UEFA – Union of European Football Associations – anschaut, dann wird schnell deutlich, dass bereits fast alle Karten für die Europameisterschaft restlos ausverkauft sind. Außerdem sind die Tickets personalisiert und nur durch einen sehr aufwändigen Prozess an Familie oder Freunde übertragbar.

EM-Ticket: Koste es, was es wolle

Nun gut, dieser Weg führte mich also in eine Sackgasse. Versuchte ich es eben auf dem Zweitmarkt. Denn es gibt viele Ticketanbieter, die damit Werbung machen, auch kurz vor einem Spiel noch über ein gewisses Kontingent an Karten zu verfügen. Die Preise für so eine Spontanaktion sind allerdings horrend – unter 400 Euro geht da gar nichts. Und das ist nur die günstigste Preis-Kategorie.

Kevin Michaelis würde gerne das EM-Spiel zwischen Deutschland und Portugal live im Stadion verfolgen.
Kevin Michaelis würde gerne das EM-Spiel zwischen Deutschland und Portugal live im Stadion verfolgen. Die Ticketsuche ist aber tückisch. © Pascal Albert © Pascal Albert

Die Suche ging also erneut weiter. Und siehe da: „EM 2020 – 4 Tickets Deutschland gegen Portugal – Preis: 600€ VB“ lautete der Titel des Inserates auf eBay Kleinanzeigen. Sehr viel Geld, dachte ich mir zunächst, und dabei wollte ich auch eigentlich nur zwei Tickets ergattern. Aber einfach so aufgeben kam für mich ebenfalls nicht in Frage. So kreiste der Gedanke „ach komm, versuchst du mal dein Glück“ in mir.

Ein kurzes „hallo“ und ein paar Nachrichten weiter, war ich dann tatsächlich fast am Ziel angelangt – das glaubte ich in diesem Moment wirklich. Mittlerweile hatte ich mich mit meinem vermeintlich seriösen Gegenüber darauf geeinigt, dass ich zwei Tickets für satte 250 Euro bekommen kann. Eine Menge Geld für ein Fußballspiel – allerdings, die EM mit ein paar Begegnungen in München, soll das definitiv Wert sein. Soweit zu meiner Grundeinstellung.

Safety first – Ich vertraue meinem kritischen Instinkt

Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich den Anbieter freundlicherweise darum gebeten, mir zur Absicherung einige vertrauenswürdige Daten von sich zukommen zu lassen. Keine fünf Minuten später folgten zwei Fotos von einem Personalausweis – mit Vorder- und Rückseite. In der Tat war ich positiv überrascht: „Scheint alles in bester Ordnung zu sein, dann steht der Transaktion wohl nichts mehr im Wege“, sagte ich zu mir.

Einen finalen Check wollte ich dann aber doch machen. Ich fragte, ob die Bezahlung auch per „PayPal“ laufen kann, da dort ein Käuferschutz besteht und ich mein Geld im Betrugsfall so auf jeden Fall wieder zurückbekommen kann. Die Antwort folgte prompt: „Ich habe kein PayPal“. Das machte mich dann zum ersten Mal richtig stutzig und ich fing an, intensiv zu grübeln.

Das letzte Ass, was ich im Ärmel hatte – bevor ich das Geld wirklich überweise – wollte ich dann aber auch noch ausspielen. So führten mich meine Überlegungen in die sozialen Netzwerke. Ich suchte einfach nach der Person auf dem Personalausweis. Und siehe da, ich wurde auf allen Plattformen fündig. Auch hier schien tatsächlich alles seriös zu sein.

Ende gut, aber eben nicht alles gut!

Ich entschied mich aber zu guter Letzt dafür, die Person auf Instagram direkt anzuschreiben. Was anschließend folgte, machte mich sprachlos: „Hey Kevin, bin so verzweifelt… hab den Perso verloren. Seitdem schreiben mir ständig Leute bezüglich Tickets, die nicht existieren… Ich war gestern bereits bei der Polizei. Schick mir doch bitte den Chat bzw. das eBay-Profil und melde es direkt wegen Betrug. Alle Daten sind hilfreich.“

Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Der Bitte der Person kam ich natürlich direkt nach. Auch das eBay-Profil habe ich umgehend gemeldet. Mittlerweile hatte mich eBay auch schon kontaktiert und mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich jegliche Transaktion oder Ähnliches an das Gegenüber tunlichst unterlassen sollte.

„Da habe ich im wahrsten Sinne des Wortes nochmal Schwein gehabt“ und „gut, dass ich weiter nachgeforscht habe und meinem kritischem Instinkt vertraut habe“, kreiste es erleichtert in meinem Kopf.

Hiermit appelliere ich an alle anderen Menschen: „Lasst die Finger von derartigen Anzeigen! Auch wenn es hin und wieder ehrliche Verkäufer geben mag. Meistens aber sind es eben doch solche Betrugsfallen, in die ich quasi schon hineingetappt war.“

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