Angebotene Hilfe beim Idiotentest nie geleistet - Betrüger bleibt im Gefängnis

Betrüger vor Gericht

Er betrog zahlreiche Menschen auch in Stadtlohn, jetzt sitzt er im Gefängnis. Der 43-Jährige aus Borken legte Berufung ein: Er könne die Haft nur schwer ertragen.

von Klaus Möllers

Stadtlohn

, 17.07.2018, 12:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch in Stadtlohn hatte er Opfer gefunden: Ein Mann aus Borken hat Leuten vorgetäuscht, er würde ihnen beim so genannten „Idiotentest“, der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) nach Führerscheinentzug, fachmännisch helfen. Dafür wollte er in der Regel über 2000 Euro Honorar sehen. Nach Erhalt des Geldes bekamen die Kunden aus Stadtlohn und weiteren Orten die Beratung aber nicht.

Das Amtsgericht Ahaus hatte den Mann im März wegen gewerbsmäßigen Betruges zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Zudem muss er einen Wertersatz in Höhe von 25.045 Euro leisten – für den finanziellen Schaden, den er den geprellten Kunden zufügte.

Eingesperrtsein sei nur schwer zu ertragen

Das Landgericht in Münster verhandelte am Dienstag die Berufung des Mannes, die er selbst eingelegt hatte. Er könne, so sagte er zur Begründung, die Haftsituation und damit das Eingesperrtsein nur schwer ertragen. Der Richter indes führte die Taten auf, die für das Urteil maßgeblich waren: So hatte der Angeklagte etwa einem Kunden 2500 Euro für eine MPU-Beratung berechnet, aber keine Leistung erbracht. Der Kunde fiel – unvorbereitet – durch die Prüfung und zog gegen den Borkener vor Gericht. Der Zivil-Rechtsstreit endete in einem Vergleich.

Geld kassiert, keine Gegenleistung erbracht

In anderen Fällen hatte der 43-Jährige versprochen, eine neue Fahrerlaubnis zu beschaffen und berechnete zum Beispiel 3570 Euro. Die Fahrerlaubnis gab es nicht. Teils bescheinigte er den Betrogenen, eine bestimmte Anzahl Therapiestunden absolviert zu haben, die nie stattgefunden hatten. Für 1785 Euro stellte er wiederum jemandem in Aussicht ein B1-Zertifikat für den erfolgreichen Besuch eines Deutschkurses zu beschaffen. Ohne Sprachstunden. Das Geld floss, ein Zertifikat existierte nicht. Kunden, die am Telefon nachhakten, wurden in der Regel abgewimmelt. Der Borkener hatte damit geworben, Verkehrspsychologe zu sein, zugleich aber auch Gutachten etwa nach dem Waffengesetz zu erstellen. In Wirklichkeit hatte er weder Ausbildung noch Erlaubnis und hatte zuvor als Maler gearbeitet.

Noch vor Haftantritt gab es neue Betrugsfälle

„Die Chance, dass Sie hier mit einer Bewährungsstrafe rausgehen, geht gegen Null“, sagte der Richter am Dienstag zu dem mehrfach vorbestraften Mann. Denn selbst nach dem Urteil des Amtsgerichts und vor dem Haftantritt hatte es neue Betrugsfälle gegeben. Zu den zehn Einträgen im Strafregister des 43-Jährigen zählen unter anderem Betrug, Fahren ohne Führerschein, Fahrerflucht und in einem Fall sexueller Missbrauch eines Kindes. Der Borkener zog seine Berufung letztlich zurück. Der Richter empfahl dem Mann, nach der Haft beruflich einen neuen Weg einzuschlagen – „am besten mit ehrlicher Arbeit“.

Lesen Sie jetzt