Daniel Krüger (weiß) und Philipp Sandhowe (blau) waren nach dem Aus gegen Neuenbeken untröstlich. © Sebastian Reith
Fußball

Heute vor zwei Jahren: FC Nordkirchen verliert das Relegations-Drama von Lippetal

Am 6. Juni 2019 pilgerten knapp 500 Fans in den Kreis Soest um eines der größten Spiele der FCN-Vereinsgeschichte zu sehen. An Drama auf und neben dem Platz war diese Partie kaum zu überbieten.

Es war ein sicher einmaliges Erlebnis für alle Beteiligten. Sowohl die Aufstiegs-Relegation 2019 generell, aber auch die Umstände dieses denkwürdigen Duells zwischen dem FC Nordkirchen und dem SCV Neuenbeken werden wohl für immer ihren Platz in den Vereins-Geschichtsbüchern finden. Ein Rückblick auf das wahrscheinlich größte Spiel der jüngeren Club-Historie.

Dabei hätte nicht nur diese Partie im Soester Lippetal, sondern gar die ganze Bezirksligasaison 2018/19 eine eigene Revue verdient. Denn es war die beste Spielzeit aller Zeiten für den FC Nordkirchen mit dem damaligen Coach Issam Jaber. 91 Tore schoss der FCN in der Staffel 8, 26 alleine davon Stürmer Daniel Krüger. In 28 Ligaspielen holte der Bezirksligist überragenden 76 Punkte – das entspricht einem Schnitt von 2,7 Zählern pro Spiel. In wohl jeder anderen Liga wäre Nordkirchen ohne Frage als Meister aufgestiegen. Nur damals gab es eben eine bessere Mannschaft: den TuS Bövinghausen.

Die Dortmunder, die mittlerweile sogar schon in die Westfalenliga aufgestiegen sind und beim Corona-Abbruch dort Tabellenführer waren, waren 2018/19 doch noch einen Tick besser, holten einen Punkt mehr als Nordkirchen und verdienten sich die Landesliga. Normalerweise wäre der FCN-Traum nun geplatzt gewesen, doch ein Rückzug in einer höheren Liga schaffte noch einen weiteren Aufstiegsplatz, um den alle zwölf Zweitplatzierten der verschiedenen Staffel kämpfen durften. So wurde also eine noch nie dagewesen Relegation ausgespielt, in der es in jeder Runde hieß: siegen oder fliegen.

Natürlich waren die Nordkirchener haushoher Favorit, so eine Fabelsaison konnte ja offensichtlich kein anderer Zweitplatzierter vorzeigen, doch schon in der ersten Runde wackelte die Hoffnung. Gegen den SV Burgsteinfurt brauchte es unglaubliche 21 Strafstöße im Elfmeterschießen, um die Münsterländer zu eliminieren. Dass dieses Drama im folgenden Halbfinale noch einmal getoppt werden konnte, schien unrealistisch und doch passierte es.

500 Fans sehen das „Drama von Lippetal“

Am 06. Juni 2019 pilgerten knapp 500 Fans nach Lippetal in den Kreis Soest, die große Mehrheit kam aus Nordkirchen. Gegner beim vorletzten Schritt vor dem Landesliga-Aufstieg war der SCV Neuenbeken, der mit fünf Punkten Rückstand die Staffel 3 als Zweitplatzierter abschloss. Es war eine unglaubliche Atmosphäre auf dem Sportplatz, der kurioserweise nicht mal eine Flutlichtanlage hatte. Ein Donnerstagabendspiel hier hin zu verlegen schien fragwürdig, aber so hatte Nordkirchen wenigstens noch einen Grund, das Geschehen diesmal nicht erst im Elfmeterschießen zu beenden.

So einfach lief es aber nicht – im Gegenteil. Neuenbeken spielte klar besser als der Favorit und erarbeitete sich auch ein Chancenplus, während Nordkirchen abgesehen von einem Pfosten-Freistoß von Dennis Närdemann nicht wirklich viel einfiel. Gerade die sonst so starke linke Seite mit dem Jetzt-Herberner Robin Schwick war nahezu abgemeldet. Die Köpfe der meisten Spieler hingen schnell runter.

Viel Kritik gab es vor zwei Jahren für den Unparteiischen.
Viel Kritik gab es vor zwei Jahren für den Unparteiischen. © Sebastian Reith © Sebastian Reith

Noch mehr als mit sich selbst haderte der FCN aber fast schon mit der Schiedsrichterleistung. Nach 75 Minuten soll dieser ein klares Handspiel im Neuenbeker Strafraum übersehen haben und mitten in der Verlängerung, in die es mit 0:0 dann ging, wurde auch Abwehrchef Nils Venneker mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Coach Jaber nannte diesen Platzverweis später „einen Witz“. Einige Fans waren mit den Entscheidungen des Unparteiischen sogar so unzufrieden, dass sie ihn mit Worten wie „Kinderschänder“ oder „Hurensohn“ bewarfen. Der Verein entschuldigte sich nachträglich und ordnete Konsequenzen für seine Anhänger an.

Trotzdem ging das Spiel weiter und besonders in der 30-minütigen Verlängerung musste sich der FCN einer Vielzahl von Neuenbeker Angriffe gegenüber sehen. Immer wieder war es Torwart Philipp Sandhowe, der mit überragenden Paraden den Aufstiegstraum am Leben hielt und beide Mannschaften Richtung Elfmeterschießen führte. Doch dazu kam es nicht:

Eine Minute vor Ende der Verlängerung bekam der eigentliche Underdog noch einmal eine Ecke zugesprochen. Der Ball segelte von rechts in den Strafraum und Markus Dalecki köpfte ein – wenige Sekunden später traf sogar Hendrik Hölscher noch zum 2:0 für die Neuenbeker, die im Finale zwar dem FC Bad Oeynhausen unterlagen, ein Jahr später aber dann doch in die Landesliga aufstiegen. Ein Schock für Spieler, Trainer und Verantwortliche des FCN.

Nur noch drei Spieler von damals im aktuellen Kader

Nun, genau zwei Jahre nach dem wohl dramatischsten Abend der Vereinsgeschichte, ist der FC Nordkirchen immer noch Bezirksligist und die Mannschaft ist fast komplett ausgetauscht. Nur noch Nils Venneker, Florian Fricke und Joachim Mrowiec werden mit den Erinnerungen aus Lippetal auch in wenigen Monaten im FCN-Dress in die neue Saison starten. Der Rest spielt mittlerweile in der Landes- oder Westfalenliga. Im Gedächtnis werden aber wohl alle diese Partie noch haben, denn wie Trainer Issam Jaber schon nach dem Aus sagte: „So eine Saison hat der FC Nordkirchen noch nie gespielt.“

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Gebürtig aus dem wunderschönen Ostwestfalen zog es mich studienbedingt ins Ruhrgebiet. Seit ich in den Kinderschuhen stand, drehte sich mein ganzes Leben um Sport, Sport und Sport. Mittlerweile bin ich hierzulande ansässig geworden und freue mich auf die neuen Herausforderungen in der neuen Umgebung.
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Nico Ebmeier

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