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Ernst Kuzorra: „Das letzte Stück vom alten Schalke“

Schalke 04

Am 1. Januar 1990 stirbt in einem Gelsenkirchener Altersheim ein Schalker Fußballer, der den Klub wie kein anderer geprägt hat: Ernst Kuzorra.

Gelsenkirchen

, 01.01.2019 / Lesedauer: 4 min
Ernst Kuzorra: „Das letzte Stück vom alten Schalke“

Lieblingsplatz: Ernst Kuzorra in der Schalker Vereinsgaststätte - natürlich mit Bier und Zigarre. © imago

Der Mitbegründer des „Schalker Kreisels“ erfüllte seine Prognose: „Ich bin in Schalke geboren, habe nur für Schalke gespielt, nur hier gewohnt, in Schalke auf dem Pütt gearbeitet, und ich werde in Schalke sterben“, sagte der begnadete Kicker einige Zeit vor seinem Tod.

Am 16. Oktober 1905 wurde Ernst Kuzorra in der Straße Blumendelle als viertes Kind des Bergmannes Karl Kuzorra geboren. Die Familie war 1890 aus dem Kreis Osterode in Ostpreußen nach Schalke gezogen. Er war 14 Jahre alt, als die Eltern ihm zur Konfirmation ein Paar Ausgehschuhe schenkten.

Gegen diesen Verein bestritt Kuzorra sein erstes Spiel

Am nächsten Sonntag probierte der junge Gelsenkirchener sein Geschenk gleich aus – auf dem Fußballplatz. An diesem Tag bestritt er sein erstes Spiel für den FC Schalke 04 und schoss gegen den alten Rivalen Erler SV 08 gleich vier Tore. Anschließend gab es eine Tracht Prügel von seiner Mutter Berta, doch dieser Sonntag sollte das Leben des Jungen Ernst Kuzorra prägen.

Drei Jahre nach diesem denkwürdigen Premieren- Spiel schaffte er den Sprung in die erste Schalker Mannschaft. Sein erstes Spiel bestritt er im April 1923 gegen die Sportfreunde 07 aus Essen, und so ganz nebenbei half der 17-Jährige auch noch im Jugendteam aus. Es dauerte nicht lange, da war Ernst Kuzorra der Chef am Schalker Markt.

Sieben Jahre zwischen Zeche und Fußballplatz

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete er bereits auf der Zeche „Consolidation“ als Lehrhauer unter Tage. Sieben Jahre lang ging er seinem Beruf nach, ehe er aufgrund der außergewöhnlichen sportlichen Erfolge mehr und mehr entlastet wurde, um sich hauptsächlich auf Fußball zu konzentrieren.

Auf der halblinken Position gab es im deutschen Fußball zu diesem Zeitpunkt kaum einen Spieler, der Ernst Kuzorra ebenbürtig war. Seine Dribblings faszinierten die Zuschauer, aber der Schalker war darüber hinaus auch ein Gestalter des Spiels, ein eleganter Regisseur, der auch über einen strammen Schuss verfügte.

Wie viele Tore Kuzorra erzielt hat? Niemand weiß es genau

Und auch außerhalb des Spielfelds lief beim FC Schalke 04 so gut wie nichts ohne Ernst Kuzorra. Er hatte ein wesentliches Mitspracherecht bei den Aufstellungen der jeweiligen Mannschaften, er diskutierte mit seinen Kameraden über die Spesen, er holte und feuerte Trainer, er war Manager und Kapitän in einer Person. Sein Spitzname war „Clemens“, weil es in der damaligen Schalker Mannschaft drei Spieler mit dem Vornamen Ernst gab: Ernst Pörtgen, Ernst Kalwitzki und eben Ernst Kuzorra.

Zwischen 1933 und 1942 stand der S04-Kapitän in 15 Endspielen. Sechsmal holten sich die Schalker mit Kuzorra den Titel eines Deutschen Fußballmeisters, einmal wurden sie Pokalsieger. Rechnet man Ruhrbezirks- und Westfalenmeisterschaften hinzu, hat Kuzorra während seiner langen Karriere über 50 Meistertitel gewonnen. Da es damals noch keine Torjägerlisten gab, lässt sich über die Zahl seiner Treffer nur spekulieren. Über 1000 werden es sicher gewesen sein.

Ernst Kuzorra: „Das letzte Stück vom alten Schalke“

An der Stätte der alten Erfolge: Ernst Kuzorra in der Glückauf-Kampfbahn. © imago

Kuzorra war auch der erste Schalker in der Nationalmannschaft. Sein Debüt gab er am 20. November 1927 gegen die Niederlande.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sich Kuzorra dem FC Schalke 04 noch einmal in der Oberliga West zur Verfügung. Erst am 12. November 1950 beendete „Clemens“ seine aktive Laufbahn.

Viele Auszeichnungen für die Schalke-Legende

Natürlich ließ der FC Schalke 04 Kuzorra auch danach nicht los. Er arbeitete als u.a. als Trainer, Berater und Mitglied des Präsidiums. Viele Jahre betrieb er ein Tabakwarengeschäft, das er in den 70er-Jahren Reinhard Libuda übertrug. Für die Schalker Fangemeinde in ganz Deutschland war er, wie der frühere Schalke-Präsident Günter Siebert formulierte, „das letzte Stück vom alten Schalke“.

Seinen neuen Stammplatz hatte Ernst Kuzorra in der Vereinsgaststätte an der Glückauf-Kampfbahn. Hier gibt er mit schnodderiger Schnauze Dönekes zum Besten. Zu seinem 80. Geburtstag erhielt Kuzorra die Ehrenbürgerschaft der Stadt Gelsenkirchen, ein paar Jahre zuvor war er bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Schalke ernannte ihn zum Ehrenspielführer und Ehrenpräsidenten. Von einem Oberschenkelhalsbruch, den er im Herbst 1989 erlitt, erholte er sich nicht mehr.

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