Automatisierte Ausleihen in der Bücherei St. Otger schaffen mehr Zeit für Bücher-Gespräche

mlzNeue Bücherei-Technologie

Die Bücherei St. Otger ist ab dem 1. September für drei Wochen geschlossen. Grund ist die Einführung der RFID-Technik, die die Buchausleihe und -rückgabe in Eigenregie ermöglicht.

Stadtlohn

, 29.08.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Links über den Romanen hängt eine orangefarbene Kabelrolle von der Decke, in der Abteilung Philosophie steht ein Werkzeugkoffer mit der Flex, und neben das Regal mit der theologischen Literatur haben die Handwerker eine Leiter positioniert. In der Öffentliche Bücherei St. Otger tut sich was. Das Ausleih- und Rückgabesystem wird komplett automatisiert. Büchereileiterin Daniela Kies freut sich auf die neue Ära der Selbstbedienung. „Weil wir in Zukunft mehr Zeit für das Gespräch mit Leserinnen und Lesern haben werden“, sagt sie.

Bücherei schließt bis zum 23. September

Noch ist die Bücherei wie gewohnt geöffnet. Das ändert sich ab Sonntag: Vom 1. bis zum 23. September können keine Bücher ausgeliehen oder zurückgebracht werden. Dann übernehmen Handwerker und Techniker die Regie in der Bücherei. Das gilt nicht nur für den Standort in Stadtlohn, sondern auch für die Zweigstellen in Südlohn und Oeding. Auch dort wird die Ausleihe auf die RFID-Technik umgestellt.

Die Leserinnen und Leser werden keine Probleme mit der Technik haben. Davon ist Büchereileiterin Daniela Kies fest überzeugt. „Das zeigt die Erfahrung. Wir sind ja nicht die erste Bücherei, die das System einführt“, sagt sie und betont: „Wir lassen niemanden allein mit der neuen Technik.“ Das Verfahren sei aber denkbar einfach. Die neuen RFID-Etiketten in den Büchern, DVDs und CDs werden an den Ausleih- und Rückgabe-Stationen automatisch ausgelesen – sogar stapelweise. Die Leserinnen und Leser brauchen dafür nur ihre neue Bücherei-Karte, die sie beim nächsten Büchereibesuch ausgehändigt bekommen.

Insgesamt 44.000 Medien umetikettiert

Die Einführung des neuen Systems macht zunächst einmal jede Menge Arbeit. 34.000 Medien müssen in Stadtlohn Stück für Stück mit den neuen RFID-Funketiketten ausgestattet werden. In Südlohn sind es weitere 6000 Medien, in Oeding 4000. Das Bücherei-Team hat schon Hunderte von Arbeitsstunden dafür investiert.

Automatisierte Ausleihen in der Bücherei St. Otger schaffen mehr Zeit für Bücher-Gespräche

Büchereileiterin Daniela Kies (Foto) und ihre Mitarbeiterinnen haben in den letzten Monaten über 40.000 Bücher, DVDs und CDs in Stadtlohn, Südlohn und Oeding mit den neuen RFID-Funketiketten ausgestattet. Sie ermöglichen eine automatische und berührungslose Ausleihe der Medien. © Stefan Grothues

„Mit den Büchern sind wir durch“, sagt Daniela Kies. In den nächsten drei Wochen werden parallel zu den Umbauarbeiten noch die Reste der DVD- und CD-Bestände neu etikettiert. „Auch die 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter müssen noch im Umgang mit der neuen Technik geschult werden.“

„Die Bücherei lebt nur mit den Menschen“

Werden denn die ehrenamtlichen Mitarbeiter eigentlich künftig noch gebraucht, wenn Ausleihe und Rückgabe automatisiert werden? „Und ob!“, sagt Büchereileiterin Daniela Kies. „Die Bücherei lebt nur mit den Menschen und von den Gesprächen und von Tipps rund um das Lesen. Und dafür haben wir bald viel mehr Zeit.“

Daniela Kies räumt ein, bei den Mitarbeitern habe es nicht nur Neugierde, sondern auch Skepsis wegen der neuen Technik gegeben. „Aber gestern zum Beispiel war Dienstag, der besucherstärkste Tag der Woche. Eine Leserin wollte ein Beratungsgespräch zum Thema E-Book-Ausleihe, gleichzeitig stand an der Theke eine lange Schlange. Da fühlen wir uns immer hin- und hergerissen“, sagt Daniela Kies.

