Mehrere Sportgruppen bei der DJK Germania Lenkerbeck sind aufgelöst worden: Die Teilnehmer kommen nicht mehr, Übungsleiter haben sich anders orientiert. Die Vereine kämpfen mit mehreren Problemen gleichzeitig. © DPA
Breitensport

Marler Verein schlägt Alarm: Mitglieder und Übungsleiter kommen nach Corona nicht wieder

Die DJK Germania Lenkerbeck hat seit Ausbruch der Corona-Pandemie 350 Mitglieder und viele Übungsleiter verloren. Der Verein fühlt sich mit seinen Problemen alleingelassen.

Bei der Jahreshauptversammlung am vergangenen Sonntag musste der Vorsitzende Uwe Wegener den Mitgliedern der DJK Germania Lenkerbeck eine Nachricht mitteilen, die nachdenklich stimmt: „Wir sind 350 weniger.“

Das Problem seien nicht Kinder und Jugendliche, sagt Uwe Wegener. Da nimmt der Betrieb nach der Pandemie wieder Fahrt auf, bei den Cheerleadern und beim Tischtennis hat die DJK Germania keine Nachwuchssorgen. Bei den Erwachsenen aber, vor allem im Reha- und Gesundheitssport, gibt es viele Gruppen nicht mehr. „Wir konnten ja 18 Monate lang nur verwalten“, sagt Wegener. „Wenn von 14 oder 15 Teilnehmern nur noch drei, vier da sind, frage ich mich natürlich, warum ich das noch mache.“ Trotz des Verlustes an Mitgliedern zählt die DJK Germania weiter zu den „Großen“ in Marl: Rund 1000 Mitglieder haben den Lenkerbeckern auch in der Coronakrise die Treue gehalten.

Auch Übungsleiter haben sich umorientiert

Der Mitgliederverlust spielt mit einer zweiten Entwicklung zusammen, die den Lenkerbeckern das Leben schwer macht. Uwe Wegener hat einen Zettel, auf dem all die Übungsleiter verzeichnet sind, die dem Verein während Corona den Rücken gekehrt haben. Fast 20 Namen stehen darauf. „Wir haben versucht, sie auch während der Pandemie weiterzubezahlen, aber viele wollten einfach nicht mehr“, sagt der Vorsitzende.

Unter den Abgewanderten sind Übungsleiter, die aus Altersgründen aufgehört haben, aber viele haben sich etwas anderes gesucht. In der Gastronomie zum Beispiel. Einer hat sich im Reha-Bereich selbstständig gemacht – mithilfe der Ausbildung, die er über die DJK Germania bekommen hat.

Es ist nicht einfach, die Lücken zu füllen. „Normalerweise haben die Übungsleiter Helfer, die nachrücken können.“ Aber neue Helfer sind während Corona kaum hinzugekommen. Der Mangel an Übungsleitern wirkt sich auf das Angebot des Vereins aus, das wiederum Einfluss auf die Mitgliederzahl hat. „Wir haben die neuesten Sportgeräte“, sagt Uwe Wegener. „Aber keinen Übungsleiter, der Aqua-Reha machen kann.“

Der Vorsitzende Uwe Wegener (r.) und seine Stellvertreterin Marietta Weise machen sich Sorgen um die Zukunft der DJK Germania Lenkerbeck. Der Verein hat in der Pandemie 350 Mitglieder verloren.
Der Vorsitzende Uwe Wegener (r.) und seine Stellvertreterin Marietta Weise machen sich Sorgen um die Zukunft der DJK Germania Lenkerbeck. Der Verein hat in der Pandemie 350 Mitglieder verloren. © Sebastian Schneider © Sebastian Schneider

In der Vereinskasse klafft eine Lücke

Insgesamt hat die Pandemie den Germanen einen finanziellen Verlust „im niedrigen fünfstelligen Bereich“ eingebracht. Schuld daran sind auch die ausgefallenen Veranstaltungen. „Das Skaten auf dem Flugplatz ist jetzt dreimal ausgefallen“, so Wegener. „Ich weiß nicht, ob wir das noch einmal machen können. Auch da brauchen wir Helfer.“

Einen großen Einfluss auf die allgemeine Entwicklung hat aus Wegeners Sicht das Internet: „Tablet, Handy und Multimedia sind das Problem“, sagt er. „Es ist viel einfacher, auf dem Hintern zu hocken als etwas zu machen.“ Was könnte man tun, um den Vereinen zu helfen? „Wir zahlen ja einen riesigen Wasserkopf“, sagt Uwe Wegener. DJK-Verband, Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen, Landessportbund – da kommt eine ordentliche Summe zusammen. „Von den Verbänden müsste eine öffentliche Kampagne kommen.“ Um auf die Nöte der Vereine – nicht nur die DJK Germania Lenkerbeck leidet an den genannten Problemen – aufmerksam zu machen.

„Mitglieder haben keine goldenen Wasserhähne“

Es gebe Förderprogramme, bei denen Vereine für jedes abgewanderte Mitglied finanziell entschädigt werden können, aber die seien unzureichend. „Diese Zahlung kommt nur einmal“, sagt Uwe Wegener. Sie ersetzt nicht die fortlaufenden Mitgliedsbeiträge, sie ersetzt nicht die Menschen, die dem Verein fernbleiben. Nicht zuletzt muss der Verein auch eine Infrastruktur pflegen, bei der DJK geht es etwa um sieben festangestellte Kräfte oder auch um den Unterhalt und die Pflege des DJK-Zentrums an der Max-Reger-Straße.

Eine Einmal-Zahlung macht es den Vereinen auch nicht leichter, ihre soziale Funktion zu erfüllen. „Wir können ja nicht die Mitgliedsbeiträge ständig erhöhen“, sagt Uwe Wegener. „Unsere Mitglieder haben keine goldenen Wasserhähne.“

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Sport in vielen verschiedenen Ausprägungen begleitet mich von Beginn an durch mein Leben. Erst als Hobby, später als Beruf. Klar: Auch das Ergebnis interessiert mich. Aber am meisten die Menschen, die ich treffe. Das gilt auch außerhalb des Sports.
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