Acht neue Reihenhäuser bieten günstigen Wohnraum für Familien

mlzSozialer Wohnungsbau

Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben, aber die Abmachung gilt: Im Erningfeld entstehen acht Reihenhäuser für Familien – modern, licht, kompakt. Und mietgünstig, weil sozial gefördert.

Stadtlohn

, 23.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die noch virtuelle Hausführung mit Architekt Heiner Farwick beginnt mit einem Rundgang um den geplanten roten Klinkerbau: Die zwei Reihen mit je vier rotgeklinkerten Reihenhäusern zeigen klare Linie. Die mit Hecken gefassten Gärten liegen sich jeweils gegenüber und sind durch einen kleinen Fußweg in der Mitte erschlossen. Jedes der zweigeschossigen Häuser hat zur Gartenseite bodentiefe Fenster. Zur Straßenseite hin gliedern zurückspringende Eingangsbereiche und Dachgauben die Fassade. Der erste Eindruck: Hier lässt es sich gut wohnen.

Acht neue Reihenhäuser bieten günstigen Wohnraum für Familien

Im Neubaugebiet Erningfeld wird schon eifrig gebaut. Im vierten Quartal 2019 soll hier auch Baubeginn für zwei mal vier Reihenhäuser im sozial geförderten Wohnungsbau sein. © Stefan Grothues

Der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss der Stadt Stadtlohn hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, zwei Mehrfamilienhausgrundstücke im Neubaugebiet Erningfeld zu einem subventionierten Kaufpreis an die Wohnbau Westmünsterland zu vergeben. Die genossenschaftliche Wohnungsbaugesellschaft hat sich im Gegenzug verpflichtet, hier acht öffentlich geförderte Einfamilienhäuser zu errichten. Auf dieses Ziel hat der Stadtlohner Rat in großer Einmütigkeit schon seit Jahren hingearbeitet: durch sozialen Wohnungsbau neue günstige Mietwohnungen für junge Familien zu schaffen.

Ausgefeilte Grundrisse

Der Ahauser Architekt Heiner Farwick hat am Donnerstag seine Entwürfe im Stadtlohner Rathaus vorgestellt. Auf den Plänen weist er den Weg durch die Diele in den großen Wohn- und Essbereich, der sich zum Garten hin öffnet. Kein enges Treppenhaus, sondern eine offene Treppe im Wohnraum führt ins Obergeschoss mit Elternschlafzimmer, zwei Kinderzimmern und Bad. Das Haus bietet einer vierköpfigen Familie Platz – nicht üppig, aber durchaus komfortabel. Mancher würde es auch „klein aber fein“ nennen. Heiner Farwick spricht lieber von „größtmöglicher Raumqualität“, „Wertigkeit“ und „Optimierung durch einen ausgefeilten Grundriss“.

Acht neue Reihenhäuser bieten günstigen Wohnraum für Familien

Uwe Schramm, Vorstandsvorsitzender der Wohnbau, Architekt Heiner Farwick und Bürgermeister Helmut Könning (von links) haben in dieser Woche die Pläne für den sozialen Wohnungsbau im Neubaugebiet Erningfeld vorgestellt. © Stefan Grothues

Die Zahlen zum Projekt nennt Uwe Schramm, Vorstandsvorsitzender der Wohnbau: 1,85 Millionen Euro investiert die Wohnungsbaugesellschaft im Erningfeld. Baustart soll im vierten Quartal 2019 sein. Die Bauzeit beträgt 14 Monate. Und noch mehr Zahlen: Das gesamte Grundstück misst 2040 Quadratmeter. Jedes Reihenhaus verfügt über eine Wohnfläche von 94 Quadratmetern. Die Kaltmiete wird voraussichtlich 5,70 Euro pro Quadratmeter kosten, also etwa 536 Euro. „Das ist angesichts der großen Nachfrage und steigernder Mieten ein super Angebot für Familien“, sagt Uwe Schramm.