Umstellung kostet rund 140.000 Euro

Ein Problem sei auch der Sonntag, der nach dem Dienstag zweitstärkste Ausleihetag ist. „Da haben wir immer aus verständlichen Gründen Schwierigkeiten, ausreichend ehrenamtliche Mitarbeiterinnen zu aktivieren. Das war vor zwei Jahren auch der ausschlaggebende Grund, das neue RFID-System in Angriff zu nehmen“, sagt Daniela Kies.

Zunächst musste die Frage der Finanzierung für die rund 140.000 Euro teure Umstellung geklärt werden. Nach etlichen Antrags- und Genehmigungsverfahren stand fest: Das Land übernimmt 60 Prozent der Kosten. Die restlichen 40 Prozent teilen sich die Kommunen Stadtlohn und Südlohn sowie die Kirchengemeinden St. Otger sowie St. Vitus und St. Jakobus nach einem festgelegten Verteilschlüssel.

Insgesamt 150.000 Ausleihen im Jahr

Wenn künftig die Stadtlohner Leserinnen und Leser ihre 124.000 Ausleihen im Jahr und auch die Rückgabe im kinderleichten Verfahren in Eigenregie verarbeiten, dann entfällt für das Büchereiteam eine Menge Buchungsarbeit. „Die Zeit können wir sinnvoller nutzen: für Vorlesestunden, für Angebote für Kitas und Grundschulen, für Beratungsgespräche. Die Arbeit wird uns sicher nicht ausgehen“, sagt Daniela Kies. In Südlohn werden übrigens 14.000 Medien jährlich ausgeliehen, in Oeding sind es 8000.

Bücherei ist während der Schließung telefonisch erreichbar

Wegen der dreiwöchigen Schließung muss sich niemand Sorgen um eine Überziehung der Ausleihzeiten machen. Das Bücherei-Team hat in den letzten Wochen von sich aus die Ausleihfrist bis zum 23. September verbucht. Und wer nicht ausgerechnet am ersten Montag nach der Einführung der neuen Technik die Bücher zurückbringen möchte, der kann auch während der dreiwöchigen Schließungzeit telefonisch eine Verlängerung beantragen – oder den einfachen Online-Weg wählen.

Eine Buchrückgabe ist künftig rund um die Uhr möglich

Nach der Wiederöffnung wartet die Bücherei in Stadtlohn auch noch mit einem ganz neuen Service auf: dem Tag- und Nacht-Rückgabeschalter. Dort können ausgeliehene Bücher rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche zurückgegeben werden – inklusive automatischer Verbuchung und Quittung. Auch Leser aus Südlohn und Oeding können ihre Bücher außerhalb der Öffnungszeiten am automatischen Schalter zurückgeben, allerdings nur am Standort Stadtlohn.

Und wird es künftig auch zusätzlich Ausleihzeiten morgens, mittags oder abends ohne Personal geben, so wie dies in der Bücherei in Vreden ab 2020 geplant ist?

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Das bleibt in Stadtlohn vorerst Zukunftsmusik. Daniela Kies: „Unsere neuen technischen Voraussetzungen geben das her. Wir wollen aber einen Schritt nach dem anderen gehen und erst einmal Erfahrungen sammeln. Und dann schauen wir mal weiter.“

Stichwort RFID

RFID ist eine Abkürzung für die englische Bezeichnung Radio-Frequency Identification. Das bedeutet: Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen Die RFID-Technologie steht für Sender-Empfänger-Systeme zum automatischen und berührungslosen Identifizieren und Lokalisieren von Objekten und Lebewesen mit Radiowellen. Ein RFID-System besteht aus einem Transponder (umgangssprachlich auch Funketikett genannt), der sich am oder im Gegenstand befindet und einen kennzeichnenden Code enthält, sowie einem Lesegerät zum Auslesen dieser Kennung.
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