Stabhochspringer Alfred Achtelik blickte auf das Sportjahr 2020 zurück. © Reith
Rückblick 2020

Mein Sportjahr: Corona verhindert Weltrekorde – und wirkt bis ins nächste Jahr nach

Wie haben die Sportler das Jahr 2020 erlebt? Im Rückblick erzählen sie, wie sie die Zeit wahrgenommen haben. Stabhochspringer Alfred Achtelik vom FC Nordkirchen muss sich auch weiter gedulden.

Dieses Jahr war ein besonders skurriles, das kann ich nicht anders sagen. Und das lag nicht nur, aber sicher vor allem auch, an der Corona-Pandemie. Denn für mich war der Start ins Jahr schon nicht besonders gut.

Im Prinzip bin ich mit einer Verletzung ins Jahr 2020 gestartet. Zumindest war ich zu Beginn des neuen Jahrzehnts noch nicht wieder richtig fit, nachdem ich zuvor verletzt war. Erst nach und nach war es mir wieder möglich, mit dem Training zu beginnen und die Intensität bei den Einheiten zu steigern. Und dann kam der Lockdown.

Kein Training auf der Anlage des FC Nordkirchen

Gerade ging es so richtig wieder los und dann wurde ich direkt wieder ausgebremst. Durch den Lockdown war ich wie vor den Kopf geschlagen. Das Problem: Ich konnte nicht auf der Anlage des FC Nordkirchen trainieren, da die Landesregierung den Platz gesperrt hat. Laufengehen war auch schwierig, denn auf Asphalt zu trainieren, war nicht optimal für mich nach meiner Verletzung. Das war ein wenig ein Ritt auf der Rasierklinge.

Die Anlage gesperrt – also musste eine Alternative her. Ich bin dann im benachbarten Schlosspark laufen gegangen, weil mit der Untergrund dort besser entgegenkam. Beziehungsweise habe ich das versucht. Denn als ich dort war, waren gefühlt etwas 300 Leute mit mir im Park. Eine Ansteckungsgefahr war also durchaus vorhanden.

Weltrekorde sollen in Angriff genommen werden

Die Ironie: Nebenan war der Platz frei. Hier hätte ich in Ruhe mein Programm absolvieren können, ohne dass ich mich oder ich andere hätte anstecken können, die Anlage war schließlich komplett verwaist.

Und dann gibt es noch eine Sache, die den Einstieg in die Saison nochmals erschwert hat. Dazu muss man wissen, dass ich gerade erst in die neue Altersklasse M60 aufgerückt bin. Ich habe da durchaus den Anspruch, mich mit den besten der Welt dieser Klasse zu messen und vielleicht sogar den ein oder anderen Weltrekord in Angriff zu nehmen. Die Chancen, das zu schaffen, sind jetzt wesentlich höher, als in drei oder vier Jahren.

Dann wurde erst einmal alles abgesagt. Es gab praktisch keine Orientierungspunkte im Rahmenkalender, an die ich mein Training ausrichten konnte. Die Verletzung, die schlechten Trainingsbedingungen, der fehlende Wettkampf: Der Start ins Sportjahr 2020 ist gründlich misslungen. Ich bin ganz ehrlich, da bin ich auch ein wenig in ein Motivationsloch gefallen.

Die passende Antwort

Am Anfang der Saison ist ein Amerikaner 4,01 Meter gesprungen. Erst konnte ich da nicht gegenhalten, weil ich verletzt war, dann nicht, weil Corona in die Quere kam. Immerhin ist die Saison dann im August, zwar mit deutlicher Verspätung, aber immerhin, gestartet. Hier gab es dann einige Meetings. Aber die Bedingungen hier waren teilweise mehr als nur schwierig. Teilweise hatten wir mit Wind und Regen zu kämpfen. Trotzdem ist es mir mit gesprungenen 4,03 Metern gelungen, eine passende Antwort zu finden.

Zuletzt hatte ich dann noch gehofft, zur WM in Finnland im kommenden Jahr zu fahren – ein absoluter Traum. Das hing lange in der Schwebe. Kurz Weihnachten gab es dann aber eine Entscheidung. Pünktlich zum Fest lag die Absage unterm Baum. Eine Sache, die Athleten ohnehin schon beherrschen müssen, hat sich durch Corona noch einmal stärker gezeigt: Als Sportler muss man extrem leidensfähig sein.

Zur Person: Alfred Achtelik ist Stabhochspringer, der für den FC Nordkirchen startet. Gleich viermal knackte der 60-Jährige den Westfalenrekord, der zuvor bei 3,50 Meter lag: Direkt beim ersten Saison-Meeting verbesserte er den Rekord auf 3,70 Meter, beim Late-Season-Finale übersprang Achtelik 4,03 Meter.

Protokoll: Matthias Henkel


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