Sozialwohnungsbau auch für die Mitte der Gesellschaft

Die Grundstücksgröße und der Bebauungsplan hätten eine auch dichtere Bebauung zugelassen. „Aber das wollten wir nicht“, sagt Bürgermeister Helmut Könning. „Unser Ziel ist eine optimale Nachbarschaft zu den Eigenheimen ringsum, eine Bebauung die sich harmonisch einfügt. Die Akzeptanz des Projekts ist für uns ganz wichtig.“

Uwe Schramm verspricht bei der Belegung einen „ausgewogenen Mix“. Und er will Klischees vom sozialen Wohnungsbau ausräumen, architektonisch und menschlich: „Die aktuelle Einkommensgrenze für einen Wohnberechtigungsschein für eine vierköpfige Familie liegt bei 52.106 Euro. Wir sprechen also über die Mitte der Gesellschaft.“ Bürgermeister Könning sagt: „Wir wollen attraktiven Wohnraum schaffen für jungen Familien, die sich noch kein Eigenheim leisten können. Das passt auch ins soziale Umfeld.“

180 Sozialwohnungen in Stadtlohn

In Stadtlohn gibt es zurzeit nur 180 öffentlich geförderte Mietwohnungen, Tendenz sinkend, weil bei etwa 70 der Wohnungen die Mietpreisbindung bis 2030 ausläuft. Die Wohnbau Westmünsterland vermietet in Stadtlohn bislang 69 Wohnungen, 31 Sozialwohnungen und 38 freifinanzierte Wohnungen. Insgesamt ist die Wohnungsbaugesellschaft Eigentümerin von 4400 Wohnungen. Hinzu kommen 1000 Wohnungen in Fremdverwaltung. 400 weitere Wohnungen werden in nächster Zeit gebaut.

Land verbesserte 2018 Förderbedingungen

„Wir freuen uns, jetzt auch mal wieder in Stadtlohn neu zu bauen. Das haben wir schon längere Zeit nicht mehr gemacht“, sagt Uwe Schramm. Warum eigentlich nicht? Auch sozialer Wohnungsbau müsse wirtschaftlich vertretbar sein, so Schramm. Das sei bislang bei den Förderbedingungen in Stadtlohn schwierig gewesen. 2018 aber hob die Landesregierung die Stadt Stadtlohn in die höhere Mietstufe 3. Das habe die Förderbedingungen deutlich verbessert.

Genossenschaftlicher Wohnungsbau hat in Stadtlohn eine lange Geschichte

Die genossenschaftlichen und kommunalen Wurzeln der Wohnbau Westmünsterland eG reichen über 100 Jahre zurück, auch nach Stadtlohn. Im Zuge der Industrialisierung und des schnellen Wachstums der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts fehlte vielen Arbeitern das Kapital für den Bau eines Hauses. Um die Wohnungsnot zu beheben, gründeten 1907 mehrere Stadtlohner Fabrikanten den Gemeinnützigen Bauverein. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden 89 Häuser vor allem in den Straßen Görkeskamp, Schanzring, Bergstraße, Tillystraße, Butenstadt und Kapellenstraße errichtet, weiß Stadtarchivar Ulrich Söbbing.

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Blick zurück: 1951 vollzog Textilfabrikant Franz Cohaus den ersten Spatenstich für den Baubeginn in der damals neuen Siedlung Hegebrock-Esch. © Stadtarchiv Stadtlohn

1951 vollzog der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Textilfabrikant Franz Cohaus, den ersten Spatenstich für den Baubeginn in der neuen Siedlung Hegebrock-Esch, wo in mehreren Bauabschnitten insgesamt 59 Siedlerstellen errichtet wurden. In den 1960er Jahren zeigte sich, dass der kleine Bauverein mit seinen zuletzt 137 Mitgliedern unter den geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seine Aufgabe nicht mehr erfüllen konnte. Er schloss sich 1968 der Kreis-Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft Ahaus an, die später in der Wohnbau Westmünsterland aufging.

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