Abitur verschoben: Das sagen zwei Abiturienten und ein Schulleiter

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Drei Wochen später als geplant werden die Abiturprüfungen laufen. Die Lösung, die Ministerin Yvonne Gebauer am Freitag vorstellte, stößt in Stadtlohn auf unterschiedliche Reaktionen.

Stadtlohn

, 29.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jetzt haben wir endlich Gewissheit. Das sagt Vincent Schlüter (18). Das sagt auch Alana Gärtner (17). Beide sind Schulsprecher des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Stadtlohn. Beide bereiten sich unter ungewöhnlichen Umständen auf ihre Abiturprüfung vor. Jetzt wissen sie, dass ihre Abiprüfungen stattfinden, allerdings drei Wochen später als vorgesehen.

Die Reaktionen der beiden Abiturienten sind zum Teil unterschiedlich. Alana Gärtner hätte es bevorzugt, wenn es statt der Abiturprüfungen ein sogenanntes Durchschnittsabitur gegeben hätte. „Es gibt viele Schüler, die ganz andere Sorgen haben, wo in den Familien Existenznot herrscht, wo die psychische Belastung sehr groß ist. Ich denke, dass da Abinoten auch schlechter ausfallen können in der Ausnahmesituation.“

Vincent Schlüter dagegen findet es gerechter, wenn alle die Prüfung machen müssen. Das verhindere auch eventuelle Schwierigkeiten in der Zukunft wegen eines „Corona-Abiturs“.

Landesschülervertretung will, dass auch Durchschnittsabitur möglich ist

Die Landesschülervertretung NRW hatte am Freitag noch einmal bekräftigt, dass sie eine Wahl zwischen Abiturprüfung und Durchschnittsabitur fordere. Die Begründung: Die Ausgangssituation sei zu unterschiedlich, manche Schulen hätten noch nicht einmal die Vorabiturklausuren geschrieben. Zudem sinke die Infektionsgefahr.

Vincent Schlüter, GSG-Schulsprecher, bereitet sich zuhause auf die Abiprüfungen vor.

Vincent Schlüter, GSG-Schulsprecher, bereitet sich zuhause auf die Abiprüfungen vor. © privat

Einig sind sich die beiden Stadtlohner Schülersprecher mit der Landesschülervertretung, dass es gut ist, dass die Abweichungsprüfungen nur auf freiwilliger Basis durchgeführt werden sollen. „In unserer Stufe sind viele erleichtert“, sagt Vincent Schlüter.

Im Sinne der Gerechtigkeit und Gleichheit begrüßt auch Schulleiter Jochen Wilsmann die Entscheidung der NRW-Schulministerin, dass auf jeden Fall Prüfungen stattfinden. „Die Schüler haben ein Recht auf Prüfungen“, sagt er. „Sie sollen das Gefühl haben, dass ihr Abitur den gleichen Wert hat – und nicht das Gefühl, sie seien in einem Corona-Jahrgang.“

Alle Vorabiturarbeiten sind geschrieben

Seine Schule sieht er gut aufgestellt. „Wir sind auf dem Stand, dass wir direkt nach den Osterferien anfangen könnten“, sagt er. Die Vorabiturklausuren sind alle geschrieben. „Wir könnten schon die Noten geben“, so Wilsmann. In den vergangenen Wochen haben die Schüler zuhause gelernt und ihre Aufgaben über das Internet bekommen und wieder zurückgeschickt.

Jetzt also werden alle Abiturienten nach den Osterferien wieder in die Schulen gehen. Die drei Wochen bis zum Beginn der Prüfungen am 12. Mai werden sie in den Klassen mit ihrem Lehrer den Stoff wiederholen. Das finden die beiden Schüler gut. Denn so unproblematisch es über die schulische Plattform laufe, so Vincent Schlüter, nicht immer kann der Unterricht mit dem Lehrer ersetzt werden.

„Wir mussten uns Stoff selbst beibringen“, erzählt er. „Bei Fächern wie Geschichte geht das sehr gut. Aber bei Mathe ist das schwieriger, da wäre es schön, wenn man einen Lehrer gehabt hätte.“ Aber er hat auch ein Lob für die Lehrer: „Sie haben das Beste versucht. Und über den Schulserver klappt es super, dass wir auch Feedback von den Lehrern bekommen. Da ist unsere Schule im Vorteil.“

Unterricht sollte nur noch in den Abiturfächern sein

Beide sprechen davon, dass sie Schultage haben, die teilweise bis 17.15 Uhr dauern. „Es wäre gut, wenn wir nur noch Unterricht in unseren Abifächern hätten“, sagt Alana Gärtner. Auch Vincent Schlüter fände das cool. Bei den Hausaufgaben hat das schon geklappt. Nachdem sie anfangs zuhause noch Lernstoff für alle Fächer bekommen hatten, ging es zuletzt nur noch um die Abifächer.

Für die Lehrer an dem Stadtlohner Gymnasium hat die Verschiebung negative Folgen. Denn die Zeugnisse sollen wie geplant am 27. Juni fertig sein. Die Zeit für Korrekturen ist also drei Wochen kürzer. „Gerade für Kollegen mit korrekturintensiven Fächern wie Deutsch oder Englisch bedeutet das richtig Stress“, so Jochen Wilsmann. Allerdings sollen diese Fächer, so hatte Ministerin Gebauer erläutert, als erste geschrieben werden.

Noch mehr als nur Prüfungen gehört zum Abitur. Vincent Schlüter erinnert sich an die Enttäuschung, als sie am Freitag, dem 13. nach Hause geschickt wurden. „Da war die Enttäuschung sehr groß. Er und Alana Gärtner erzählen, wie viel sie schon vorbereitet hatten. Mottowochen, Chaostag – auch das alles gehört zum Abitur.

Schulleiter will Schülern würdigen Abschluss bieten

Das weiß auch Jochen Wilsmann. „Wir wollen den Schülern einen würdigen Abschluss gestalten“, sagt er. Ob er das Versprechen halten kann – wer weiß das in diesen Tagen, in denen sich die Nachrichtenlage ständig ändert. Auch dass es wirklich wieder losgeht nach den Osterferien, ist für ihn wie für die beiden Schülersprecher nicht sicher.

Auch Ministerin Gebauer hatte bereits andere mögliche Szenarien angedeutet. Vielleicht kommen nur die Abiturienten, alle anderen bleiben weiter zu Hause – das ist eine der Möglichkeiten, über die Wilsmann schon nachdenkt.

Ambivalentes Gefühl, wieder in der Schule zu sein

Wie es sein wird, wieder in die Schule zu gehen? Vincent Schlüter ist da ambivalent. „Schön, dass wir alle wieder zusammen Unterricht haben, sagt er. Aber da sei auch ein mulmiges Gefühl. Denn mit dem Schulbesuch steige auch die Ansteckungsgefahr. Er denkt dabei vor allem an die Familien, die Großeltern, die so getroffen werden könnten.

Alana Gärtner denkt schon weiter. „Wenn Schüler in 20, 30 Jahren über die Corona-Krise lernen, sollen sie lernen, dass wir uns solidarisch verhalten haben und und nicht als Klopapierhamsterer in Erinnerung behalten.“

Die Schülervertretung des Geschwister-Scholl-Gymnasiums hat diese Aktion gestartet.

Die Schülervertretung des Geschwister-Scholl-Gymnasiums hat diese Aktion gestartet. © privat

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