31-Jähriger soll seiner Ehefrau in den Bauch geboxt haben, um eigenes Kind zu töten

mlzLandgericht Münster

Mit schweren Vorwürfen sah sich am Freitag ein 31-Jähriger konfrontiert, der seiner schwangeren Frau in den Bauch geboxt haben soll. Doch der streitet die Tat vehement ab.

Stadtlohn

, 22.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vorwürfe wiegen schwer. Um sein eigenes ungeborenes Kind zu töten, soll ein 31-Jähriger seiner Ehefrau mehrmals in den Bauch geboxt haben. Danach soll er sie mit einem Kissen zur Bewusstlosigkeit gebracht haben. Damals wohnten die beiden in einer gemeinsamen Wohnung in Stadtlohn. In der Ehe kriselte es offenbar schon länger. Das bestätigen beide Parteien. Dass es zu brutalen Übergriffen gekommen sein soll, bestreitet der 31-Jährige jedoch vehement.

„Es gab Streit. Wir haben uns oft lautstark angeschrien. Aber Gewalt hat es in unserer Ehe nie gegeben“, erklärte er am Freitag im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Münster. Sowohl Anklage als auch Staatsanwaltschaft hatten gegen das Urteil des Amtsgerichtes Ahaus vom 28. November 2018 Einspruch eingelegt. Damals war der 31-Jährige für die Schläge in den Bauch zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Nicht nachgewiesen werden konnten ihm im ersten Prozess unzählige Würgeattacken, die seine Frau ihm vorwirft.

Verteidiger wittert „Rachefeldzug“

Heute wohnt das Ehepaar getrennt. Der 31-Jährige hat eine eigene Wohnung in Gescher und keinen Kontakt zur Ehefrau und seinen beiden Töchtern. Eigentlich, so sagte er es der Richterin, habe er zu den Vorwürfen nichts zu sagen. Stattdessen sprach sein Verteidiger von einem „Rachefeldzug“ gegen seinen Mandanten. Die Anzeige sei just in dem Moment bei der Staatsanwaltschaft eingeflattert, als ein Gericht über den Sorgerechtsstreit verhandelte. „Es wurde versucht, ihn als schlechten Vater dastehen zu lassen.“

Als die Richterin ihre Zweifel an dieser Version äußerte, brach der 31-Jährige sein Schweigen: „Am Ende bin ich der Leidtragende. Ich mache alles, um meine Kinder zu sehen. Aber mir wird der Kontakt weiter verwehrt.“ Mit „alles“ meinte er ein Anti-Aggressions-Training und eine Familientherapie, die er nach den ersten Sitzungen schwänzte. „Ich hatte eine Intuition, dass diese Gespräche nichts mehr bringen“, erklärte er zu seiner Verteidigung.

Aussage steht gegen Aussage

Warum seine Frau diese schweren Vorwürfe gegen ihn vorbringt, kann der Gescheraner offenbar nicht nachvollziehen. Er glaubt: „Sie will mich dafür büßen lassen, dass unsere Ehe nicht so funktioniert hat, wie sie es sich vorgestellt hat. Leider trägt sie unseren Konflikt auf dem Rücken der Kinder aus.“ Seine Frau habe ihm damals wissen lassen, dass sie ihn „vor jedes Gericht dieser Welt ziehen wird“, wenn er seine Kinder sehen wolle. „Das hat sie nun wahr gemacht.“

Er habe das Kind zwar nicht unbedingt gewollt, da die Ehe in dieser Zeit bereits zum Scheitern verurteilt gewesen sei, allerdings habe er seine Frau deshalb nicht geschlagen. „Ich habe ihr nur direkt nach dem Geschlechtsakt empfohlen, die Pille danach zu nehmen.“

Die Rolle des Unschuldslamms wollten Staatsanwaltschaft und Nebenklage dem 31-Jährigen allerdings nicht überlassen. Sie verwiesen auf seine zwei Vorstrafen, unter anderem wegen vorsätzlicher Körperverletzung, und schilderten einen Vorfall, den eine Nachbarin des Ehepaars vor zwei Jahren beobachtet haben will. Damals soll der Angeklagte seiner Frau per Whatsapp gedroht haben, sie umzubringen und sie schließlich an den Haaren aus der Wohnung der Nachbarin gezogen haben.

Berufung wechselseitig zurückgezogen

Die Vorsitzende Richterin sah keinen Ausweg aus der Sackgasse, da weiterhin Aussage gegen Aussage stand. Sie bat Staatsanwaltschaft und Verteidigung, darüber zu beraten, ob die Berufung wechselseitig aufgehoben werden könne. Damit könne man der Ehefrau des Angeklagten eine erneute Aussage ersparen. Nach kurzer Beratung stimmten beide Parteien zu.

„Wir wollen aber, dass im Protokoll vermerkt wird, dass wir die Berufung nur zurückziehen, damit die Nebenklägerin nicht noch einmal aussagen muss. Er gesteht damit nicht seine Schuld ein“, betonte der Verteidiger zum Abschluss des Verfahrens. Damit bleibt es bei der Freiheitsstrafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

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