Arbeit, Dunkelbier und Liebe: Bernhardine und Joseph Kappelhoff feiern Eiserne Hochzeit

mlzEhejubiläum

Diese Liebe hält eisern: Bernhardine und Joseph Kappelhoff sind seit 65 Jahren verheiratet. Sieben Kinder haben die beiden groß gezogen. Und eine Bäckerei in Stadtlohn aufgebaut.

Stadtlohn

, 18.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Jahr 1955: Romy Schneider glänzt als „Sissi“ auf der Kinoleinwand und James Dean in „Jensseits von Eden“. Winston Churchill tritt zurück. Die späte Heimkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus Russland beginnt. Albert Einstein stirbt. Das waren vor 65 Jahren markante Daten eines Jahres. Für Bernhardine (89) und Joseph Kappelhoff (91) zählt aber ein anderes Datum: Am 19. Januar 1955 gaben sich die beiden vor dem Traualtar das Ja-Wort.

Verliebt auf dem Wessumer Schützenfest

An diesem Wochenende feiern die beiden Stadtlohner das seltene Fest der Eisernen Hochzeit. Und beide lächeln, wenn sie erzählen, wie sie sich vor fast 70 Jahren verliebt haben. „Das war auf dem Schützenfest in Wessum“, sagt Joseph Kappelhoff und seine Frau nickt. Gekannt haben sie sich aber schon als Kinder.

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Joseph Kappelhoff ist in Wessum geboren und aufgewachsen, seine Frau Berhardine stammt eigentlich aus Essen. „Meine Mutter ist schon während des Kriegs gestorben, mein Vater – er war Bergmann – wenige Jahre später.“ So wuchs Berhardine bei verschiedenen Tanten auf. Eine von ihnen wohnte in Wessum.

Auf Vollgummireifen nach Stadtlohn

Dass die beiden nun schon seit fast sechs Jahrzehnten in Stadtlohn wohnen, liegt an Joseph Kappelhoff. „Ich habe immer eine Sehnsucht nach Stadtlohn gehabt. Mir gefallen einfach die Menschen hier.“ Stadtlohn hatte er schon als Junge kennengelernt, als er mit dem Fahrrad und auf Vollgummireifen zum Fußball nach Stadtlohn fuhr. Dort sah er auch zum ersten Mal ein Spiel der Schalker Knappen, denen er bis heute die Treue hält.

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Geheiratet haben die beiden aber in Essen, wo Joseph Kappelhoff als Bäckergeselle eine Arbeit gefunden hatte. „Ich wollte das Ruhrgebiet mal erleben. Aber Essen lag mir nicht, das ist ein ganz anderes Leben da“, sagt Joseph Kappelhoff. Er suchte sich in Gescher eine neue Stelle und machte sich dort 1968 als Meister selbstständig. 1965 bauten die Kappelhoffs am Feldkamp in Stadtlohn ihr Haus.

1970 Bäckerei am Feldkamp errichtet

1970 wurde mit einem Anbau an ihr Wohnhaus der Traum von einer eigenen Bäckerei in Stadtlohn Wirklichkeit. Viel gemeinsame Arbeit steckt im Erfolg. Joseph Kappelhoff stand in der Backstube, Bernhardine Kappelhoff im Laden. Und dann waren da ja noch die sieben Kinder, sechs Töchter und ein Sohn. Die Backstube zog 1980 an den Schanzring und wurde von Sohn Helmut weitergeführt. Heute wird in dritter Generation an der Gutenbergstraße gebacken.

Was hält eine gute Ehe zusammen? „Man muss erst einmal alt werden“, sagt Joseph Kappelhoff und lacht verschmitzt. „Viel Arbeit, Dunkelbier und geschlagenes Ei helfen dabei.“ Und in der Ehe dürfe man Streit und Missverständnisse nicht aussitzen. „Ich musste immer alles klären, sonst konnte ich nicht ruhig schlafen.“

19 Enkel und 11 Urenkel feiern mit

Aber auch Abstand von der Arbeit war für die Kappelhoffs wichtig. Während er Ausgleich als leidenschaftlicher Züchter von Angorakaninchen fand, schätzte sie die kreative Handarbeit: Stricken, Sticken und Seidenmalerei.

Gegenseitiges Verständnis nennt Bernhardine Kappelhoff als wichtige Ehetugend. „Es herrscht ja nicht immer nur Sonnenschein. Man muss auch mal nachgeben können.“ Ganz wichtig sei: „Man sollte nicht heiraten, um gut versorgt zu sein, sondern aus Liebe. Und das habe ich getan.“

Jetzt freuen sich die beiden Jubilare darauf, im Kreise ihrer sieben Kinder, Schwiegerkinder, 19 Enkel und 11 Urenkel die Eiserne Hochzeit feiern zu dürfen.

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