August Zirner erweckt kleinen Prinzen in schöner Schlichtheit zu neuem Leben

mlzMusikalische Lesung

Einmal Asteroid B 612 und zurück: August Zirner hat am Freitagabend die Zuschauer im ausverkauften Stadtlohner Lokschuppen begeistert, als der dem kleinen Prinzen neues Leben einhauchte.

von Katrin Sarholz

Stadtlohn

, 19.01.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

August Zirner und Kai Struwe betraten die Bühne, sie griffen zu ihren Instrumenten und spielten. Fremd wirkte die Musik, wie verloren schwebten die leicht rauchigen Töne der Querflöte über dem durchdringenden Kontrabass. Noch in die letzten Basstöne hinein begann Zirner „Als ich sechs Jahre alt war...“ und nahm die Zuschauer mit auf die Reise des kleinen Prinzen.

August Zirner erweckt kleinen Prinzen in schöner Schlichtheit zu neuem Leben

„Man kennt nur die Dinge,die man zähmt, sagte der Fuchs“ leicht gekürzt, aufs Wesentliche reduziert und durch Musik bereichert wurde „Der kleine Prinz“ präsentiert. © sar

Er erzählte die Geschichte von Antoine de Saint-Exupéry nicht nur, als wäre sie seine eigene, sondern war in jedem Augenblick der eineinhalb Stunden ganz Prinz, König oder Laternenanzünder, Fuchs oder Rose. So entstand im Stadtlohner Lokschuppen das seltene Erlebnis, dass man diese bekannte, oft zitierte und schon beinahe abgenutzte Geschichte neu erleben und begreifen konnte.

Aha-Effekt erlebt

Als Zirner vor einigen Jahren gebeten wurde, ein Hörbuch des kleinen Prinzen aufzunehmen, hatte er sich zunächst gesträubt, erzählte Zirner, weil es doch schon so viele und nicht immer gute Versionen davon gäbe. Schließlich habe er sich aber doch mit dem Text und dem Schriftsteller beschäftigt. Es brauchte bei ihm den „Aha-Effekt“, erklärte Zirner, die Erkenntnis, dass Saint-Exupéry mit der Geschichte des kleinen Prinzen seine Nah-Toderfahrung des Flugzeugabsturzes in der ägyptischen Wüste verarbeitet hatte. Erst so könne er diese Geschichte richtig wiedergeben und spielen.

Jetzt lesen

Zirner hauchte den Figuren mit seiner warmen, markanten Stimme Leben ein, wand sich wie die Schlange, war hektischer Laternenanzünder, ungeduldiger Pilot und kleiner Prinz, der nie eine Frage unbeantwortet lässt, wenn er sie einmal gestellt hatte.

Auskomponierte Sehnsucht

Er holte sich den Bassisten Kai Struwe mit ins Boot und entwickelte mit ihm zusammen die Musik zur Geschichte. Dabei entstand eine Mischung aus Free-Jazz, auskomponierter Sehnsucht und auf den Punkt gebrachter Geräuschkulisse. Der Moment des Sich-Vertraut-Machens, als der Prinz den Fuchs zähmte, wurde so für die Zuschauer über die Musik deutlich, wurden Fuchs und Prinz zu Bass und Flöte, zunächst entfernt, vorsichtig, sich immer weiter annähernd, bis sie im Gleichklang spielten.

Keine weichgespülte Verklärung

So bekam auch der Satz des linkischen, vorsichtigen Fuchses „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ wieder eine tiefe Bedeutung. Dieses Abschiedsgeschenk des Fuchses an den kleinen Prinzen hatte nichts Weichgespültes und Verklärtes, sondern wirkte in seiner klaren, fokussierten Schlichtheit zutiefst ehrlich.

Seit vier Jahren touren Zirner und Struwe als kongeniales Duo mit dem kleinen Prinzen durch Deutschland. 2018 wurde es in Stadtlohn im Lokschuppen als Live-Mitschnitt aufgenommen. Thomas Wilemsen, der Eigentümer des Lokschuppens, bietet in diesem großartigen Raum „nur seinen Freunden“ eine Bühne und räumt dafür gelegentlich sein Fotostudio leer. Nach dem Auftritt konnte ganz unverkrampft mit den Künstlern geplaudert werden, sie signierten CDs und stellten sich auch für Fotos zur Verfügung.

Dieses Ereignis wird den Zuschauern noch lange im Gedächtnis bleiben. Das Plätschern des Springbrunnens und der warme Klang von Zirners Stimme, wenn er sagt: „Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt